March for Science in Jena gegen "alternative Fakten"

Foto: Jan-Henrik Wiebe
  • Protest gegen "alternative Fakten" und Lügen
  • Mehr als 1000 Menschen demonstrieren in Jena für die Wissenschaft

Bei strömenden Regen trafen sich anfangs etwa 250 Teilnehmer für den March of Science durch Jena. Als der Regen aufhörte, wurde die Veranstaltung schnell größer. Rund 1000 Teilnehmer zählte sie, als die Demonstration vom alten Universitätshauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) in Richtung Carl-Zeiss-Platz zog.

"Wenn Universitäten von der wissenschaftlichen Weltkarte verschwinden, Studierende inhaftiert und kritische Wissenschaftler mit Repressionen bedroht werden, betrifft das auch uns", sagte der Jenaer Uni-Präsident Walter Rosenthal während einer Kundgebung.

Auf dem neuen Uni-Campus standen auf der Rednerliste neben FSU-Präsident Walter Rosenthal auch Peter Scharff, Rektor der Technischen Universität Ilmenau, oder etwa Jonathan Gershenzon vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie Jena. Sie alle äußerten ihren Unmut gegen die zunehmende Verbreitung "alternativer Fakten" - oder auch Lügen genannt - als Argumentationsgrundlage. In Deutschland waren am Samstag Aktionen in mindestens 18 Städten geplant. Weltweit wollen sich mehr als 600 Städte an der Aktion beteiligen. Der Hauptprotestzug des March for Science soll direkt am Weißen Haus in Washington vorbeiziehen.

Thüringen24-Live-Video von den Redebeiträgen

Rede von Stura-Vertreterin bekommt Applaus und Buhrufe

Umstritten war der Beitrag der Beitrag von Kübra Çig, einer Vertreterin des Studierendenrates (Stura) der FSU. Neben viel Applaus für ihre kritische Rede gab es auch ein paar Buhrufe. Im Internet, unter anderem in der von vielen Studenten genutzten Chat-App "Jodel", wurde kritisiert, dass der Stura die Veranstaltung für die Verbreitung von politischer Ideologie missbrauche.

Videostatement des FSU-Präsidenten Walter Rosenthal

Hintergrund: Warum gibt es den March for Science?

Organisiert wird der der Marsch für die Wissenschaft in Jena von der Friedrich-Schiller-Universität und von verschiedenen wissenschaftlichen Instituten unterstützt. Auch die anderen Universitäten in Thüringen schickten Vertreter zur Veranstaltung in die Wissenschaftsstadt. Der Anlass für den March for Science: Nicht nur international, sondern auch in Deutschland wächst die Skepsis gegenüber der Wissenschaft. AfD-Chefin Frauke Petry widerspricht den gängigen Erkenntnissen der Wissenschaft im Bezug auf den Klimawandel und in der Türkei werden Wissenschaftler massenhaft entlassen, teilweise sogar inhaftiert, weil sie Aussagen verbreiten, die der Regierung nicht genehm sind. In Ungarn hat das Parlament erhebliche Einschränkungen für ausländische Hochschulen beschlossen.