Erfurt: Diesen Mythos kennt jeder – Spur führt in den Erfurter Dom!

Im Dom Erfurt findet man ein Relikt, das den Ursprung einer berühmten Erfurter Sage lieferte!
Im Dom Erfurt findet man ein Relikt, das den Ursprung einer berühmten Erfurter Sage lieferte!
Foto: imago images / Steve Bauerschmidt

Erfurt. Geheimnisvolle Wasserwesen leben in der Gera, Till Eulenspiegel treibt in der Stadt Schabernack und um den Dom herum spukt es, wenn es dunkel wird. Diese und noch unzählige weitere Legenden gibt es in und über Erfurt zu erzählen. Viele Sagen entstammen noch aus dem Mittelalter und liefern einen Teil zur Geschichte der Landeshauptstadt bei.

Eine Legende, die eigentlich jeder Erfurter kennt, führt in den Dom, das Rathaus und angeblich auch ins alte Ägypten... Das steckt dahinter!

Erfurt: Berühmte Sage nimmt Ursprung im Erfurter Dom

Der Erfurter Autor und Journalist Mirko Krüger beschäftigt sich in vielen seiner Bücher mit den Geschichten und Geheimnissen der Stadt Erfurt und anderen Orten in Thüringen. Im Gespräch mit Thüringen24 verrät er, was es mit der Legende vom Graf von Gleichen auf sich hat. Sie geht auf ein Relikt zurück, das du heute noch im Erfurter Dom anschauen kannst.

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Der Erfurter Dom:

  • früher auch Marienkirche oder Propsteikirche Beatae Mariae Virginis genannt
  • 81,26 Meter hoch
  • besitzt die größte freischwingende, aus dem Mittelalter stammende Glocke der Welt, die „Gloriosa“
  • bis in das frühe 19. Jahrhundert Sitz des Kollegiatstifts St. Marien
  • seit 1994 Kathedrale des Bistums Erfurt

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Der Sage nach sei ein thüringischer Graf während eines Kreuzzuges gefangen genommen und nach Ägypten gebracht worden. Dort habe er sich in die Tochter des Sultans verliebt, die ihm schließlich zur Flucht verholfen habe. Er habe ihr jedoch im Gegenzug versprechen müssen, sie zur Frau zu nehmen.

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Das Problem jedoch: „Der Graf sei zu diesem Zeitpunkt schon verheiratet gewesen“, berichtet Krüger. „Deshalb habe er sich vom Papst persönlich die Erlaubnis geholt, eine Zweit-Ehe führen zu dürfen.“ Daraufhin sei seine zweite Ehefrau bei ihm und seiner ersten Frau – die jene „Dreiecksbeziehung“ offenbar duldete – auf Burg von Gleichen eingezogen.

Der Grabstein des Grafen von Gleichen, der heute im Erfurter Dom zu sehen ist, soll der Ursprung der Legende gewesen sein: Denn er zeigt den Grafen zwischen zwei Frauen.

Grabstein löst Gerüchte um „Doppel-Ehe“ des thüringischen Grafen aus

Auch im Erfurter Rathaus ist die Sage des Grafen von Gleichen in historischen Wandgemälden abgebildet. Dass die Geschichte tatsächlich die Erklärung dafür ist, warum der Graf mit zwei Frauen abgebildet wurde, daran gibt es Zweifel. Denn bevor die Geschichte das erste Mal in Thüringen erzählt wurde, soll sie bereits viele Jahre zuvor schon in Frankreich aufgekommen sein, weiß Autor Mirko Krüger.

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Man könne dem Ganzen wissenschaftlich auf den Grund gehen, indem man die Gebeine, die unter dem Grabstein verborgen liegen, genetisch untersucht. Doch bis dahin bleibt das Geheimnis um den Grafen von Gleichen und die zwei Frauen noch bestehen – und die Legende weiter aufrecht.

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Erfurter Autor schreibt über Geheimnisse und Irrtümer aus Thüringen

Der Autor Mirko Krüger, der viele Jahre als Journalist bei der Thüringer Allgemeinen Zeitung arbeitete, befasst sich in seinen Büchern unter anderem mit Sagen und Mythen rund um und in Thüringen.

In seinen erst kürzlich erschienenen neuesten Büchern „Tatort Erfurt“ und „Ach du meine Nase“ geht es außerdem um besonders aufsehenerregende Kriminalfälle aus der Landeshauptstadt und um Antworten auf sämtliche Fragen rund um die Film- und Fernsehgeschichte der ehemaligen DDR. (fno)