Erfurt: Versuchter Mord an Polizisten? Angeklagter: „Ich hatte den Mann nicht gesehen“

Ein 40-Jähriger muss sich in Erfurt vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Versuchter Mord.
Ein 40-Jähriger muss sich in Erfurt vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Versuchter Mord.
Foto: dpa/Bodo Schackow

Erfurt. Dieser Fall aus Apolda hat seinerzeit ganz Thüringen schockiert!

Monate später muss sich ein Mann (40) vor Gericht in Erfurt verantworten. Der Vorwurf: Versuchter Mord! Er soll bei einer Polizeikontrolle auf einen Polizisten zugehalten haben – und dabei billigend in Kauf genommen haben, ihn zu töten. Direkt am ersten Verhandlungstag äußert sich der Angeklagte nun zu den Vorwürfen. Seine Aussage ist überraschend.

Wilde Verfolgungsjagd endet nun im Landgericht in Erfurt

Als sich der 40-Jährige vor einem Jahr einer Polizeikontrolle entziehen wollte, endetet das nach Aussagen der Polizei in einer Verfolgungsfahrt. Als die Fahrt schließlich in Apolda in einer Sackgasse endete, soll er dann mit seinem Auto auf den Polizisten losgefahren sein.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, bei einer Kontrolle im Juni vor einem Jahr in Apolda mit dem Auto so auf einen Polizisten zugefahren zu sein, dass er dessen Tod in Kauf genommen habe. Zuvor soll er dem Beamten über den Fuß gefahren sein und ihn später mit dem Wagen so gestreift haben, dass dieser einen Beinbruch und Prellungen erlitten habe.

Dies trug sich bereits im Juni letzten Jahres zu. Nun ist der Fall vor Gericht gelandet. Prozessauftakt war am Freitag.

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40-Jähriger wegen versuchten Mordes in Erfurt angeklagt

Gleich zum Prozessauftakt äußerte sich der Mann dann zu dem Vorfall. Er habe an dem Tatabend eine Freundin zum Bahnhof gefahren. Dann habe er einen Polizeiwagen hinter sich und Signale zum Anhalten bemerkt. Angehalten habe er aber trotzdem nicht.

„Ich bin in Panik geraten, ich war schon öfter ohne Führerschein gefahren und bin dabei erwischt worden und hatte Angst, ins Gefängnis zu müssen“, erzählte der Angeklagte vor Gericht. Denn zum Zeitpunkt der Tat habe der Mann unter Bewährung gestanden. Außerdem hab der 40-Jährige an, am Tattag Drogen und Alkohol konsumiert zu haben.

Den Polizisten, so sagt es der Angeklagte vor Gericht, hatte er „nicht gesehen“.

Polizist: „Habe mich gefühlt wie im Schleudergang“

Auch der betroffene Polizist hat sich zum Prozessauftakt geäußert. Der verletzte Polizist schilderte vor Gericht, dass er unter anderem in die geöffnete Scheibe der Fahrertür gegriffen, den Mann angeschrien habe und als Polizist erkennbar gewesen sei. Dann sei der Fahrer an einer Stelle rückwärts gefahren und habe ihn erwischt.

„Ich habe mich gefühlt wie im Schleudergang in der Waschmaschine.“ Dann erst habe er realisiert, dass er überfahren und sein Bein schwer verletzt worden sei – später sei der Wagen noch einmal auf ihn zugefahren. Zudem zeigte er sich überzeugt, dass der Fahrer ihn habe sehen müssen.

Der Polizist berichtete weiter, er habe sich dann aus dem Gefahrenbereich geschleppt und in einiger Entfernung auf die Straße gelegt. Von dort habe er dann aber gesehen, dass der Wagen auf ihn zu fahre. Nur, weil er sich noch rechtzeitig zur Seite habe wegdrehen können, sei er nicht überfahren worden. Das vorbeifahrende Auto habe er noch am Rücken gespürt, so der Polizist. „Es war Glückssache, dass das ausgereicht hat.“

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Angeklagter entschuldigt sich bei Polizisten

Möglicherweise sei das Auto aber ein weiteres Mal über sein bereits verletztes Bein gefahren. Wegen des damaligen Schockzustands könne er das aber nicht mehr wirklich sagen. Er habe eine Warnweste getragen, als er auf der Straße lag, das Licht des Autos sei eingeschaltet gewesen. Der Fahrer habe ihn sehen müssen, so der Polizist. Er leide noch unter den Verletzungen. Abgesehen von Einschränkungen im privaten Bereich werde er möglicherweise nicht mehr in den aktiven Einsatzdienst zurückkehren können. Der Polizist ist in dem Verfahren auch Nebenkläger.

Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem Polizisten: „Ich kann es mir nicht erklären, dass ich Sie nicht gesehen habe.“ Er hoffe, dass er trotz allem wieder genesen werde. (mbe/dpa)