Erfurt: Politiker nach rassistischer Attacke fassungslos – „Die Nazi-Schläger laufen alle wieder frei rum“

Am Wochenende kam es in Erfurt zu einer erschütternden Gewalttat gegen drei Männer aus Guinea. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) meldet sich jetzt auf Twitter zu Wort.
Am Wochenende kam es in Erfurt zu einer erschütternden Gewalttat gegen drei Männer aus Guinea. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) meldet sich jetzt auf Twitter zu Wort.
Foto: imago images / imagebroker & dpa / picture alliance

Erfurt. Diese rassistische Attacke erschütterte ganz Erfurt.

In der Nacht zu Samstag sind drei Männer aus Guinea Opfer einer schlimmen Gewalttat geworden. Ein 21-Jähriger wurde dabei schwer verletzt. Teilweise soll sein Zustand sogar sehr kritisch gewesen sein. Die Polizei spricht von einem „fremdenfeindlichen Übergriff“ (Thüringen24 berichtete). Nach diesem Vorfall melden sich nun auch Politiker aus Thüringen zu Wort. Auch sie können kaum glauben, was sich in Erfurt ereignet hat.

Erfurt: Thüringens Innenminister mit klarer Ansage

So schreib Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) auf Twitter: „Ich bin schockiert! Erneut rechtsextreme Gewalt in Erfurt. Bin in Gedanken bei den Opfern.“

Die Tat zeige eine steigende Gewaltbereitschaft in der rechten Szene. Der Vorfall ereignete sich vor einem bekannten Treffpunkt der Rechtsextremen im Plattenbaugebiet Herrenberg im Südosten der Stadt. Gegen 3 Uhr nachts kam es zu dem rassistischen Übergriff. Die Angreifer hielten sich laut Polizei vor dem Platz auf.

Die zwölf mutmaßlichen Täter wurden von der Polizei mittlerweile auf freien Fuß gesetzt. Haftbefehle gegen sie seien nicht beantragt worden, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt am Sonntag mit. Gegen die mutmaßlichen Täter lägen keine Haftgründe vor, heißt es. Die Ermittlungen gegen die Verdächtigen laufen weiter.

Eines der Opfer aus Erfurt verletzte sich schwer

Nach der Entscheidung der Staatsanwaltschaft twitterte Maier: „Die Nazi-Schläger von Erfurt laufen alle wieder frei rum. Ich weiß, dass es mir nicht zusteht, die Justiz zu kritisieren. Aber für die Opfer und die Menschen am Herrenberg ist das eine Katastrophe.“

Die „dreiköpfige Gruppe ausländischer Mitbürger“ sei von zehn bis zwölf Deutschen verbal und danach tätlich angegriffen worden, hieß es von der Polizei. Die verletzten Männer aus Guinea wurden im Krankenhaus behandelt. Einer von ihnen soll eine Kopfverletzung erlitten haben. Das Landeskriminalamt wurde eingeschaltet und die Polizei forderte Zeugen auf, sich zu melden.

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In Thüringer Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass sich vor dem Schauplatz der Tat regelmäßig Mitglieder oder Sympathisanten der rechtsextremistischen Kleinstpartei „Dritter Weg“ aufhalten. Die Polizei nahm dazu keine Stellung.

Linken-Landtagsabgeordnete ebenfalls fassungslos

Auch die Linken-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss zeigte sich nach dem Vorfall entsetzt. Sie erklärte, dass es bereits der zweite massive Neonazi-Übergriff in Erfurt innerhalb weniger Wochen war. Preuss ist Sprecherin für Antifaschismus und Antirassismus der Fraktion. Sie forderte ein Verbotsverfahren gegen die Partei „Dritter Weg“.

Erst am Samstag protestierten Hunderte Menschen in Erfurt gegen Rechtsextremismus. Etwa 400 Teilnehmer sollen sich an den Demonstrationen beteiligt haben, heißt es von Polizei und Veranstalter. Hintergrund war ein Vorfall am vorletzten Juli-Wochenende vor der Staatskanzlei. Eine Gruppe Jugendlicher wurde dort angegriffen und verletzt.

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Einige der Angreifer haben nach Angaben der Ermittlungsbehörden einen rechtsradikalen Hintergrund. Die Ermittlungen dazu laufen ebenfalls noch. (kf mit dpa)