Immer weniger Asylsuchende: So werden die Unterkünfte in Jena künftig genutzt

Seit Mitte Februar kommen fast keine Flüchtlinge mehr nach Jena. Die Stadt reagiert nun und macht Pläne, wie die Unterkünfte weiter genutzt werden können, denn einen Leerstand möchte niemand.

Die Zahl der in Jena ankommenden Flüchtlinge hat sich seit Jahresbeginn drastisch reduziert. „Sind von Januar bis Mitte Februar noch insgesamt 300 Personen zu uns gekommen, waren es seit dem 15. Februar bis heute keine 20 mehr“, sagte Andreas Amend, Integrationsmanager der Stadt Jena, am Dienstag bei einem Pressegespräch. Was soll aber mit den Plätzen und Unterkünften passieren, die mit Hochdruck in den vergangenen Monaten geschaffen wurden beziehungsweise derzeit noch fertiggestellt werden?

„Aufgrund des drastischen Rückgangs der Ankommenden haben wir eine Nutzwertanalyse der aktuellen und bald bezugsfertigen Unterkünften erstellt, um zu entscheiden, was mit ihnen passieren soll“, erklärte Amend. Hierbei seien soziale Aspekte, die laufenden Kosten, die Möglichkeit einer Umnutzung und die Fördermittelbindung berücksichtigt worden.

Obdachlosenheim und Jugendhilfeeinrichtung

Die Gebäude im Philosophenweg 24 und 26 sollen verkauft werden, wie das auch bereits vor dem starken Flüchtlingszustrom geplant war. Hierzu soll es in diesem Jahr noch eine Ausschreibung geben. „Es sollen dort aber keine Luxuswohnungen entstehen“, betonte Bürgermeister Frank Schenker. Das werde so auch in der Ausschreibung festgeschrieben. An einem Kauf habe zum Beispiel bereits das Gründerzentrum Tip Interesse signalisiert.

Das Gebäude Am Steiger 4 werde wieder als Obdachlosenheim genutzt. In dem Lauensteinweg 33 soll eine neue stationäre Jugendhilfeeinrichtung entstehen, also ein Heim für Kinder und Jugendliche.

Studentisches Wohnen statt Flüchtlingsheim

Die Gebäude am Westsportplatz, in der Theobald-Renner- und der Hugo-Schrade-Straße miete das Studentenwerk erst einmal für fünf Jahre an. Ab dem Wintersemester 2016/17 sollen sie als Studentenwohnheime genutzt werden. Umbauten seien dafür nicht nötig. „Die Besonderheit hierbei ist, dass wir im Notfall die Wohnungen zum Ende eines Semesters zurückbekommen können, falls es einen neuen Flüchtlingsstrom geben sollte“, sagte Schenker. Das sei mit dem Land abgestimmt und die Zuschussförderung von insgesamt sechs Millionen Euro müsse deshalb nicht zurückgezahlt werden. In das Gebäude in der Hugo-Schrade-Straße ziehe außerdem der Fachdienst Jugendhilfe ein.

Weiter als Flüchtlingsunterkünfte werden die Standorte Spitzweidenweg 107 (140 Plätze), Löbstedter Straße 41 (40 Plätze) und Ernst-Haeckel-Platz 3 (30 Plätze) betrieben, da für diese Gebäude längere Mietverträge bestünden. Insgesamt werden so 210 Plätze dauerhaft zur Verfügung stehen. Als Reserve sollen die Container mit 125 Plätzen Am Egelsee dienen, da diese der Stadt gehören.

Neue Sporthalle im POM

Der Betrieb der Container-Unterkünfte auf dem Parkplatz Carolinenstraße und Am Gries werde voraussichtlich 2017 eingestellt. Auch die Containerunterkünfte am Fintenessstudio POM sollen nicht weiter betrieben werden. Ein Teil des POM, den die Stadt gekauft hatte, habe das Fitnessstudio bereits zurück gemietet. Der andere Teil werde zu einer Ein-Feld-Turnhalle umgebaut und soll von den umliegenden Schulen genutzt werden.

Die Wohnungen in der Emil-Wölk-Straße, derzeit als Gemeinschaftsunterkünfte genutzt, werden vermutlich vermietet. Das Gebäude in der Schulstraße werde dagegen voraussichtlich verkauft. Beides seien aber Überlegungen für nächstes Jahr, heißt es im Rathaus.