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Blitzer, Parkuhren und Knöllchen: So viel nahmen Thüringer Städte ein

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Autofahrer tragen auf vielfältige Weise zu den kommunalen Einnahmen bei: Sei es durch Parkgelder, Falschparken oder überhöhte Geschwindigkeit. (Symbolfoto) Foto: dpa; Montage: Thüringen24
  • Das meiste Geld erwirtschaftet die Landeshauptstadt Erfurt mit knapp zehn Millionen Euro
  • Pro Kopf müssen Eisenacher mit über 60 Euro pro Jahr am tiefsten in die Tasche greifen
  • In Gera und Suhl leben Autofahrer und Verkehrssünder besonders günstig

Millionen Euro haben die kreisfreien Städte Thüringens im vergangenen Jahr durch Blitzer und Parkautomaten sowie durch ausgestellte Bußgeldbescheide eingenommen. Auf Thüringen24-Anfrage legten die Kommunen ihre Bilanzen aus dem Jahr 2016 offen.

Allein mit Knöllchen setzt Erfurt etwa fünf Millionen Euro um

Als Krösus bei den genannten Einnahmequellen geht die Landeshauptstadt hervor. In Erfurt kamen im Vorjahr dabei fast zehn Millionen Euro zusammen. Die 40 öffentlichen Parkscheinautomaten sorgten für genau 1.469.691,87 Euro in der Haushaltskasse. Wegen überhöhter Geschwindigkeit wurden im Stadtgebiet 107.742 Verfahren eingeleitet, die etwa 3.274.612 Euro einbrachten.

Acht stationäre Blitzanlagen waren daran beteiligt: je eine Anlage in der Talstraße, der Binderslebener Landstraße, der Bunsenstraße, der Sulzer Siedlung, auf dem Juri-Gagarin-Ring und in der Eugen-Richter-Straße sowie zwei Anlagen in Schmira.

Den größten Posten machten aber die Verwarn- und Bußgelder aus, die von den 28 Mitarbeitern des Erfurter Ordnungsamtes eingesammelt wurden: 5.049.546 Euro aus dem Bereich fließender und ruhender Verkehr sowie Allgemeine Ordnungswidrigkeiten (Stand 20. Juni). Alle Einnahmen zusammengerechnet und auf jeden Einwohner heruntergebrochen ergibt sich eine Pro-Kopf-Einnahme von etwa 46,65 Euro.

Jena macht thüringenweit am meisten Kasse mit Parkuhren

Eine beträchtliche Bilanz kann auch die Universitätsstadt Jena vorweisen: Etwa 4,4 Millionen Euro wurden in den vergleichbaren Posten eingenommen. Insgesamt 56 öffentliche Parkscheinautomaten brachten etwa 1,7 Millionen Euro ins Stadtsäckel. An vier Standorten verhalfen acht stationäre Blitzer der Saalestadt zu etwa 1,966 Millionen Euro wegen überhöhter Geschwindigkeit: je eine Anlage pro Fahrtrichtung in der Rudolstädter Straße, am Löbdergraben, in der Stadtrodaer Straße und Camburger Straße.

Wegen registrierter Parkverstöße stellten die insgesamt 17 Mitarbeiter des Jenaer Ordnungsamtes Bescheide über 701.623 Euro aus (Stand 19. Juni). Alle Einnahmen zusammengerechnet und auf jeden Einwohner heruntergebrochen ergibt sich eine Pro-Kopf-Einnahme von etwa 40,07 Euro.

Keine Stadt hat mehr Blitzer als Weimar

Mehrere Millionen Euro kamen auch in der Kulturstadt Weimar zusammen. Allein bei den Posten „überhöhte Geschwindigkeit“ und den „Angelegenheiten des Ordnungsamtes im Außendienst“ kamen hier knapp 2,5 Millionen Euro zusammen. Wie viel die 34 öffentlichen Parkticket-Automaten der Stadt einbrachten, wollte die Verwaltung auf Anfrage nicht beantworten. „Aufgrund der zahlreichen Aufbrüche von Parkautomaten in der unmittelbaren Vergangenheit“ wolle man „derzeit keine Angaben machen“, teilte die Pressestelle mit.

Auskunft gab die Kommune aber über die Einkünfte der insgesamt elf Geschwindigkeitsmesssäulen: 1.012.210,37 Euro kamen hier im Vorjahr zusammen. Geblitzt wird in lediglich eine Fahrtrichtung am Lindenberg, in Gelmeroda, in Taubach, in Tiefurt, in Niedergrunstedt sowie in beide Fahrtrichtungen in Schöndorf am Sportplatz, in der Martin-Luther-Straße und auf der Umgehungstraße am Abzweig Tröbsdorf.

Die Mitarbeiter im Außendienst des Weimarer Ordnungsamtes sammelten im Vorjahr 1.469.761,99 Euro ein (Stand 20.Juni). Alle Einnahmen zusammengerechnet und auf jeden Einwohner heruntergebrochen ergibt sich eine Pro-Kopf-Einnahme von etwa 38,78 Euro – exklusive der Parkeinnahmen.

Effektiv: Eisenacher mit höchster Pro-Kopf-Einnahme

Auch in der Lutherstadt Eisenach ließen Autofahrer die Kasse klingeln. Parkautomaten, stationäre Blitzer und die Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes sorgten für mehr als 2,6 Millionen Euro. Mit etwa 1,3 Millionen Euro waren die vier Blitzanlagen (Pro Fahrtrichtung jeweils ein Blitzer in Mariental/Höhe Liliengrund sowie in Stockhausen/Nessetalstraße) am ertragreichsten.

Die 40 öffentlichen Parkscheinautomaten an den Straßenrändern setzten weitere 942.716 Euro um. Die sieben Mitarbeiter des Außendienstes des Ordnungsamtes verhängten Ordnungsgelder in Höhe von etwa 425.000 Euro (Stand 16. Juni). Alle Einnahmen zusammengerechnet und auf jeden Einwohner heruntergebrochen ergibt sich eine Pro-Kopf-Einnahme von etwa 62,89 Euro.

Gera: Stadt mit den meisten Parkautomaten

Für den Haushalt relevant waren auch die Vorjahreseinnahmen in der Otto-Dix-Stadt Gera. Die Einnahmen des Ordnungsamtes, der Parkscheinautomaten und der stationäre Blitzer summierten sich auf etwa zwei Millionen Euro. Wichtigster Faktor waren hier die Einnahmen der Zentralen Bußgeldstelle der Stadt Gera mit exakt 915.085,23 Euro. Darin enthalten sind Einnahmen aus der Überwachung des Verkehrs und gemeldete Ordnungswidrigkeiten aller Fachdienste der Stadtverwaltung.

Seit Juni 2017 gibt es vier stationären Blitzer in Gera, jeweils einer pro Fahrrichtung in Langenberg und Weißig. Die mobilen Blitzer erwirtschafteten im Vorjahr 248.642,56 Euro. Die Einnahmen der 85 Parkscheinautomaten der Stadt belaufen sich auf 877.253,59 Euro (Stand 23. Juni). Alle Einnahmen zusammengerechnet und auf jeden Einwohner heruntergebrochen ergibt sich eine Pro-Kopf-Einnahme von etwa 21,25 Euro.

In Suhl leben Autofahrer am günstigsten

Da die Waffenstadt Suhl seit August 2016 auch über „Waffen gegen Raser“, also drei stationäre Blitzer verfügt, sind die öffentlichen Einnahmen im Bereich Verkehr gestiegen. Gut 650.000 Euro kamen so im Vorjahr zusammen. Die drei neuen Blitzer (Gothaer Straße, Schleusinger Straße und Meininger Straße) können wechselweise in beide Fahrtrichtungen auslösen und sorgten im ersten knappen halben Jahr für 339.061,40 Euro Einnahmen. Dabei entfielen 126.636,20 Euro allein auf den Monat ihrer für die Autofahrer offenbar überraschenden Einführung.

Die Knöllchen des Ordnungsamtes brachten 154.658,30 Euro. Schließlich wurden mit den acht Parkscheinautomaten und 29 Parkuhren insgesamt 162.615,29 Euro für das Stadtsäckel erwirtschaftet (Stand 28. Juli). Alle Einnahmen zusammengerechnet und auf jeden Einwohner heruntergebrochen ergibt sich eine Pro-Kopf-Einnahme von etwa 17,85 Euro.

  • Anmerkung der Redaktion: Die tatsächlich von Bürgern gezahlten Gelder des Vorjahres und die tatsächlichen Einkünfte der jeweiligen Stadtverwaltung können von den hier aufgeführten Posten abweichen. So können etwa bei den Einnahmen des Ordnungsamtes auch andere Delikte neben Knöllchen in die Summe eingeflossen sein. Beim Posten Blitzer-Einnahmen können Abweichungen beispielsweise durch strittige Fälle entstehen, gegen die Rechtsmittel eingelegt wurden.