Erfurt: „Dem Tod mehrfach die Stirn geboten“ – Simon (14) ist ein echter Kämpfer!

Simon aus Erfurt wurde bereits 79 Mal operiert. Sein Leidensweg ist aber noch nicht vorbei...
Simon aus Erfurt wurde bereits 79 Mal operiert. Sein Leidensweg ist aber noch nicht vorbei...
Foto: privat

Erfurt. Dieser Junge ist wirklich ein Kämpfer! Simon aus Erfurt ist mittlerweile 14 Jahre alt und muss in seinen jungen Jahren schon auf einen langen Leidensweg zurückblicken.

Er ist inzwischen 14 Jahre alt. Was der Jugendliche aus Erfurt in seinem Leben schon alles ertragen musste, ist nur schwer zu fassen. Und auch seine Eltern trifft sein Schicksal schwer.

Simon aus Erfurt: Was für ein Kämpfer!

Simon aus Erfurt leidet an einer seltener Meningokokkensepsis. Bei dieser tückischen Krankheit fressen Bakterien den Körper von innen auf. Entdeckt wurde sie, als Simon 15 Monate alt war.

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Meningokokkensepsis – was ist das?

  • schwer verlaufende Komplikation einer Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Übertragung erfolgt über Tröpfchen
  • Erreger: Neisseria meningitidis
  • Meldepflicht bei Erkrankung und Tod
  • Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen): ca. 0,5-5 pro 100.000 Einwohner pro Jahr

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Damals hatte der Kleine hohes Fieber. Eine Ärztin aus der Notaufnahme in Erfurt schickte Simon und seine Eltern wieder nach Hause. Ihre Diagnose: Virusinfektion.

Kurz darauf bekam Simon einen starken Ausschlag. Wieder ging es ins Krankenhaus. Dort verlegte man ihn auf die Intensivstation – künstliches Koma! Dann die Schockdiagnose.

Unterschenkel muss amputiert werden

Seitdem wurde Simon unfassbare 79 Mal operiert. Unter anderem mussten die Ärzte seinen linken Unterschenkel amputieren. In Kürze steht die 80. OP an.

Der Teenager erträgt das alles mit unglaublicher Leidensfähigkeit. „Er ist ein Kämpfer, der nicht alltäglich ist“, erzählt sein Vater Sven. „Ein Fighter der nicht aufgibt.“ Unter anderem könne Simon nach jahrelangem Kampf jetzt endlich Fußball in Erfurt spielen, außerdem mache er Leichtathletik. „Sport hilft ihm ungemein, den Kopf freizukriegen“, sagt Sven zu Thüringen24.

Familie aus Erfurt verliert Gerichtsprozesse

Dennoch: Die achtköpfige Familie leidet. Nicht nur unter der gesundheitlichen Belastung, sondern auch unter einem juristischen Streit, der nun schon seit Jahren anhält. Dabei geht es vor allem ums Recht, aber auch ums Geld. Zumal Papa Sven nach der Diagnose seine Firma aufgeben musste: „Es ging einfach nicht mehr.“

+++ Podcast: Prothesen Talk mit „Erfurts tapferstem Kämpfer“ Simon +++

Simons Eltern werfen der Ärztin, die sie damals mit ihrem Baby nach Hause geschickt hatte, einen groben fahrlässigen Behandlungsfehler vor. Zweimal zogen sie vor Gericht – beide Male scheiterten sie. Obwohl ein renommierter Gutachter ihnen Recht gegeben habe, sagt Sven emotional.

Simons Geburtstag: Post sorgt für Schock

Anfang September hatte Simon Geburtstag. Aber anstatt Geburtstagspost fischte er ein anderes Schreiben aus dem Briefkasten: „Darin werden wir aufgefordert, Gerichts- und Anwaltskosten in Höhe von 13.192 Euro zu zahlen“, sagt sein Vater. „Simons Geburtstag war da eigentlich vorbei.“

Das war der Moment, in dem sich Sven dazu entschied, Spenden per Fundraising zu sammeln. Eigentlich wolle er nicht von anderen abhängig sein. Aber jede Spende verhelfe Simon und seiner Familie zu etwas Ruhe und gebe neue Hoffnung.

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„Wir haben dem Tod mehrfach die Stirn geboten. Wir müssen uns zwingen, andere um Unterstützung zu bitten – all dies wäre nie notwendig geworden“, heißt es mit Blick auf die verlorenen Prozesse. >> HIER und HIER kannst du Simon helfen!

Erfurter Familie sammelt Spenden

Die Spenden will die Familie auch und vor allem dafür nutzen, um die gesundheitlichen Umstände von Simon weiterhin zu verbessern. Ein Beispiel: Simons Narbensalbe kostet laut Sven rund 1.000 Euro – jeden Monat.

Die „Bild“ berichtet, dass Schalke-Manager Jochen Schneider auf Simons Schicksal aufmerksam geworden ist.„Es hat es mir fast das Herz zerrissen“, sagte Schneider. Er wolle Simon und seiner Familie finanziell unterstützen.

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Wofür soll das Geld genutzt werden?

  • Narbensalben
  • notwendige Medikamente
  • Behindertenfahrzeug
  • Umbau der Wohnung
  • sportliche Förderung

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Eigentlich geht es der Familie auch ums große Ganze. Gern würde sie das Thema Patientengerechtigkeit mehr in die Öffentlichkeit rücken. Längst sei Simon kein Einzelfall mehr.

Vielleicht nimmt die Familie aus Erfurt einen dritten Anlauf vor Gericht. Dann ginge es um eine so genannte Restitutionsklage.