Erfurt: Muslim wird auf offener Straße angegriffen – „Rassismus kann auch töten“

Der Muslim Suleman Malik ist in Erfurt rassistisch beleidigt worden. Für ihn kein Einzelfall...
Der Muslim Suleman Malik ist in Erfurt rassistisch beleidigt worden. Für ihn kein Einzelfall...
Foto: imago images / Steve Bauerschmidt

Erfurt. „Ich bin Nazi. Das lasse ich mir von keinem Scheiß-Kanaken nehmen. Wenn es nach mir ginge, wärt ihr alle nicht hier!“. Diese Worte musste sich Suleman Malik in Erfurt anhören.

Der Muslim wartete an einer Straßenbahnhaltestelle in Erfurt, ein Mann auf der gegenüberliegenden Seite bepöbelte und beleidigte vorbeilaufende Fußgänger und auch ihn selbst und schrie immer wieder „Ich bin Nazi“.

Suleman Malik ist fassungslos über den Vorfall. Doch er sagt auch: Das sei längst kein Einzelfall mehr. Deutschland habe ein großes Rassismus-Problem! „Wehrt euch, liebe weiße Mehrheitsgesellschaft“, twittert er.

Erfurt: Muslim an Straßenbahnhaltestelle rassistisch beleidigt

Es passierte am Mittwochabend an der Straßenbahnhaltestelle „Mainzer Straße“. Suleman Malik wartete auf die Straßenbahn, um zum Moschee-Gelände im Erfurter Stadtteil Marbach zu fahren. Schon kurz zuvor habe er die Rufe des offenbar betrunkenen Mannes gehört, der eine Gruppe vorbeilaufender Menschen mit Migrationshintergrund mit „Nieder mit euch“ angeschrien habe.

„Später ging es dann auch gegen mich“, erzählt Malik im Gespräch mit Thüringen24. „Das war wirklich krass.“ Doch am schlimmsten sei gewesen, dass niemand etwas getan habe. „Er hat minutenlang die Menschen angepöbelt, aber niemand hat die Polizei gerufen“, erzählt Malik bestürzt.

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Doch das sei für ihn leider kein Einzelfall. Beleidigungen oder rassistische Begegnungen erlebe er zu oft Erfurt. „Es hat sich über die Jahre aufgebaut und jetzt entlädt sich der Hass immer mehr“, sagt Malik auch im Hinblick auf die Schlagzeilen aus den letzten Wochen. „Wir haben zu lange weggeschaut. Aber Rassismus ist ein Verbrechen.“

Mehrere fremdenfeindliche Übergriffe innerhalb kurzer Zeit

Im Erfurter Stadtteil Herrenberg waren am vergangenen Wochenende zwei Männer aus Guinea (Afrika) teilweise schwer verletzt worden. Die Angreifer werden der rechten Szene zugeordnet. Das LKA hatte außerdem in dieser Woche Wohnungsdurchsuchungen bei mutmaßlichen Tätern mit rechtsextremem Hintergrund durchgeführt, die bei einem Angriff vor der Staatskanzlei beteiligt gewesen sein sollen.

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Die Polizei Erfurt erkennt keinen Trend von Fremdenfeindlichkeit. Zumindest ließen diese drei Sachverhalte keine entsprechenden Rückschlüsse zu, sagte Polizeisprecherin Julia Neumann gegenüber Thürigen24.

Die Polizei habe bezüglich des Vorfalls an der Straßenbahnhaltestelle „Mainzer Straße“ Anzeige erstattet. Die Kriminalpolizei ermittle.

Jährlich veröffentlicht das Innenministerium die Zahlen politisch motivierter Kriminalität in Thüringen. Im vergangenen Jahr wurden demnach in Erfurt 276 Fälle registriert – fast die Hälfte davon (144 Fälle) waren politisch rechts motiviert. Darunter fielen unter anderem Körperverletzungen, Widerstandshandlungen und Sachbeschädigungen.

Allerdings hatte es im Jahr 2018 noch 33 rechtsmotivierten Straftaten mehr gegeben. Belastbare Zahlen für das laufende Jahr gibt es noch nicht.

Malik: „Rassismus kann auch töten“

Angst hat Suleman Malik nicht. Obwohl er regelmäßig Hetze auf dem Moschee-Gelände erlebe, zuweilen auch mitten in der Stadt. „Man wird teilweise nicht wie ein Mensch behandelt“, beschreibt er den Hass, der ihm von manchen Menschen entgegengebracht werde. „Rassismus kann auch töten.“

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Einschüchtern lassen will er sich aber nicht. „Ich verstehe nicht, was noch alles passieren muss, damit endlich etwas gegen das Rassismus-Problem unternommen wird“, sagt Malik. „Und ich sage das so laut, damit alle auf das Problem aufmerksam werden.“

„Ich wünsche mir eine Welle der Solidarität – gegen den Rassismus.“ (fno)