Erfurt: Schaufensterpuppen auf dem Domplatz sorgen für heftige Reaktionen – „illegal Müll entsorgt“

Eine Kunstinstallation in Erfurt auf dem Domplatz erregt die Gemüter.
Eine Kunstinstallation in Erfurt auf dem Domplatz erregt die Gemüter.
Foto: imago images / Christoph Worsch

Nanu, was ist denn das? Mitten auf dem Domplatz in Erfurt stehen seit wenigen Tagen dutzende Schaufensterpuppen, eingewickelt in rot-weißes Absperrband.

Manche stehen dort allein, andere in Gruppen, sie nehmen verschiedenen Haltungen ein. Wie kommen die denn da in Erfurt hin?

Erfurt: Figuren auf dem Domplatz sorgen für gemischte Gefühle

Ganz einfach: Jemand hat sie aufgestellt, und der hat sich auch was dabei gedacht. Es handelt sich um eine Kunst-Installation vom Künstler Dennis Josef Meseg.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Oder doch? Wegen dieser Kunstaktion auf dem Domplatz in Erfurt rasten einige Anwohner regelrecht aus.

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Erfurter reagieren heftig auf Kunstaktion am Domplatz

In einer Erfurt-Gruppe bei Facebook kommentieren die Mitglieder das Projekt:

  • „Ich weiß nicht so recht was das soll!? Weg damit.....“
  • „Da hat jemand wohl illegal sein Müll auf dem Domplatz entsorgt“
  • „Könnte aber auch die desolate Situation bei unserem FC Rot-Weiß Erfurt darstellen!“
  • „Ooooh, sieht das bescheuert aus. Wer hat sich den diesen Schmutz wieder einfallen lassen?“

Daraus entbrennt eine emotionale Diskussion, doch nicht alle sind den Schaufensterpuppen negativ gesonnen. „Kunst war schon immer Geschmackssache – aber freie Kultur [braucht] freie Kunst“, wundert sich ein Nutzer.

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„Die Kommentare hier sind erschreckend, ich dachte nicht dass ihr so engstirnig seid. Ein bisschen Sinn für Kunst hat anscheinend keiner von euch“, findet eine Frau. Ein anderer meint: „In den Kommentaren hier, zeigt sich Erfurt mal wieder von seiner 'besten' Seite, miefig, spießig, kleinbürgerlich!“

Das steckt hinter der Kunstaktion

Doch was soll die verrückte Kunstaktion überhaupt bewirken? Die Antwort liefert der Künstler Meseg selbst: „Niemand, egal aus welcher Bevölkerungsschicht, egal ob Jung oder Alt, kommt in diesen Tagen am Thema 'Corona' vorbei. Es verfolgt uns rund um die Uhr, bis in den Traum.“

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Mit der Installation „It is like it is“ (zu Deutsch: „Es ist, wie es ist“) will der Künstler „das Unfassbare fassbar“ machen. Schaufensterfiguren, die Anfang des Jahres noch mit „überbordender Fülle lebensbejahende, bunte Kleidung“ präsentierten, stehen nun einförmig und kaum unterscheidbar beieinander.

Schaufensterpuppen stehen für „Unüberwindbare Trennung“

„Rotweißes Flatterband dokumentiert die unüberwindbare Trennung, die das momentan eingeschränkte Leben und die Beschneidung der Grundrechte aller Menschen mit sich bringen“, erklärt Meseg auf einem Hinweisschild.

Nicht zuletzt schaffe Kunst Verbindung zwischen den Menschen.

Und genau das geschieht auch in der Facebook-Gruppe: Die Fotos von dem Kunstwerk erschaffen die Grundlage für eine lebendige Diskussion. (vh)