Inzest-Bekenntnis oder Erpressung? Das sagt die mutmaßliche Geisel der Therapeutin

Die angeklagte Ärztin soll im Sommer vergangenen Jahres einen 82 Jahre alten Mann und dessen gleichaltrige Ehefrau gegen deren Willen auf ihrem Grundstück im Saale-Orla-Kreis festgehalten und zu sogenannten Therapiesitzungen gezwungen haben.
Die angeklagte Ärztin soll im Sommer vergangenen Jahres einen 82 Jahre alten Mann und dessen gleichaltrige Ehefrau gegen deren Willen auf ihrem Grundstück im Saale-Orla-Kreis festgehalten und zu sogenannten Therapiesitzungen gezwungen haben.
Foto: Jan Woitas/dpa
  • Ärztin in Gera wegen Menschenraubs und Geiselnahme vor Gericht
  • Frau soll 82-Jährigen und dessen Frau gefangen gehalten und "therapiert" haben
  • Opfer weist Inzest-Vorwurf ab

Im Prozess gegen eine Ärztin wegen des Verdachts der Geiselnahme und der Misshandlung haben ein mutmaßliches Opfer der Psychiaterin und seine Frau ausgesagt. Er habe seine Tochter und die Enkelkinder auf dem Anwesen der 59-Jährigen im thüringischen Remptendorf (Saale-Orla-Kreis) besuchen wollen, sagte der 83-Jährige am Donnerstag vor dem Landgericht Gera. Nach kurzer Zeit sei ihm gesagt worden, er dürfe das Grundstück nicht verlassen, andernfalls werde er der Polizei übergeben. „Und dann kommst du ins Gefängnis zu den Kinderschändern und Verbrechern“, habe die angeklagte Medizinerin gedroht.

Therapeutin wirft Mann sexuellen Missbrauch vor

Damals habe er sich erstmals dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, er habe seine Frau, seine Tochter und die Enkel vergewaltigt und jahrzehntelang sexuell missbraucht. Irgendwann habe er aus Angst eingeräumt, sich an den Familienmitgliedern vergangen zu haben. Auf die Frage von Richterin Andrea Höfs, ob denn diese Vorwürfe stimmten, sagte der Mann energisch: „Ach, woher denn!“

Manipuliertes Geständnisse

Er sei gedrängt worden, sich seinen vermeintlichen Taten zu stellen und die verdrängten Erinnerungen daran zuzulassen. „Aber ich hab ja nix gehabt zum Erinnern.“ Er sei sich sicher, dass seine Angehörigen von der Angeklagten manipuliert und zu falschen Anschuldigungen gebracht worden seien.

Ehefrau glaubt den Geschichten nicht

Die 82 Jahre alte Ehefrau des Mannes, die ebenfalls auf dem Anwesen der Ärztin war, bestätigte die Aussagen ihres Mannes. Ihre Tochter habe erst von dem vermeintlichen Missbrauch berichtet, nachdem die Ärztin ihr freudig gesagt habe, nun könne sie sich „endlich erinnern“. Jeden Abend habe ihre Tochter eine andere, haarsträubende Missbrauchsgeschichte erzählt.

Angst vor dem Pranger

Ihrem Mann und ihr sei angedroht worden, bei ihnen zuhause, aber auch im Tennisclub und Fußballverein des Mannes sowie bei dessen ehemaligem Arbeitgeber würden Plakate aufgehängt, in denen die Beschuldigungen öffentlich gemacht würden. Irgendwann habe ihr Mann gesagt: „Ich geb alles zu, ich kann nicht mehr.“

Ehepaar in Geiselhaft

Laut Anklage wurden der Mann und seine Frau im vergangenen Jahr über Wochen auf dem Anwesen der promovierten Ärztin festgehalten. Der damals 82-Jährige sei unter anderem geschlagen worden, damit er den vermeintlichen Missbrauch gesteht. Erst die Polizei machte dem Spuk ein Ende.