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Das „Braune Haus“ wird plattgemacht

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Nur noch das Erdgeschoss steht vom "Braunen Haus" in Jena Alt-Lobeda. Foto: Jan-Henrik Wiebe

Auf dem Gelände des ehemaligen Neonazi-Treffpunkts in Alt-Lobeda in Jena rollen jetzt die Bagger. Jahrelang trafen sich dort im sogenannten „Braunen Haus“ lokale Neonazi-Führer, rechte Bands und ihre Sympathisanten. Seit Freitag wird das Haus, das eigentlich mehr eine Ruine war, abgerissen.

Nun entstehen sechs Wohneinheiten durch die TW Wohnbau GmbH. Von wem die Gesellschaft das Haus gekauft hat, ist unklar. Baubeginn ist laut der Homepage der neuen Eigentümer noch in diesem Jahr. Bereits 2017 soll das Objekt fertiggestellt sein. Der Kaufpreis der Wohnungen, die zwischen 70 und 117 Quadratmeter groß sind, beläuft sich auf je rund 180.000 bis 329.000 Euro. Bis auf die Wohnung im Gartengeschoss sind alle Einheiten schon verkauft.

Die Geschichte einer braunen Brutstätte

Die ehemalige Gaststätte „Zum Löwen“ in der Jenaischen Straße sorgte immer wieder für Schlagzeilen, seit Ralf Wohlleben, der derzeit im NSU-Prozess vor Gericht steht, das Haus übernommen hatte. Neben Wohlleben hatten der NPD-Kreisverband, die NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“, die rechte Burschenschaft „Normannia“ und der „Nationale Widerstand Jena“ dort ihre Adresse. Letzterer war auch Mitglied im „Thüringer Heimatschutz“ (THS), in dem auch die NSU-Mitglieder Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt aktiv waren.

Im August 2009 ließen die Behörden das Haus dann aus baurechtlichen Gründen versiegeln. Der Grund dafür: Baufälligkeit und nicht genehmigte Bautätigkeiten. Seitdem durfte das Gebäude nicht mehr betreten werden. Über den Sommer stand im Garten des „Braunen Hauses“ auch mal ein Militärzelt aus NVA-Beständen, das inzwischen aber wieder abgebaut wurde. Ein Dixi-Klo, eine kreisförmige Bank um eine Feuerstelle und ein Fahnenmast, an dem eine schwarz-weiß-rote Flagge einsam im Wind wehte, waren noch Ende 2011 zu sehen.

Neonazis: Verdrängt, aber immer noch in Jena

Nun ist das Haus, das viele Jahre ein fester Treffpunkt für die Neonazi-Szene in Jena war, Geschichte. Inzwischen gibt es nicht mehr den einen festen Treffpunkt für Neonazis in Jena, wo sie sich offen und mit Wissen der Öffentlichkeit treffen können. Stattdessen sind Orte im Umland, wie etwa Kahla, ihre Rückzugs- und Treffpunkte geworden. Trotzdem gibt es auch weiterhin Neonazis in Jena, die Ausländer überfallen oder durch Sprühaktionen auffallen.

Update: In einer 1. Version haben wir geschrieben, dass das Haus von der Erbengemeinschaft, der das Haus zumindest mal gehörte, an TW Immobilien verkauft wurde. Es gibt jedoch Zweifel, denn ein Neonazi hatte mit der Erbengemeinschaft eigentlich einen Mietkaufvertrag abgeschlossen. Ob dieser erfüllt wurde, ist nicht geklärt.