Scheinselbstständigkeit: Studenten verkünden Etappensieg gegen Labor der Uni Jena

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Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Thüringen (GEW) und Studenten der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) haben nach eigenen Aussagen einen Etappensieg errungen, um die Arbeitsbedingungen der beschäftigten Mitarbeiter des CATI-Labors zu verbessern. Das geht aus Informationen vor, die Thüringen24 vorliegen.

Mitarbeiter der Uni Jena, die Telefonumfragen durchführen, sind an die GEW Thüringen herangetreten, weil sie der Einrichtung Lohndumping vorwerfen. In einer Pressemitteilung der Gewerkschaft heißt es, dass die Universität Standards umgehe, die für eine öffentliche Arbeitgeberin selbstverständlich sein sollten.

CATI steht für Computer-Assisted Telephone Interviewing. Am Labor werden computergestützte Telefonumfragen, unter anderem für den "Thüringen Monitor", durchgeführt. Die Mitarbeiter erhielten bisher für die zeitlich befristeten Telefonerhebungen Werkverträge. Vertragsinhalt ist die Erbringung einer bestimmten Anzahl an Interviews, die jeweils mit 10 Euro vergütet werden sollen. Der Mitarbeiterpool soll sich überwiegend aus Studenten, meist von der Fachrichtung Soziologie zusammensetzen.

Labormitarbeiter beschweren sich über Lohndumping

Konkret beschwerten sich die Mitarbeiter darüber, dass sie keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hätten und auch keinen Urlaubsanspruch. Zwar folgen aus einem Werksvertrag keinerlei Ansprüche dieser Art, doch habe die Studentenschaft mehrere Gründe vorgetragen, warum ihrer Auffassung nach eine Scheinselbstständigkeit vorliege und stattdessen ein regulärer Vertrag mit entsprechenden arbeitsrechtlichen Mindeststandards angebracht wäre.

Aus dem Umfeld der Labormitarbeiter heißt es, das Beschäftigungsverhältnis sei schon deswegen ein Mini-Job, weil nicht dem Vertragslaut folgend nach der Zahl der durchgeführten Interviews bezahlt werde, sondern nach Stundenanzahl mit Mindestlohn. Zum Projektbeginn werde eine entsprechende Liste den Teilnehmern vorgelegt. Für den zeitlich befristeten Vertrags- und Projektzeitraum trüge man dann die monatliche Stundenanzahl ein, welche mit dem aktuellen Mindestlohn 8,50 Euro vergütet werde. Der Gesamtlohn werde dann über die Einzelvergütung in eine Interviewstückzahl umgerechnet, die im Werkvertrag stehe. Ein der Redaktion vorliegender Werkvertrag enthält keinen Hinweis auf eine monatliche Anzahl an Arbeitsstunden.

Selbstständigkeit? Kontrollmöglichkeiten durch Befragungssoftware

Weiterhin arbeiten die Mitarbeiter in den Räumlichkeiten der Universität, damit einher geht die Nutzung der Befragungssoftware und damit die Kontrollmöglichkeiten der Vorgesetzten. Zudem gebe es einen digitalen Dienstplan, nach dem gearbeitet werde sowie einen Labormitarbeiter, der Arbeitsabläufe koordiniere.

Dass vom Vertragsinhalt abgewichen werde, habe aber auch positive Folgen, heißt es aus Kreisen der Betroffenen. So hätten einzelne Mitarbeiter nachgerechnet, ob sie mit der Stückvergütung, die nur auf dem Papier existiert, oder dem Stundenlohn besser gestellt seien. Für eine bestimmte Gruppe ergäben sich finanzielle Einbußen, sollte der Vertragslaut Anwendung finden. Besonders in der Endphase einer repräsentativen Telefonumfrage, bei der Mitglieder noch fehlender Bevölkerungsgruppen und Schichten herantelefoniert werden müssten, könne ein fertiges Interview vier Stunden Arbeit in Anspruch nehmen.

Im Wochenverlauf hieß es nun, dass die Laborleitung der Werksvertragspraxis den Rücken kehren wolle. Damit würde dann auch automatisch den weiteren Forderungen nach Lohnfortzahlung und Urlaubsanspruch Rechnung getragen. Doch die erhoffte Lohnsteigerung wurde nicht in Aussicht gestellt. Mitarbeiter und Gewerkschaft hatten auf eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag gehofft. Zwischen 11,50 Euro und 13 Euro waren hier als Zielwerte genannt worden.

Uni bestätigt Gespräche mit Labor-Mitarbeitern, aber keine konkreten Ergebnisse

"Wir befinden uns mit den betroffenen Studenten im Gespräch", bestätigt Axel Burchardt, Pressesprecher der Friedrich-Schiller-Universtität. Doch sei er momentan noch nicht darüber informiert, ob bestimmten Forderungen nachgegeben werden. "Das muss den Gesprächen vorbehalten bleiben", so Burchardt.

Der FSU-Sprecher verweist darauf, dass die Universität schon seit längerem an einer neuen Richtlinie für geringfügig Beschäftigte arbeite. Auf einem Internetblog erschien am 20. Juni die erste Pressemitteilung über den "Arbeitskampf" am CATI-Labor.