Stiftungs-Jubiläum: Millioneninvestition für Leuchtenburg geplant

Foto: Martin Schutt/dpa
  • Stiftung Leuchtenburg wird zehn Jahre alt
  • Seitdem fast 15 Millionen Euro in die Burg investiert
  • Weiteres Millionenprojekt ist geplant

Fast 15 Millionen Euro hat die Stiftung Leuchtenburg in den vergangenen zehn Jahren in die Burg hoch über der Saale investiert. Und für ein weiteres Millionenprojekt - eine Bahn vom Parkplatz im Ort hinauf auf die Burg - sollen noch in diesem Jahr die Planungen abgeschlossen werden, sagte Stifter Sven-Erik Hitzer der Deutschen Presse-Agentur. Die Stiftung wird am Donnerstag zehn Jahre alt.

Vor zehn Jahren stand die Leuchtenburg zum Verkauf. Damals haben Sie kurzerhand eine Stiftung gegründet. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich bin mit der Burg seit 1990 verbunden. Die erste Idee war damals, dort eine Art Zentrum der mittelalterlichen Kultur aufzubauen. Dazu habe ich zunächst die Burgschänke übernommen und angefangen, verschiedene Veranstaltungen zu organisieren. Ein Problem war, dass die Eigentumsfragen und damit die Zukunft der Leuchtenburg unklar waren. Sie wurde dann der Landesentwicklungsgesellschaft zugeordnet, die jahrelang erfolglos versuchte, sie zu verkaufen.

Letztendlich - das war die Tragödie - sollte sie bei einer Auktion angeboten werden. Nun drohte die Burg für 'nen Appel und 'n Ei an jemanden ohne Konzept verkauft zu werden. Wir sehen heute ja, wie es anderen Schlössern damit ergangen ist, denken Sie an Schloss Hummelshain oder Reinhardsbrunn. So entstand die Idee einer Stiftung. Ich habe das ganze Ersparte der vergangenen 15 Jahre, das eigentlich für eine schöne lange Weltreise gedacht war, aufgewendet, um die Stiftung zu errichten. Dafür ist mir meine Frau heute noch sauer.

Für eine sechsstellige Summe ging die Burg an die Stiftung. Statt auf das Thema Mittelalter setzten Sie dann aber auf Porzellan.

Die erste Aufgabe der Stiftung war, die Leuchtenburg zu retten. Damit das dauerhaft funktionieren konnte, musste ein Konzept her. Das Thema Mittelalter, das war mir klar, passt nicht wirklich zur Leuchtenburg. Eine Mittelalterburg stellt man sich anders vor - etwa mit Zugbrücken und Fallgittern. So kamen wir auf das Thüringer Porzellan und sind in eine wahnsinnig interessante Welt eingetaucht. Eigentlich war das Thema Porzellan tot und nur noch etwas für Museumsvitrinen. Wir haben es uns dann zur Aufgabe gemacht, die Geschichten rund ums Thüringer Porzellan wiederzubeleben und in die Zukunft fortzuschreiben. Den ersten Teil haben wir getan und Porzellan neu und sexy inszeniert.

Wie war der Zustand, als die Stiftung die Burg übernahm?

Die Burg war extrem heruntergewirtschaftet. Es gab jede Menge Leerstand, kein Wasser und Abwasser, die Zufahrt war nicht richtig befahrbar. Wir haben in Windeseile 70 bis 80 Prozent der Bausubstanz rekonstruiert. Außerdem wurde neu gebaut, etwa das Besucherzentrum, Wasserleitungen sowie die Außenanlagen - insgesamt also die komplette Infrastruktur. Wir haben in den zehn Jahren bald 15 Millionen Euro dort oben verbaut.

Eine ganze Stange Geld - wie finanziert sich die Stiftung?

Die Spendenbereitschaft in Ostdeutschland ist für Stiftungen eine Katastrophe. Es fehlt an Großspendern. 95 Prozent der Einnahmen erzielen wir über Eintrittsgelder, Konzessionen und Vermietungen.

Seit drei Jahren lockt die Burg nun Besucher mit einer Erlebnisschau zum Porzellan. Wie sind sie mit der Resonanz zufrieden?

Da hatte ich mir ehrlich gesagt mehr erhofft. Wir haben aber enorme Besuchersprünge gemacht. Die Zahlen haben sich auf fast 72.000 im Vergleich zum Jahr vor der Stiftungsgründung etwa verdoppelt. Damit gehören wir nun zu den Top Ten der besucherstärksten Thüringer Museen. Zugleich hat sich die Wertschöpfung über Eintrittsgelder fast verzehnfacht. Außerdem haben wir gute Umsätze im Museumsshop.

Dennoch ist die Besucherzahl deutlich unter den Erwartungen geblieben. Wie wirkt sich das finanziell auf die Stiftung aus?

Mit den reichlich 70.000 Besuchern haben wir die Sache noch nicht in trockenen Tüchern. Wir müssen massiv sparen und können nicht so offensiv Marketing, Veranstaltungen und Sonderausstellungen machen, wie wir es uns gewünscht haben. Da mussten wir etliche Gänge zurückschalten. Mit 100.000 Besuchern im Jahr würden wir gut auskommen, ab 140.000 könnten wir richtig stark nach außen wirken - etwa mit zusätzlichen Projekten wie der Gründung des Thüringer Porzellanformen-Archivs. Die Stiftung steht trotzdem auf soliden Beinen. Aber es knirscht und der Kapitaldienst drückt. Wir haben noch 2,7 Millionen Euro Kredit bei Banken laufen.

Heißt das, die Pläne für die Bahn hinauf zur Burg liegen auf Eis oder werden ad acta gelegt?

Bei allen Investitionen haben wir auf Barrierefreiheit geachtet. Der Schlussstein dazu ist die Schrägbahn zwischen der Burg und dem Parkplatz unten im Ort. Damit soll Besuchern der Weg zu uns erleichtert werden. Wir haben noch nicht alle Eigenmittel zusammen, es hängt aber auch noch am Planungsverfahren. Alles in allem wird das Projekt etwa 4,5 Millionen Euro kosten. Die Stiftung muss zehn Prozent davon tragen sowie weitere nicht förderfähige Kosten. Das sind zusammen mehr als eine halbe Million Euro. Unser Ziel ist es, dieses Jahr den Sack zuzumachen. Wir sind zuversichtlich, dass uns das gelingt.

Über Sven-Erik Hitzer

Der in Cottbus geborene Sven-Erik Hitzer ist Gastronom und Veranstaltungsmanager in Sachsen. Er betreibt unter anderem ein Bio-Ressort in Schmilka und die Gastronomie auf der Festung Königstein. Der 53-Jährige ist Stifter der 2007 gegründeten Stiftung Leuchtenburg.