Internetseite verunsichert Jena - und liegt falsch

Fakenews: Auf einem Nachrichtenportal war am Donnerstag, dem 23. Februar 2017, zu lesen, dass unzählige von der Stadt Jena ausgestellte Dokumente ungültig sein können.
Fakenews: Auf einem Nachrichtenportal war am Donnerstag, dem 23. Februar 2017, zu lesen, dass unzählige von der Stadt Jena ausgestellte Dokumente ungültig sein können.
Foto: Montage/Screenshot Thüringen24
  • Neun Siegel-Stempel der Stadt Jena sind verschwunden
  • Doch alle damit bereits gestempelten Dokumente der Verwaltung behalten Gültigkeit
  • Internetseite behauptete, die Gültigkeit alter Dokumente hätte überprüft werden müssen

Nach dem Verlust von Siegel-Stempeln der Stadt Jena sorgt eine Internetseite für Verunsicherung bei den Bürgern. Angeblich müssten alle mit diesen Stempeln bereits versehenen Verwaltungsschreiben und Dokumente auf Gültigkeit geprüft werden. "Diese Meldung ist schlichtweg falsch", sagt Kristian Philler, Sprecher der Stadt Jena auf Thüringen24-Nachfrage.

Verschwundene Stempel haben keine Auswirkungen für Bürger

Für die Bürger habe das Verschwinden von neun mit eigenen Nummern versehenen Siegeln keinerlei Auswirkungen. Die Stadt hatte am Donnerstag auf die abhandengekommenen Stempel im Amtsblatt verwiesen und erklärt, dass diese nunmehr ungültig seien. Die Siegel seien irgendwo in der Verwaltung verschwunden. Wo genau, das konnte bisher nicht herausgefunden werden.

Auf der Internetseite Jenapolis heißt es: "Wenn Sie in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten [...] ein amtliches Dokument mit einem entsprechend nummerierten Siegel der Stadt erhalten haben, sind Sie in der Pflicht, die entsprechende Gültigkeit des besiegelten Dokuments überprüfen zu lassen." Weder gibt der Autor für diese Behauptung eine Rechtsgrundlage noch eine sonstige Quelle an.

Stadtsprecher: Nur Dokumente ab heute wären von Ungültigkeit betroffen

Tauche einer der verschwundenen Stempel auf einem Dokument auf, sind nur diejenigen ungültig, die mit einem Datum ab dem 23. Februar 2017 versehen sind, so Philler. Alle bereits ausgestellten Dokumente, auch wenn diese eine der abhandengekommenen Stempelnummern besitzen, behalten ihre Gültigkeit, so der Sprecher der Saalestadt.

Gültigkeit wird durch Siegel und Unterschrift bescheinigt

Die Siegel wurden laut Philler unter anderem dazu benutzt, um Mitarbeiterausweisen und Urkundenabschriften zusammen mit der Unterschrift des Verwaltungmitarbeiters eine Gültigkeit zu bescheinigen. Nach dem Verlust der Siegel sei die Stadt in Zugzwang gekommen. Daher seien die alten Siegel für ungültig erklärt und neu gekennzeichnete ausgeteilt worden.

Digitalisierung wird "Sache aus dem Mittelalter" ersetzen

"Das ist ein einfacher, simpler Stempel, im Prinzip eine Sache aus dem Mittelalter", so Philler. Den hätte im Prinzip jetzt auch schon jeder nachmachen können, was aber natürlich eine Straftat im Sinne der Urkundenfälschung darstellen würde. Siegel seien auf offiziellen Dokumenten ein "Beiwerk, das noch nicht abgeschafft wurde. Mit der breiten Einführung von digitalen Signaturen wird sich dies aber sicher bald ändern".

Als Folge des Thüringen24-Artikels will die Stadt Jena eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie ebenfalls über die Falschmeldung informieren wird.

Hintergrund: Die Meldung im Jenaer Amtsblatt im Wortlaut

"Die nachstehend aufgeführten kreisförmigen Dienstsiegel der Stadt Jena sind in Verlust geraten und werden hiermit in allen Größen für ungültig erklärt.

  • Nummer: 78, 81, 88, 96, 97, 107, 113, 115, 135
  • oberer Halbbogen: Thüringen
  • unterer Halbbogen: Stadt Jena
  • Mitte: Stadtwappen, darunter die nummerische Kennzeichnung"

(Update 14.20 Uhr: Mittlerweile hat die Stadt ihre Pressemitteilung veröffentlicht. Jenapolis hat diese an ihren Beitrag angehängt, jedoch keine Änderungen an den laut Stadtinformationen nachweislich falschen Aussagen vorgenommen.)