"Wir gehen nicht von einer demokratischen Mitte aus" - IDZ in Jena eröffnet

Der erste Band von "Wissen schafft Demokratie" wurde am Donnerstag vorgestellt.
Der erste Band von "Wissen schafft Demokratie" wurde am Donnerstag vorgestellt.
Foto: Jan-Henrik Wiebe
  • Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena offiziell eröffnet
  • Direktor Matthias Quent stellt sich gegen Extremismustheorie

Feierlich eröffnet wurde das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) am Donnerstag im Jenaer Volksbad. Vor etwa einem halben Jahr nahm das Institut seine Arbeit auf und untersucht seitdem Protestereignisse, Hassaktivitäten und Diskriminierungen in Thüringen. Im ersten Teil der Veranstaltung wurde der erste Band der Schriftenreihe "Wissen schafft Demokratie" vorgestellt.

In seiner Rede machte Direktor Matthias Quent klar, das sich das IDZ nicht nur rechte Bewegungen in Thüringen anschaue, sondern auch Demonstrationen von linken und bürgerlichen Gruppen. "Es gibt keine Ethnie mit Patent auf Hass", sagte Quent. Auch Linke oder Flüchtlinge können antisemitische Äußerungen machen. Aus diesem Grund wirft er ein Modell an die Wand, dass eine vorurteilsgeleitete Radikalisierung verdeutlichen soll. Sie ist der Gegenentwurf zu Extremismustheorie, bei der nur am Rand der Gesellschaft Gewalt entsteht. Hass könne hingegen, so Quent, auch bei verfeindeten Fußballvereinen entstehen. Im Mittelpunkt des ersten Bandes steht die rechte Szene in all ihren Facetten. Reichsbürger, NSU und Bürgerengagement sind die dominierenden Themen. Andere Hassgruppen bekommen kein Kapitel gewidmet.

Professor Wolfgang Frindte gibt Hausaufgaben auf

Zur Eröffnung des Institutes im zweiten Teil am Nachmittag sprachen Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Thüringens Kulturminister für die Landesregierung, Benjamin-Immanuel Hoff, und Professor Wolfgang Frindte von der Uni Jena. Kahane geht in ihrer Rede besonders auf Menschenrechte ein. "Diese kommen nicht von alleine", erklärt die Rechtsextremismusexpertin. "Diejenigen, die diese Menschenrechte erkämpfen, nennt man Zivilgesellschaft", sagt Kahane weiter. Dabei erinnert sie an die Erkämpfung vom Recht auf Wahlen für alle Menschen und in jüngster Vergangenheit die Gleichstellung von Homosexuellen.

Politische Unabhängigkeit des IDZ muss fortwährend überprüft werden

Während Minister Hoff sagt, dass alle "Fraktionen sich einig waren, dass man Lehren aus dem NSU-Komplex ziehen muss", erinnert der Professor für Kommunikation, Wolfgang Frindte, an die schwierige Geburt des Institutes. Der Professor gibt dem wissenschaftlichen Beirat, dem er vorsitzt, am Ende seiner Rede auch gleich noch Hausaufgaben auf. Der Rat müsse unter anderem regelmäßig Stellung nehmen zu den fachlichen und wissenschaftlichen Leistungen des IDZ, die politische Unabhängigkeit der Arbeit kontrollieren und die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen fördern, fordert Frindte.