Lost Place begeistert die Erfurter – dahinter stecken 135 Jahre Geschichte

Erfurt: Historische Gebäude sind Zeugen der Vergangenheit einer Stadt. (Symbolbild)
Erfurt: Historische Gebäude sind Zeugen der Vergangenheit einer Stadt. (Symbolbild)
Foto: imago images

Erfurt ist nicht gerade als Bierstadt bekannt. Dennoch gibt es Lost Places in der Stadt, die noch heute davon zeugen, dass sie doch einiges mit Hopfen und Malz verbindet!

Einer von ihnen begeistert jetzt die Menschen in einer Erfurt-Gruppe bei Facebook. Doch ganz so „lost“ wird dieser schöne Ort in Zukunft nicht bleiben.

Erfurt: Dieser Lost Place mitten in der Stadt begeistert die Erfurter und weckt Erinnerungen

Bereits seit Jahrhunderten wird in der Domstadt Bier gebraut, und entscheidend für den herben Geschmack sind eben auch die richtige Malz-Sorte und deren Verarbeitung.

Und genau das hatten die Erfurter schon vor rund 135 Jahren richtig gut auf dem Kasten. Zeuge davon ist das ehemaligen Malzwerk an der Thälmannstraße! Nach dem Erfolg einer ersten kleinen Malzfabrik investierte der Getreidehändler Johann Georg Wolff 1885 mit seinen zwei Söhnen in den Neubau, der auch heute noch zu bestaunen ist.

Aus diesem Grund erlebte die Malzbranche eine Krise

Die Investition von rund einer Million Mark, einer stattlichen Summe im späten 19. Jahrhundert, sollte sich auszahlen. Der Familienbetrieb verkaufte sein Malz bis weit über die Grenzen von Thüringen hinaus.

+++ Weihnachtsmarkt in Erfurt abgeblasen – Glühwein-Händler steht vor unlösbarem Problem +++

„Damals war das Malzwerk das größte und produktionsreichste in ganz Deutschland“, weiß Hardy Eidam, Kurator der Sonderausstellung zum Thema Bier im Erfurter Stadtmuseum aus dem Jahr 2018.

Das galt zumindest bis zum Zweiten Weltkrieg. Dann ging der Absatz von Bier zurück, und somit schrumpfte auch der Bedarf an Malz auf ein Minimum. Nach dem Ende des Kriegs und der Gründung der DDR ging die Malzfabrik in Volkseigentum über.

Malz aus der DDR wird zum Exportschlager

Als volkseigener Betrieb knüpfte man die Erfolgsgeschichte an: Aus Erfurter Malz wurde nicht nur in der DDR Bier gebraut, sondern in der ganzen Welt. Doch nach der Wende folgte der nächste Umbruch: 1989 wurde die Erfurter Malzwerke GmbH gegründet.

--------------------------------

Mehr Themen aus Erfurt:

Erfurt: Lockdown trifft Gastronomie hart – Café-Betreiber überrascht mit Einschätzung der Lage

Vapiano in Erfurt: Mega-Überraschung! Lokal öffnet mit verändertem Konzept

Corona in Erfurt: Arzt platzt der Kragen – „Jede Omi zählt“

--------------------------------

Damit ging die Erfolgsgeschichte weiter. „Seit 1869 liefern wir Braumalz von bester Qualität für den deutschen und internationalen Markt“, heißt es heute auf der Website der Malzwerke.

Fabrik geschlossen – das soll dort entstehen

Mittlerweile produzieren die Mitarbeiter das Malz allerdings nicht mehr in der in die Jahre gekommenen Fabrik, sondern an einem modernen Standort im Norden der Stadt.

Die Maschinen in der Thälmannstraße stehen somit seit mittlerweile 20 Jahren still, doch das Gebäude hat nichts von seinem historischen Charme eingebüßt. Kein Wunder, dass dieses bedeutende Ensemble der Industriearchitektur mittlerweile als Kulturdenkmal ausgewiesen ist.

Zwölf weitere Jahre später mussten auch die Maschinen ihren Platz räumen: Im Jahr 2012 wurde die alte Malzfabrik verkauft und soll künftig Platz für 208 Wohnungen sowie sechs Gewerbeeinheiten bieten.

So schließt sich der Kreis: „Das alte Malzwerk, bin daneben groß geworden“, kommentiert eine Frau das Foto des Gebäudes bei Facebook. So wie ihr wird es also in Zukunft weiteren Kindern gehen – nur eben nicht daneben, sondern mittendrin. (vh)