Erfurt: Bischoff schießt gegen Corona-Demonstranten – „Ich finde die DDR-Vergleiche unsäglich“

Landesbischof Friedrich Kramer kritisiert Mitläufer bei den Corona-Demos scharf, äußert aber auch Verständnis.
Landesbischof Friedrich Kramer kritisiert Mitläufer bei den Corona-Demos scharf, äußert aber auch Verständnis.
Foto: Martin Schutt/dpa

Erfurt/Magdeburg. Landesbischof Friedrich Kramer hat wenig Verständnis für Parallelen, die manche Kritiker zwischen den Auflagen in der Pandemie und staatlichen Zwängen in der DDR ziehen.

„Ich finde die DDR-Vergleiche unsäglich und falsch; das war eine Diktatur“, sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sind hier eine freiheitliche Gesellschaft“, betonte Kramer (56). Dass zur Eindämmung des Coronavirus Rechte eingeschränkt werden, sei richtig.

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Landesbischof Kramer: „Darf sie nicht gleich als "Covidioten" abstempeln“

Kramer sagte aber auch, dass es gleichwohl wichtig sei, über die Einschränkungen zu diskutieren und diese zu begründen. Schließlich handle es sich um harte Auflagen, die auch Existenzen bedrohten. „Da muss man den Leuten auch zuhören, man darf sie nicht gleich als "Covidioten" abstempeln - das sind mitnichten alles Aluhutträger oder durchgeknallte Impfgegner.“

An einer Stelle fehle ihm das Verständnis für die Gegner der Corona-Politik aber komplett: „Was mich immer wundert, ist, dass es den Leuten überhaupt nichts ausmacht, neben irgendwelchen Neonazis zu laufen und sich mit Faschisten zu verbinden. Das verstehe ich politisch nicht.“

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Corona-Maßnahmen seien angemessen

Kramer selbst hält die Härte der Corona-Maßnahmen für angemessen. Es gehe schließlich darum zu vermeiden, dass die Krankenhäuser überlaufen, dass man die Triage vermeiden wolle. „Jedem, der ein Herz hat, dem leuchtet das ein“, sagte Kramer. Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

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Immer wieder gingen in diesem Jahr etwa Anhänger der sogenannten Querdenken-Initiativen auf die Straßen, um gegen die Corona-Politik zu demonstrieren. Unter anderem sieht der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), bei den „Querdenkern“ eine deutliche Tendenz in eine rechtsextreme Richtung.

Die EKM hat rund 677 000 Mitglieder überwiegend in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Kramer (56) ist seit September 2019 Landesbischof. (dpa)