Erfurt: Nach 18 Monaten U-Haft – Doping-Prozess gegen Arzt Mark S. beginnt in München

Beamte nehmen Mark S. aus Erfurt fest. Am Dienstag beginnt der Doping-Prozess gegen den Arzt. (Archivbild)
Beamte nehmen Mark S. aus Erfurt fest. Am Dienstag beginnt der Doping-Prozess gegen den Arzt. (Archivbild)
Foto: Jens Meyer / dpa

München/Erfurt. Bei Razzien während der nordischen Ski-WM in Seefeld und zeitgleich in Erfurt decken Ermittler im Februar 2019 ein internationales Dopingnetzwerk auf. Als Drahtzieher wird Mark S. identifiziert, mit vier Komplizen soll der Mediziner aus Erfurt jahrelang Sportler gedopt haben.

Mindestens 23 Athleten aus acht Nationen - besonders aus dem Rad- und Wintersport - sollen Kunden des Arztes gewesen sein. Mark S. aus Erfurt und einer seiner Helfer sitzen seit mehr als eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Am Mittwoch (9.45 Uhr) beginnt im Landgericht München der Prozess gegen die fünf Personen.

Das sind die Vorwürfe gegen den Mediziner aus Erfurt

Der Mediziner soll mehrere Jahre lang an Sportlern Blutdoping durchgeführt haben. 2011 soll er begonnen haben, vor allem Winter- und Radsportler zu behandeln. Von 2014 an soll er Helfer gehabt haben, die Transporte übernahmen und auch die Blutabnahme sowie -zufuhr bei den Sportlern durchführten.

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Den Angeschuldigten wird gewerbsmäßige und zum Teil bandenmäßige Anwendung verbotener Doping-Methoden oder die Beihilfe dazu vorgeworfen. In einem Fall geht es laut Staatsanwaltschaft auch um gefährliche Körperverletzung.

Prominente Sportler sind in die Causa involviert

Internationalen Spitzenathleten gehörten nach aktuellem Stand nicht zu den Kunden des Arztes. Die bekanntesten Sportler, die bei der „Operation Aderlass“ genannt werden, sind die ehemaligen Radprofis Alessandro Petacchi und Danilo Hondo.

Der Italiener bestreitet eine Zusammenarbeit mit Mark S., Hondo räumte einen Dopingmissbrauch ein.

Sportler teilweise angeklagt und verurteilt

In dem Verfahren sitzen nur der Arzt und vier Helfer auf der Anklagebank. Deutsche Athleten, die bei den Ermittlungen aufgefallen waren, dopten zu einer Zeit, als dies hierzulande noch nicht strafbar war. Ausländische Athleten, vor allem in Österreich, wurden teils bereits in ihren Ländern angeklagt und zum Teil auch verurteilt.

Langläufer bringt Blutdoping-Affäre ins Rollen

Die Affäre ins Rollen brachte der österreichische Langläufer Johannes Dürr mit seinen Aussagen in einer ARD-Dokumentation.

Daraufhin begann die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen, die zu den Razzien am 27. Februar führten. Seither wurde Mark S. bereits mehrmals im Gefängnis vernommen und kooperierte zunächst. In Österreich gab es schon Prozesse gegen involvierte Wintersportler, auch gegen Dürr.

Wird Mark. S. aussagen?

Das ist unklar. Oberstaatsanwalt Kai Gräbner sagte in einem Interview, er glaube nicht an neue Erkenntnisse, die etwa den Radsport oder gar die Tour de France erschüttern werden. Offen ist, ob der Hauptbeschuldigte Mark S. selbst aussagen wird und möglicherweise weitere Kunden, die noch nicht bekannt sind, nennt.

Verteidigung ist richtig wütend

Die Verteidigung ist empört über die Dauer der Untersuchungshaft, schließlich sitzen Mark S. und einer seiner Helfer seit mehr als 18 Monaten im Gefängnis. Deshalb gab es sogar Verfassungsbeschwerden.

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Darüber hinaus beklagen die Verteidiger nach einem Bericht des „Spiegel“, dass sie keine vollständige Akteneinsicht erhalten haben und dass die bestellten Sachverständigen befangen seien.

Urteil kurz vor Weihnachten erwartet

Das Gericht setzte zunächst 26 Verhandlungstermine noch in diesem Kalenderjahr an. Dabei sollen vor allem viele Zeugen gehört werden, darunter etliche Sportler, die Kunden von Mark S. waren. Als letzter Termin vor Weihnachten ist der 21. Dezember anvisiert.

Mark S. droht mehrjährige Haftstrafe

Da Mark S. mehrere Delikte vorgeworfen werden, geht die Staatsanwaltschaft von einer mehrjährigen Haftstrafe aus. Die Helfer des Mediziners dürften dagegen mit geringeren Strafen davonkommen.

Diesen Stellenwert hat das Verfahren

„Es ist ein enorm wichtiger Prozess für den Anti-Doping-Kampf - nicht nur in Deutschland, sondern weit über unsere Grenzen hinaus“, meint Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Sollte der Angeklagte schuldig gesprochen und hart bestraft werden, könnte das Sportler und Dopingdrahtzieher abschrecken, hofft Hörmann.

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Das sieht auch Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, so. Es müsse gezeigt werden, dass auch im Sport, der gern auf seine Autonomie poche, Recht und Gesetz gelten, sagte sie. (dpa)