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Integriert – engagiert – bald abgeschoben?

Dragan Radu, Katarina und Branka Tomin
Dragan Radu, Katarrna und Branka Tomin (von links) Foto: Circus MoMoLo

Mit der Initiative „Protect a circus child“ kämpft das Team des Jenaer „Circus MoMoLo“ gegen die  Abschiebung der sechsjährigen Katarina und ihren Eltern – scheinbar aussichtslos, aber entschlossen.

Jena. 

Die Geschichte von Katarina und ihren Eltern Branka Tomin und Dragan Radu hätte das ideale Vorzeigebeispiel für eine gelungene Integration von Flüchtlingen werden können. Hätte – denn sie ist es nicht. Das liegt aber nicht an der Familie selbst – die drei haben alles dafür getan, um in Deutschland heimisch zu werden und auf eigenen Beinen leben zu können. Sie sprechen deutsch, engagieren sich ehrenamtlich und Vater Dragan hat ein gutes Jobangebot. Doch es gibt einen gewaltigen Haken: Dragan bekommt keine Arbeitserlaubnis. Jetzt soll die Roma-Familie abgeschoben werden – zurück nach Serbien.

Fester Bestandteil des Circus MoMoLo

Das will der Jenaer Kinder- und Jugendzirkus „Circus MoMoLo“ mit allen Mittel verhindern. „Die Familie ist seit eineinhalb Jahren ein fester Teil von uns“, erklärt Zirkusleiter Friedemann Ziepert die Entschlossenheit der Truppe. Bereits einen Bundesfreiwilligendienst im Zirkus konnte Drakan Radu wegen fehlender Arbeitserlaubnis nicht antreten. Die bereitgestellten Mittel sind mittlerweile verfallen. Jetzt will ihn der Zirkus als Hausmeister einstellen.

„Drakan ist perfekt für diese Stelle. Er kann alles reparieren und hat ein enormes Improvisationstalent. Das ist in einem Zirkus mit begrenzten finanziellen Mitteln sehr wichtig“, erklärt der Ziepert. „Außerdem ist er sehr zuverlässig. Genauso jemand brauchen wir hier. Und auch Branka hilft immer mit. Wir können der Familie zu hundert Prozent vertrauen.“

Katarina ohne Zukunftsperspektive

Als die Familie 2012 nach Deutschland flüchtete, galt ihr Heimatland Serbien noch als unsicheres Herkunftsland und sie selbst als Roma verfolgt „Jeder weiß, dass Roma in Serbien als Freiwild gelten“, prangert Ziepert an. „Wenn die drei zurück müssen, dann sind sie zu hundert Prozent Alltagsrassismus und gesellschaftlichen Ausschluss ausgesetzt. Sie haben dort keine Wohnung, keine Berufsperspektive und für Katarina gibt es kaum Chancen auf eine gute Schulbildung.“ Kurz: die Familie habe keinerlei Zukunftsperspektive in Serbien.

Kaum Chancen auf Erfolg

Für Katarina wäre die Abschiebung besonders tragisch. Sie kam mit zwei Jahren nach Deutschland – nach Jena. „Sie kennt nichts anderes“, sagt Ziepert. Die sechsjährige besucht die erste Klasse der Nordschule, spricht fließend Deutsch und seit einem Jahr ist sie in der Trapez-Gruppe des Circus aktiv.

Initiative „Protect a circus child“

Doch jetzt scheint alles aus zu sein. Die juristischen Möglichkeiten sind erschöpft. Auch der zweite Antrag vor der Härtefallkommission der Ausländerbehörde wurde gerade abgelehnt. Branka Tomin habe daraufhin einen Nervenzusammenbruch gehabt, erzählt Friedemann. „Jetzt bleibt uns nur noch, die Öffentlichkeit zu aktivieren“, stellt er fest. Das sei zwar nur noch eine sehr kleine Chance, aber aufgeben käme für das Zirkus-Team nicht in Frage.

So hat der Zirkus die Initiative „Protect a circus child“ – also „Schützt das Zirkuskind“ – ins Leben gerufen und heute um 16 Uhr einen Flash Mob vor der Ausländerbehörde in Jena durchgeführt. Katarina war auch dabei, während die Teilnehmer Schilder mit der Aufschrift „Protect a circus child“ trugen, trug sie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Save me“ – „Schützt mich“.