Erfurt: Nach Angriff vor Staatskanzlei – Motiv für Brutalo-Tat schockiert

Vor der Thüringer Staatskanzlei kam es in der Nacht zu einer Massenschlägerei.
Vor der Thüringer Staatskanzlei kam es in der Nacht zu einer Massenschlägerei.
Foto: Marcus Scheidel

Erfurt.  In Erfurt hat es am Wochenende heftig gekracht. Mehrere Menschen wurden Opfer einer angreifenden Jugend-Gruppe.

Vor der Thüringer Staatskanzlei hatten sich bis zu 30 junge Menschen eine Schlägerei geliefert. Nachdem die Lage am Wochenende zunächst unübersichtlich war, kommen nun immer mehr Details an Licht. Fünf Menschen wurden bei der gewaltsamen Auseinandersetzung in Erfurt verletzt, eine Person davon schwer.

Ermittler haben jetzt Videomaterial aus Erfurt ausgewertet. Und daraus eine wichtige Erkenntnis gewonnen: So habe es sich um einen gezielten Angriff einer Gruppe auf die andere gehandelt. Eine Sprecherin der Linksfraktion verwies nun auch auf einen möglichen Hintergrund für den Angriff. Und der ist äußerst besorgniserregend.

Erfurt: Massenschlägerei mit 30 Teilnehmern – Polizisten verletzt

Wie die Polizei berichtet, kam es in der Nacht zum Samstag gegen 1 Uhr am Morgen zu einem Angriff einer Jugendgruppe auf eine andere. Bei der anschließenden körperlichen Auseinandersetzung wurden insgesamt fünf Beteiligte verletzt, einer von ihnen sogar schwer. Auch Polizisten trugen Verletzungen davon. Drei Beamte erlitten leichte Verletzungen.

Nach der Schlägerei flüchtete die eine angreifende Personengruppe, während die andere auf die Polizei wartete. Offenbar hatte eine Gruppe aus etwa 15 Personen eine andere, etwa gleich große Gruppe überwiegend Jugendlicher angegriffen, die sich auf dem Platz vor der Staatskanzlei im Hirschgarten aufhielt, das berichtet der „MDR“.

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Videomaterial zeigt, dass...

Das bestätigt nun auch Videomaterial, das die Ermittler ausgewertet haben. Die erste Auswertung von Videos zum Tatgeschehen am frühen Samstagmorgen zeige, „dass das keine gegenseitige Schlägerei ist“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, Hannes Grünseisen, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Vielmehr sei nach dem bislang gesichteten Videomaterial eine Gruppe Menschen zu der anderen gekommen.

Teilweise hätten sich einzelne Dazukommende unter die Mitglieder der anderen Gruppe gemischt. Dann hätten die Ankommenden angefangen, auf etwa 15 Männer und Frauen einzuschlagen. Weil die Gesamtsituation sehr dynamisch gewesen sei, lasse sich bislang nicht genau sagen, wie viele Angegriffene es gegeben habe.

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Rechtsextemes Tatmotiv?

Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antifaschismus der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, erklärt zu der Straftat am Dienstag: „Es gibt zudem Hinweise auf einschlägige Szene-Textilien und Verbindungen von Tatverdächtigen in die Neonazi-Szene. Daher ist davon auszugehen, dass der Überfall aus dem extrem rechten Milieu kam. Ich gehe davon aus, dass Polizei und Staatsanwaltschaft, die in alle Richtungen ermitteln, vor diesem Hintergrund mit der nötigen Sensibilität eine neonazistische Motivation prüfen.“

Auch ein Kampfsport-Hintergrund sei denkbar. Seit einigen Jahren suchen Neonazis immer stärker den Anschluss an die organisierte Kampfsport- und Hooligan-Szene und pflegen dabei auch Kontakte nach Osteuropa. König-Preuss forderte eine konsequente Aufklärung der Straftaten. Die Staatsanwaltschaft Erfurt war am Dienstag nicht mehr für eine Anfrage zu erreichen.

Polizei hofft auf Hinweise von Zeugen

Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft in Erfurt ermitteln nun wegen Landfriedensbruch und schwerer Körperverletzung. Dabei erhofft sie sich auch durch Foto- und Videoaufnahmen Hinweise. Wer in der Nacht vor der Staatskanzlei Aufnahmen gemacht hat, wird gebeten sich bei der Polizei Erfurt unter der Nummer 0361-7443 1465 zu melden. (dav mit dpa)