Bodo Ramelow: Nach Mittelfinger-Affäre an AfD – jetzt schalten SIE sich ein

Ministerpräsident Bodo Ramelow zeigte einem AfD-Abgeordneten den Stinkefinger. Jetzt gibt es auch Kritik aus den eigenen Reihen – aber auch Rückhalt.
Ministerpräsident Bodo Ramelow zeigte einem AfD-Abgeordneten den Stinkefinger. Jetzt gibt es auch Kritik aus den eigenen Reihen – aber auch Rückhalt.
Foto: dpa / Martin Schutt

Erfurt. Ministerpräsident Bodo Ramelow hat mit seiner Aktion während der Landtagssitzung am Freitag mächtig Staub aufgewirbelt.

Ein Ministerpräsident, der gegenüber einem AfD-Abgeordneten die Beherrschung verliert und sich zu einer unfreundlichen Geste hinreißen lässt – Bodo Ramelow (Die Linke) steht jetzt im Mittelpunkt zahlreicher Debatten.

Bodo Ramelow zeigt AfD-Abgeordnetem den Stinkefinger!

Was war passiert? Während der Sitzung des Thüringer Landtags am Freitag in Erfurt hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow dem AfD-Abgeordneten Stefan Möller den Stinkefinger gezeigt. Kurz vorher war über den Umgang mit Akten zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ und über den Verfassungsschutz diskutiert worden.

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Der AfD-Abgeordnete bezeichnete den Verfassungsschutz als skandalgeneigte Behörde und drehte sich mit den Worten „Wer da schon alles Tolles beobachtet wurde, nicht wahr, Herr Ramelow?“ dem Thüringer Regierungschef zu. Möller spielte dabei auf die frühere Beobachtung Ramelows durch den Verfassungsschutz an – diese war vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt worden.

Ramelow zeigte Möller daraufhin den Mittelfinger.

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Das ist Bodo Ramelow:

  • Bodo Ramelow wurde am 16. Februar 1956 in Osterholz-Scharmbek in Niedersachsen geboren
  • Er ist zum dritten Mal verheiratet, seit 2006 mit Germana Alberti vom Hofe
  • Er hat zwei erwachsene Söhne aus erster Ehe
  • Er ist ein deutscher Politiker und gehört zu den Linken
  • Er ist seit dem 4. März 2020 der Ministerpräsident des Freistaates Thüringen
  • Bodo Ramelow war bereits von Dezember 2014 bis 5. Februar 2020 Ministerpräsident
  • Er ist der erste Ministerpräsident eines Bundeslandes, er den Linken angehört

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Tiefensee (SPD): „eine Grenze überschritten“

Die Aktion schlug hohe Wellen. Auch Mitglieder der rot-rot-grünen Regierung wendeten sich gegen den Ministerpräsidenten. Thüringens SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee twitterte etwa, Ramelow habe eine Grenze überschritten. „Sie begeben sich auf das Niveau derer, die Sie beleidigt haben“, heißt es in dem an Ramelow gerichteten Tweet.

Widerspruch erntete Tiefensee allerdings von Juso-Chef Kevin Kühnert. Er sprang Ramelow unter anderem mit den Worten „Das „Niveau“ der AfD macht sich nicht an irgendwelchen ungehobelten Gesten fest, sondern an Menschenfeindlichkeit und Faschismus“ bei.

Ramelow: „Ich war fassungslos“

In einem am Freitag ausgestrahlten MDR-Interview hatte Ramelow zudem eingeräumt, Möller im Landtag auch als widerlichen „Drecksack“ bezeichnet zu haben. „Es gehört sich nicht, im Parlament so was zu sagen, was ich gesagt habe, aber ich wiederhole es. Herr Möller ist mit dem, was er gerade im Parlament gemacht hat, aus meiner Sicht ein widerlicher Drecksack“, sagte der Linke-Politiker vor der MDR-Kamera.

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Bereits kurz nach dem Eklat hatte sich Ramelow auf Twitter reumütig gegeben: „Dem Landtag gebührt mein Respekt als Verfassungsorgan. Den habe ich heute nicht im gebotenen Maße gezeigt. Gleichwohl werde ich meine antifaschistische Grundhaltung niemals von der AfD instrumentalisieren lassen“, schrieb der 64-Jährige.

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In einem Video, das Ramelow bei Facebook teilte und in dem er seinen Wutausbruch begründen will, erklärte er: „Ich habe von der Regierungsbank einen impulsiven Ausbruch gehabt, der sich nicht gehört – auf der Regierungsbank. Aber trotzdem bleibe ich dabei. Die Opfer des NSU dürfen niemals so verhöhnt werden, wie es am Freitag geschehen ist. [...] Auch wenn ich weiß, dass es sich nicht gehört einen Redner zu unterbrechen, ich war aber fassunglos.“

AfD fordert Rücktritt Ramelows

In der Thüringer Linken erhält Ramelow viel Unterstützung für seine Aktion. Die Landes- und Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow erklärte: „Ein Stinkefinger ist die einzig anständige Reaktion auf einen Unanständigen.“ Auf der Facebook-Seite des Landesverbandes wurden Fotos veröffentlicht, auf denen Abgeordnete den Stinkefinger zeigen – mit dem Kommentar: „Manchmal braucht es eben (Mittel-)Fingerspitzengefühl.“

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AfD-Landessprecher Björn Höcke legte Ramelow hingegen einen Rücktritt nahe. „Wenn er einen Funken politischen und menschlichen Anstand besäße, würde er zurücktreten!“, erklärte der Rechtsaußen. Dieser „Bock“ des Ministerpräsidenten sei für den Thüringer Landtag der „absolute Tiefpunkt.“ (fno mit dpa)