Kriminalpolizei Jena bezieht ehemalige Gießerei im Industriegebiet

Das Gebäude der Kripo in der Carl-Pulfrich-Straße nach dem Umbau.
Das Gebäude der Kripo in der Carl-Pulfrich-Straße nach dem Umbau.
Foto: Jan-Henrik Wiebe

Das Kiefernholz duftet noch frisch. Den weißen Wänden ist anzusehen, dass die Farbe erst vor kurzem aufgetragen wurde. Das neue Gebäude der Kriminalpolizei Jena in der der Carl-Pulfrich-Straße 5 strahlt noch förmlich. "Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass man irgendwas daraus machen kann. Geschweige denn ein Bürogebäude", sagt Bauherr Christian Graf von Wedel bei der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag, 18. August. Gegen 11 Uhr traf alles ein, was Rang und Namen bei der Thüringer Polizei oder der Jenaer Kommunalpolitik hat. Nur Oberbürgermeister Schröter ließ sich vertreten, denn er sei im Urlaub, sagte Dezernent Frank Jauch, der sogar eine persönliche Beziehung zum Gebäude hat. Zu DDR-Zeiten musste der heutige Beamte damals in der Oberschule für einige Tage in der alten Gießerei von Zeiss arbeiten.

Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger lobte nicht nur den Bau und die Polizeikräfte, sondern warb auch um ein wichtiges Projekt von Rot-Rot-Grün: die Gebietsreform. Diese sei auch für die innere Sicherheit wichtig, denn nur so bleibe sie bezahlbar. Lob für das neue alte Gebäude, das jahrelang verfiel und von Pflanzen überwuchert wurde, gab es auch vom Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Jena, Mirco Remmert. "Es gibt momentan keine schönere KPI als in Jena", sagte der Kriminaloberrat.

Kriminalpolizei wieder unter einem Dach

Der Grund für den Umzug auf das Schott Gelände: Der bauliche Zustand des angemieteten Hinterhauses am Anger war seit Jahren für die Polizei nicht mehr tragbar. Dort waren Teile der Kriminalpolizei sowie andere Einheiten untergebracht. Desolate Zustände der Elektroleitungen, Fußböden, Beleuchtungen, Fenster und die Fluchtwegproblematik seien seit längerem und wiederholt dem Vermieter angezeigt worden. Selbst eine Mietminderung habe nicht geholfen. Deshalb hatten das Thüringer Infrastrukturministerium sowie das Innenministerium zusammen ein Markterkundungsverfahren beschlossen. In diesem sollte ein neues Gebäude für die Kriminalpolizei gefunden werden. Gleichzeitig reagierte der Mieter und kündigte zum Jahresende 2014. Eine Zwischenlösung ergab sich im "Pharma-Park" in der Otto-Schott-Straße, wohin Teile der Kripo und die Einsatzunterstützung umzogen.

Am Ende, heißt es in einer Mitteilung der Polizei Jena, habe sich das günstigste Angebot von Graf von Wedel in der Carl-Pulfrich-Straße durchgesetzt. Neben dem Einbau eines modernen Bürogebäudes in eine alte Gießereihalle wurde eine Vielzahl von Spezialräumen errichtet. Hierzu gehören Räume und Labor für Kriminaltechnik, spezielle Räume für die regionale Beweissicherungseinheit, die Aktenanlage für mehrere zehntausend Akten sowie Räume für die Lagerung von Spurenträgern und Asservaten. Die Besonderheit am Gebäude: Die Zwischendecke besteht aus Holz, die nur mit einer Estrichschicht überzogen ist. Diese leichte Bauweise sei schnell und praktisch, erklärte Graf von Wedel bei einem Rundgang durch das neue Gebäude. Erstmals seit 1990 befindet sich die Kripo in Jena nun wieder unter einem Dach.

Die Kriminalpolizeiinspektion ist zuständig für die Stadt Jena, den Saale-Holzland-Kreis und den Raum rund um Apolda als Teil des Landkreises Weimarer Land. Im Jahr 2015 bearbeitete sie insgesamt 2006 Fälle. Das sind 10 Prozent aller im Zuständigkeitsbereich der LPI Jena erfassten Straftaten.