Erfurt: Frau in eigener Wohnung missbraucht – Knast-Urteil für Polizisten!

Der Angeklagte wird zur Verlesung des Protokolls in Handschellen in den Schwurgerichtssaal in Erfurt geführt. (Archiv)
Der Angeklagte wird zur Verlesung des Protokolls in Handschellen in den Schwurgerichtssaal in Erfurt geführt. (Archiv)
Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Erfurt. Knast-Strafe für zwei Polizisten!

Zwei Polizisten (23 und 28) aus Thüringen hatten am Montag vor dem Landgericht in Erfurt verantworten müssen. Wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung einer Amtsstellung in Tateinheit mit Vorteilsnahme müssen die Männer für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis!

Erfurt: Haftstrafe für Polizisten wegen sexuellen Missbrauchs

Das gesamte Tatbild sei laut Richter erschreckend und zutiefst verstörend. Es könne das Vertrauen in die Integrität der Polizei erheblich beeinflussen, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung am Montag.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer im Dienst Sex mit einer Frau in deren Wohnung in Marlishausen hatten. Dorthin waren sie im September 2019 gefahren, um Ausweispapiere der gebürtigen Polin zu suchen.

Bei einer Kontrolle zuvor hatten die Polizisten an der Echtheit der Dokumente gezweifelt.

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Das Gericht hält es zwar für möglich, dass die Frau die Initiative für den Geschlechtsverkehr ergriff, dies aber aus einer Notsituation heraus tat, da sie sonst mögliche Konsequenzen für sich fürchtete.

Landgericht Erfurt: Proteste vor dem Gebäude

Während die Männer auf die Urteilsverkündung warten, haben Demonstranten vor dem Gebäude in Erfurt lautstark gegen Rassismus und Sexismus bei der Polizei protestiert. Mehrere Dutzend vor allem jüngere Frauen versammelten sich am Montag vor dem Gerichtsgebäude, um Solidarität mit Opfern von Polizeigewalt zeigen.

Immer wieder sei in diesem Zusammenhang von Einzelfällen die Rede, sagte eine Sprecherin. Dabei handele es sich ihrer Auffassung nach um ein strukturelles Problem bei der Polizei.

Hauptzeugin erschien nicht vor Gericht

Die Polizisten sagten vor Gericht aus, dass der Sex einvernehmlich gewesen sei. Die Frau selbst soll später einem Dolmetscher gegenüber von einer Vergewaltigung gesprochen haben. Allerdings ist das Opfer nicht zum Prozess erschienen.

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Polizisten können Urteil anfechten

Angeklagt waren die Polizisten ursprünglich wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung im besonders schweren Fall.

Doch die Staatsanwaltschaft rückte in ihrem Plädoyer von den Vergewaltigungsvorwürfen ab und forderte zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs von Gefangenen und behördlich Verwahrten unter Ausnutzung einer Amtsstellung.

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Die Verteidiger der Polizisten plädierten auf Freispruch. Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden. (vh/mit dpa)