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Leuchtenburg eröffnet Thüringens erste Porzellan-Kirche

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Die Grafik zeigt eine Porzellan-Kirche, die am 8. Oktober auf der Leuchtenburg in Seitenroda eingeweiht werden soll. So soll die ehemalige Burgkapelle auf der Leuchtenburg zur ersten Porzellan-Kirche Thüringens umgebaut werden. Foto: Michael Brown/Nau 2

Mit Exponaten der Superlative huldigt die Leuchtenburg dem Porzellan. Nun erhält die Erlebnisschau eine weitere Attraktion: Die Kapelle der Burg wird als Thüringens erste Porzellan-Kirche geweiht.

Als einst Häftlinge auf der Leuchtenburg hoch über der Saale Zuchthausstrafen verbüßen mussten, diente ihnen die Burgkapelle zur geistlichen Erbauung. Viele Generationen später verwandelt sich das Gemäuer nun zu einer Attraktion für Besucher: zu Thüringens erster Porzellan-Kirche. Aus der Kapelle, die sich an den 800 Jahre alten Bergfried anschließt, wurde die bisherige Jagdausstellung ausgeräumt und das Gebäude nach Ideen von Michael J. Brown, einem Schüler des Star-Architekten Daniel Libeskind, umgestaltet. Am kommenden Samstag (8. Oktober) wird der Sakralbau um 12.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst neu geweiht.

In die Decke ist ein beleuchtetes Kreuz eingelassen, Sitzbänke und Altar sind aus Holz. Doch im Kirchenraum reichen 30 Lamellen einem Vorhang gleich vom Fußboden bis zur Decke. Sie sind aus technischem Porzellan gefertigt und 5,30 Meter hoch. Laut Projektbeschreibung wird der schlichte Kirchenraum damit in ein Hauptschiff sowie Seitenschiffe gegliedert. Auf die Lamellen werden nach Angaben des Architekten 5200 Sterne projiziert, die zusammen ein Bild der Leuchtenburg ergeben.

5200 Häftlinge fristeten Dasein im Zuchthaus auf der Leuchtenburg

„Die Sterne sollen an die Häftlinge erinnern, die von 1746 bis zur Auflösung des Zuchthauses im Jahr 1871 auf der Leuchtenburg untergebracht waren“, erläutert Museumsdirektorin Ulrike Kaiser. In den erhaltenen Listen der Burgpfarrer seien knapp 5200 Häftlinge mit Name, Herkunft und Grund der Einlieferung überliefert.

Die Historikerin hat die Geschichte des Gotteshauses auf der Burg akribisch recherchiert. „Der erste schriftliche Beleg findet sich in den heute noch erhaltenen Einnahmen- und Ausgabenrechnungen des Amtes Leuchtenburg in einer Inventarauflistung aus dem Jahr 1489“, berichtet sie. „Es ist aber davon auszugehen, dass schon um 1200 ein kirchlicher Raum auf der Leuchtenburg existiert hat.“

Knapp 100 Jahre zwischen Brand und Wiederaufbau

Bei einem Brand der Kernburg 1658 wurde auch die Burgkapelle zerstört. Als möglicher Auslöser des Feuers wird ein Blitzeinschlag in den Bergfried angenommen. Erst 1745 wurde das Kirchengebäude wieder errichtet, nachdem ein Geschenk eines Steuereinnehmers aus Eisenberg über 600 Taler eingegangen war. Am 7. November 1746 wurde die neue Kirche dann feierlich geweiht. Bis zur Auflösung des Zuchthauses auf der Burg diente sie vor allem als Gefängniskirche. „Von Montag bis Sonnabend waren Gesänge, Gebete und Andachten in den Tagesablauf der Häftlinge eingebaut“, berichtet Kaiser.

Von 1954 bis 2014 wurde der 157 Quadratmeter große Kirchenraum für Ausstellungszwecke genutzt. Zuletzt war hier eine Sammlung zum Thema Jagd mit Hirschgeweihen, Waffen und ausgestopften Tieren untergebracht. Die Stücke werden nun im Jagdschloss Fröhliche Wiederkunft in Wolfersdorf Besuchern präsentiert.

Über 150.000 Euro für Umbau im 21. Jahrhundert

Die Stiftung Leuchtenburg ist seit 2007 Eigentümerin der Burganlage und hat dort eine Erlebnisausstellung rund um das Thema Porzellan installiert. Dabei werden nicht nur Exponate der Superlative wie eine gigantische, acht Meter hohe Vase oder eine Teekanne so groß wie ein Stecknadelkopf gezeigt – Besucher können auch auf einem „Steg der Wünsche“ wandeln, der in luftiger Höhe über die Burgmauer ragt.

Der Umbau der Burgkapelle zur Porzellan-Kirche hat rund 150.000 Euro gekostet. Dazu hat der Landkreis nach Angaben der Stiftung 50.000 Euro beigesteuert, weitere 72.000 Euro kamen für die Ausgestaltung aus der Landeskasse. Schon 2013 hatte die Stiftung eine historische Orgel für das Gotteshaus angeschafft, die ursprünglich 1930 für die Ottilienkirche in Pfaffenhofen (Bayern) gebaut wurde. Denn die Original-Orgel der Kapelle von 1824 ist verschollen.