Mysteriöse Kindsmorde in Thüringen - Polizei untersucht Leichenfundorte

Polizei am Saaleufer in Jena-Burgau. Hier wurde im Juli 1993 der Leichnam von Bernd Beckmann gefunden.
Polizei am Saaleufer in Jena-Burgau. Hier wurde im Juli 1993 der Leichnam von Bernd Beckmann gefunden.
Foto: Jan-Henrik Wiebe
  • Polizei rekonstruiert Fundort der Leiche von Bernd Beckmann am Saaleufer in Jena
  • Neunjähriger verschwand im Juli 1993
  • Soko "Altfälle" untersucht weiter den Mord an der zehnjährigen Stephanie Drews und Ramona Kraus

Mit einem Großaufgebot war die Polizei am Montagvormittag an der Saale in Jena-Burgau. Es geht um den Tod von dem neunjährigen Bernd Beckmann, der am 6. Juli 1993 verschwand und zwölf Tage später von spielenden Kindern an der Saale tot aufgefunden wurde. Über dem damaligen Leichenfundort kreisen ein Hubschrauber und eine Drohne, auf der Saale durchpflügen zwei Polizeiboote das Wasser und filmen das Ufer.

Der Neunjährige wurde zuletzt am Abend des 6. Juli im Jenaer Stadtzentrum von Zeugen gesehen. Seitdem verliert sich seine Spur. Im Mittelpunkt der Ermittlungen der Sonderkommission (Soko) "Altfälle" der Kriminalpolizei Jena stehen in diesem Mordfall derzeit der Fundort der Leiche und ein weißer Außenbordmotor eines Ruderbootes.

Fotos: Polizei und Hochschule Mittweida machen Aufnahmen von der Saale in Jena

Mordfall Beckmann: Polizei sucht Zeugen und Ruderboot-Diebe

Aus diesem Grund wurde am Montagvormittag das Saaleufer durch verschiedene Kameras aufgenommen. Mit Hilfe der Hochschule Mittweida werden der Fall Beckmann sowie die Todesfälle von Ramona Kraus und Stephanie Drews neu aufgerollt. Nach wie vor sind viele Fragen in allen drei Fällen offen.

Das Ruderboot, so die Polizei, verschwand offenbar schon Tage vor dem Mord an dem kleinen Bernd. Es befand sich zuvor an einem selbstgebauten Steg an der Saale. Anders als der Außenbordmotor ist das Boot bislang nicht wieder aufgetaucht. Die Polizei bittet nun die Diebe sich als wichtige Zeugen zu stellen. Eine Strafverfolgung müssen sie nicht mehr befürchten, denn die Tat ist bereits verjährt. Die Soko ist unter der Telefonnummer (03641) 81 16 78 zu erreichen.

Hilfe von der Hochschule Mittweida

Neuste Technik soll nun helfen, die alten Fälle aufzuklären. Mit einer speziellen Software sollen etwa Daten verglichen werden. Vor Ort in Jena-Burgau, beim Leichenfundort, scannen Beamte zusammen mit Studenten der Hochschule die Umgebung mit einem 3D-Laserscanner, machen Weg-Zeit-Berechnungen mit dem Motorboot, Digitalaufnahmen mit einer Drohne und Übersichtsaufnahmen von einem Polizeihubschrauber aus. Unklar ist auch noch, warum der Wohnungsschlüssel des Jungen rund 100 Meter flussaufwärts im Bereich eines Sportplatzes gefunden wurde.

Aus all diesen Daten ergibt sich ein Modell, das anschließend mit einer hochkomplexen Software ins Jahr 1993 zurückversetzt wird. Geklärt werden soll etwa, in welchem Zustand sich die damalige Ufervegetation befand. Wie war die bauliche Situation? Wie war das Wetter im Tatzeitraum? Wie hoch stand das Wasser der Saale, wie war die Strömung? In Kombination klassischer Ermittlungsarbeit und den neuesten technischen Möglichkeiten werten die Ermittler ebenfalls viele alte Aufzeichnungen und Bilder aus Archiven aus. Auch der "Jenaer Zeitgeist“, also die Kleidung und die Verhaltensweisen der Menschen in dieser Zeit werden betrachtet,.so Professor Dr. Dirk Labudde von der Hochschule Mittweida.

In den ersten Monaten mussten die Beamten viele alte Akten digitalisieren. Die Papierqualität stellte sie dabei vor größere Herausforderungen, sodass manche Seiten sogar abgetippt werden mussten, weil die Scanner die Seiten nicht erfassen konnten.

Weitere Mordfälle werden von der Soko untersucht

In wenigen Wochen soll auch die Tatortrekonstruktion an der Stelle geschehen, wo früher die Teufelstalbrücke bei Weimar stand. Dort wurde die zehnjährige Stephanie Drews 1991 lebendig von der 70 Meter hohen Brücke geworfen. Am 26. August 1991 wurde der zerschmetterte Körper des kleinen Mädchens aus Weimar unter der Teufelstalbrücke der Autobahn 4 zwischen Jena und Gera gefunden. Zuletzt gesehen wurde sie nach Angaben von Zeugen am 24. August im Weimarer Goethe-Park mit einem vermutlich 18 bis 20 Jahre alten Mann. Mit ihm soll sie den Park auch verlassen haben.

Der dritte Mordfall, mit dem sich die Sonderkommission beschäftigt, ist der von Ramona Kraus. Sie wurde ebenfalls mit zehn Jahren entführt und später tot aufgefunden. Das Mädchen aus Jena-Ammerbach verschwand am 15. August 1996. Ihr Schulranzen wurde am 17. Januar 1997 in einem Wald bei Großburschla von einem Jäger, rund 100 Kilometer von Jena entfernt, gefunden. Kurz darauf fand die Polizei auch die sterblichen Überreste des Kindes.