Hartz 4 in Erfurt: Dramatische Entwicklung – in diesen Stadtteilen leben Kinder in Armut

In zwei Stadtteilen in Erfurt leben besonders viele Menschen von Hartz 4. (Symbolbild)
In zwei Stadtteilen in Erfurt leben besonders viele Menschen von Hartz 4. (Symbolbild)
Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Erfurt. In Erfurt wird die Kluft zwischen sozialstarken und -schwachen Stadtteilen immer größer. Das geht aus dem Sozialstrukturatlas der Stadt Erfurt hervor.

Demnach gibt es vor allem zwei Gebiete in der Stadt, die immer weiter abgehängt werden. Hier ist die Arbeitslosigkeit in Erfurt und der Anteil der Menschen, die von Hartz 4 leben, am größten.

Hartz 4 in Erfurt: In diesen Stadtteilen leben die meisten Menschen in Armut

Aus dem Sozialstrukturatlas 2020 geht auf der Grundlage von Daten, vorrangig aus den Jahren 2017 und 2012, hervor, wie die Lebenslage Erfurter Bevölkerung (Durchschnittsalter, Kinder, Arbeitslosigkeit etc.) in den 53 Erfurter Ortsteilen aussieht.

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Damit lassen sich Veränderungen in den Stadtteilen in einem Zeitraum von fünf Jahren ablesen. Besonders brisant für die Stadt Erfurt ist dabei wohl, dass die thüringische Landeshauptstadt laut einer Studie, so die Thüringer Allgemeine, mit die höchsten Unterschiede zwischen armen und reichen Vierteln in Deutschland aufweist.

Dabei geraten vor allem zwei Stadtteile immer wieder in den Fokus.

Brennpunkte im Norden der Stadt

Im Norden Erfurts sind die Zahlen in den Gebieten Rieth und Berliner Platz alarmierend.

Anwohner:

  • Berliner Platz: 6.083, 7,9 Prozent (der Gesamtbevölkerung Erfurts)
  • Rieth: 6.328, 3 Prozent
  • Erfurt gesamt: 213.354

Arbeitslosigkeit:

  • Berliner Platz: 447, 13,3 Prozent
  • Rieht: 443, 12,5 Prozent
  • Erfurt gesamt: 7.218, 5,2 Prozent

Ausländische Bevölkerung:

  • Berliner Platz: 910, 15 Prozent
  • Rieth: 1393, 22 Prozent
  • Erfurt gesamt: 16.451, 7,7 Prozent

Anwohner über 65-Jahre:

  • Berliner Platz: 1.922, 31,6 Prozent
  • Rieth: 1.850, 29,2 Prozent
  • Erfurt gesamt: 46.610, 21,8 Prozent

Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren:

  • Berliner Platz: 261, 49,2 Prozent
  • Rieth: 220, 39,1 Prozent
  • Erfurt gesamt: 6.359, 29,9 Prozent

Vor allem die Arbeitslosenrate in den beiden Stadtteilen ist besorgniserregend, über 60 Prozent der Kinder dort leben in Hartz-Vier-Haushalten.

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Zuzug ist Hauptgrund für sozialschwache Viertel

Beide Stadtteile im Norden sind in den vergangenen Jahren mit am stärksten in Erfurt gewachsen – das ist laut des Sozialatlas auch auf den Zuzug ausländischer Bevölkerung zurückzuführen.

So ist die Zahl der ausländischen Bevölkerung in der Großwohnsiedlung Nord insgesamt um 2.479 Personen/205 Prozent gewachsen. Von diesem relativen Wachstum sind alle vier Ortsteile im gesamtstädtischen Vergleich überdurchschnittlich stark betroffen, das Rieth dabei am auffälligsten.

Die Ortsteile Berliner Platz (15 Prozent) und Rieth (22 Prozent) sind die beiden Ortsteile in Erfurt mit den höchsten Anteilen an ausländischer Bevölkerung.

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Schwierigkeiten durch „Segregationstendenzen“

Im Bericht des Sozialatlas heißt es dazu: „In diesem Kontext gilt unbedingt zu erwähnen, dass das Vorhandensein einer deutschen Staatsbürgerschaft bzw. einer anderen Staatsbürgerschaft per se weder gut noch schlecht ist. Es kann jedoch ein Hinweis darauf sein, dass – wie verschiedene Studien auch für Erfurt zeigen – Segregationstendenzen zu besonderen Herausforderungen im Sozialraum führen können und bei weiteren sozialraumplanerischen Aspekten zu berücksichtigen sind.“

Den Sozialstrukturatlas kannst du online auf der Seite der Stadt Erfurt einsehen. (fno)