Erfurt wagt Verkehrsexperiment – es betrifft alle Verkehrsteilnehmer

Auf der Talstraße in Erfurt wagt die Stadt ein Verkehrsexperiment.
Auf der Talstraße in Erfurt wagt die Stadt ein Verkehrsexperiment.
Foto: hans@blossey.eu/ Google Maps

Erfurt. Die Stadt Erfurt wagt sich an ein Verkehrsexperiment, dass Autos, Fußgänger und auch Radfahrer betrifft.

Vom 5. bis zum 9. Oktober werden auf der Talstraße zwischen Nordstraße und Nettelbeckufer die dafür notwendigen Verkehrsschilder aufgestellt. Auch geänderte Fahrbahnmarkierungen sollen kommen, kündigt die Stadt an.

Erfurt wagt auf der Talstraße ein Verkehrsexperiment

Bisher verläuft der Verkehr auf diesem Teilstück der Talstraße zweispurig. Parkende Fahrzeuge dürfen auf dem Gehweg stehen.

Das Problem: Fehlende Sicherheitsbereiche und zu enge Verkehrsflächen für Fußgänger- und Radverkehr. Die neue Verkehrsorganisation soll dies ändern. Statt zwei Fahrstreifen soll es zukünftig nur noch einen „überbreiten Fahrstreifen“ geben. In diesem können Autos noch immer nebeneinander fahren, das Überholen von Lkw ist allerdings nicht mehr möglich.

Und: Parkende Fahrzeuge dürfen zukünftig nur noch zur Hälfte auf dem Gehweg stehen.

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„Verkehrsversuch“ ist völlig neu in Erfurt

„Solche überbreiten Fahrstreifen schlägt das aktuelle Radverkehrskonzept an mehreren Stellen im Straßennetz von Erfurt vor. Diese Maßnahmen sind kostengünstig, relativ schnell umsetzbar und können die Radverkehrsinfrastruktur in Erfurt spürbar verbessern“ sagt Achim Kintzel, Abteilungsleiter Verkehrsplanung im Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung.

In Erfurt ist diese Lösung vollkommen neu, daher fehlen bisherige Erfahrungswerte. Deswegen spricht Kintzel von einem „Verkehrsversuch“. Die Talstraße biete sich gut an, weil dort nur 30 km/h erlaubt sind und die Verkehrsbelastung „moderat“ sei. Zudem befahren wenige Lkw die Strecke und es verläuft keine Bus- oder Straßenbahnlinie über die Talstraße.

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Wissenschaftliche Untersuchungen sollen Auswirkungen messen

Die Bauhaus-Universität Weimar begleitet das Experiment. Sie führt eine Vorher-Nachher-Untersuchung durch, die die konkreten Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen begutachtet. Von besonderem Interesse sind Fragestellungen zur Verkehrssicherheit, dem Verkehrsablauf und der Akzeptanz dieser Lösung.

Die neue Verkehrsregelung ist zunächst für die Dauer von sechs Monaten angelegt. Gelbe Fahrbahnmarkierungen und zusätzliche Schilder verweisen auf die geänderte Situation. (mb)