Prognose: So viele Einwohner wird Thüringen bis 2035 verlieren

Das  Instituts der deutschen Wirtschaft prognostiziert Thüringen einen starken Bevölkerungsrückgang. Bis 2035 könnte der Freistaat 10,2% seiner Einwohner verlieren. (Symbolbild)
Das Instituts der deutschen Wirtschaft prognostiziert Thüringen einen starken Bevölkerungsrückgang. Bis 2035 könnte der Freistaat 10,2% seiner Einwohner verlieren. (Symbolbild)
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  • Prognosen sehen Thüringen mit starkem Bevölkerungsverlust bis 2035
  • Freistaat soll 10,2 Prozent der Einwohner verlieren
  • Nur in Sachsen ist der Rückgang stärker

Thüringen wird zusammen mit Sachsen-Anhalt in den nächsten beiden Jahrzehnten der höchste Bevölkerungsrückgang in Deutschland prognostiziert. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln verliert Thüringen bis zum Jahr 2035 10,2 Prozent seiner derzeit knapp 2,2 Millionen Einwohner.

Bundesländer mit starkem Schwund

Höher falle der Einwohnerschwund in diesem Zeitraum nur in Sachsen-Anhalt mit 10,6 Prozent aus. Auch die anderen ostdeutschen Bundesländer büßen Einwohner ein: Sachsen laut Prognose allerdings nur drei Prozent, Mecklenburg-Vorpommern 4,8 Prozent.

Zu wenig Geburten im Freistaat

Nach Zahlen des Statistischen Landesamt hatte Thüringen zum Stichtag 30. Juni 2016 rund 2,16 Millionen Einwohner. Das waren rund 9800 weniger als zum Jahresende 2015. Der Rückgang der Thüringer hat zwei Hauptgründe: Es sterben mehr Menschen als geboren werden. 8914 neu geborenen Kindern standen im ersten Halbjahr 2016 knapp 14.500 Todesfälle gegenüber.

Viele Thüringer ziehen weg

Der zweite Grund ist die Abwanderung: Es ziehen mehr Menschen aus Thüringen weg als aus anderen Teilen der Bundesrepublik zuziehen. Aus dem Ausland wanderten laut Landesamt in den ersten sechs Monaten des Vorjahres 964 mehr Menschen ein, als ins Ausland abwanderten. Damit könne die Zuwanderung die Defizite nicht ausgleichen.

Vor allem Frauen wanderten ab

Das IW macht für den erwarteten starken Bevölkerungsrückgang in Thüringen vor allem die hohe Abwanderung junger Leute - vor allem von Frauen - in den 1990er Jahren verantwortlich. Diese Entwicklung habe sich zwar stark abgeschwächt, sie zeige aber Wirkung. Als anhaltenden Trend sieht das Institut die Binnenwanderung in Ostdeutschland. Es wanderten „zunehmend mehr Menschen innerhalb der ostdeutschen Bundesländer meist in Richtung Großstädte, beispielsweise in das dynamisch wachsende Leipzig“, heißt es in der Studie.

Deutschland wächst

Insgesamt wächst die deutsche Bevölkerung nach der IW-Prognose bis 2035 um eine Million auf mehr als 83 Millionen Menschen. Mit dem langfristigen Anstieg kehrten sich frühere Annahmen des Statistisches Bundesamtes um, teilte das Kölner Institut auf seiner Internetseite mit.

Zuwachs durch Zuwanderung und mehr Geburten

Als Gründe nennt das Wirtschaftsinstitut eine höhere Geburtenrate und eine stärkere Zuwanderung. Über die am Freitag veröffentlichten Daten hatte zuvor die Funke Mediengruppe berichtet.