Amoklauf in Erfurt: Ein Tag, der alles veränderte – Hunderte trauern am 20. Jahrestag des Massakers am Gutenberg-Gymnasium

Vor dem Gutenberg Gymnasium in Erfurt versammelten sich am Dienstag Hunderte Menschen.
Vor dem Gutenberg Gymnasium in Erfurt versammelten sich am Dienstag Hunderte Menschen.
Foto: picture alliance/dpa | Martin Schutt

Erfurt. Selbst so viele Jahre später fühlt es sich für viele Menschen in Erfurt noch ziemlich unwirklich an. Am Dienstag, den 26. April jährt sich das schreckliche Massaker im Gutenberg-Gymnasium zum 20. Mal.

Ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums erschoss damals 16 Menschen. Das Leben aller Beteiligten war danach nie wieder dasselbe. Und die Stadt Erfurt zeichnet der Amoklauf bis heute.

Erfurt: Schrecklicher Amoklauf am Gutenberg Gymnasium jährt sich zum 20. Mal

Seit Monaten schon erreichen Schulleiterin Christiane Alt Anfragen mit Blick auf den Jahrestag des Anschlags am Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Dass jährlich die Medien klingeln, „das ist seit 20 Jahren extrem lästig, um das mal so zu sagen“, sagt die Frau, die bereits damals die Schule am Rande Erfurts leitete. Dieses Jahr sei es besonders stressig. Die gleichen Fragen, immer wieder.

„Wenn ich gefragt werde: ‚Können Sie mal den Tag erzählen von damals?‘ Nein, den will ich überhaupt nicht mehr erzählen“, sagt Alt.

Ein 19-jähriger tötet 16 Menschen in Erfurt

Am 26. April 2002 tötet ein ehemaliger Schüler am Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen. Der 19-Jährige erschießt zwölf Lehrkräfte, eine Schülerin und einen Schüler, eine Sekretärin, einen Polizisten und letztlich sich selbst. Es ist das erste Schulmassaker eines solchen Ausmaßes an einer deutschen Schule. Zuvor waren Amokläufe mit Schusswaffen ein Phänomen, dass man aus den USA kannte.

Seit Erfurt hat sich viel bewegt. Thüringen wie auch andere Bundesländer haben auf der Basis des Geschehens in Erfurt die Sicherheit an den eigenen Schulen überprüft und Warnsysteme ein- und ausgebaut. Abgeschlossen ist aus Sicht Alts aber auch dieses Kapitel nicht. „Wir alle kennen ja die desolate Finanzsituation im Bildungssektor oder eben auch bei den Schulträgern.“

Am Dienstag findet in Erfurt wieder eine Gedenkveranstaltung statt

Was seit 2002 als Konstante geblieben ist, sind die jährlichen Gedenkveranstaltungen. Auch am Dienstag gab es wieder um 11 Uhr eine. An der öffentlichen Gedenkveranstaltung vor der Schule nahmen unter anderem Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Landtagspräsidentin Birgit Keller (beide Linke) teil. Zahlreiche Menschen versammelten sich zum stillen Gedenken vor dem Schulgebäude. Es wurde zur Erinnerung an den Amoklauf eine Glocke geläutet, Menschen legten weiße Blumen nieder.

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Bereits am Sonntag hatte der Regierungschef an die Opfer erinnert und zum Zusammenhalt in der Gesellschaft aufgerufen. Am 26. April 2002 sei für viele Thüringer eine Welt zusammen gebrochen so der Ministerpräsident. Der Amoklauf habe das Land bis auf den heutigen Tag hin verändert. „Den Schmerz und die Fassungslosigkeit werden wir alle für immer in unseren Herzen tragen“, sagte Ramelow.

Besonders an die Opfer, ihre Familien und Angehörigen sei an diesen Tagen zu denken „und an alle, die durch ihr beherztes Handeln Menschenleben retteten“, so Ramelow.

„Wir lassen uns – auch 20 Jahre danach – nicht allein.“ (dpa, bp)