NSU-Ausschuss: Ex-Freundin von Wohlleben verrät Details

Die Ex-Freundin des im NSU-Prozess Angeklagten Ralf Wohlleben sagte vor dem Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags aus. Sie fühlt sich nach eigenen Angaben von ihm und anderen Mitgliedern der rechten Szene Jenas in den 1990er Jahren ausgenutzt. (Archivfoto)
Die Ex-Freundin des im NSU-Prozess Angeklagten Ralf Wohlleben sagte vor dem Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags aus. Sie fühlt sich nach eigenen Angaben von ihm und anderen Mitgliedern der rechten Szene Jenas in den 1990er Jahren ausgenutzt. (Archivfoto)
Foto: Martin Schutt / dpa
  • Freundin des mutmaßlichen NSU-Unterstützers Ralf Wohlleben sagt in Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag aus
  • Die Frau sollte Kleidung für untergetauchte NSU-Mitglieder holen

Die Ex-Freundin des im NSU-Prozess Angeklagten Ralf Wohlleben fühlt sich nach eigenen Angaben von ihm und anderen Mitgliedern der rechten Szene Jenas in den 1990er Jahren ausgenutzt. "Ich habe doch nicht wirklich darüber nachgedacht, was ich für Mist baue", sagte die Frau am Donnerstag vor dem Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss. Sie habe sich damals nicht vorstellen können, dass Mitglieder der Szene Menschen töten würden.

Wohllebens Freundin sollte Kleidung holen

Die Frau war nach eigenen Angaben Mitte der 1990er Jahre einige Zeit mit Wohlleben zusammen und kannte auch andere Mitglieder der rechten Szene in Jena. Kurz nach dem Untertauchen des Trios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Januar 1998 habe sie zwei Säcke voller Kleidung aus der Wohnung von Zschäpe geholt, sagte sie. Zudem sei sie beauftragt worden, Kleidung aus Mundlos' Wohnung zu holen und habe einen Schlüssel dafür bekommen. Als sie dort angekommen sei, sei die Polizei jedoch schon vor Ort gewesen.

Wahrscheinlich habe sie die Aufträge von Wohlleben bekommen, sagte die Zeugin. Sicher sei sie sich aber nicht. Andere Aufträge habe sie abgelehnt. Inzwischen sei sie nicht mehr in der Neonaziszene aktiv. Wohlleben ist als mutmaßlicher NSU-Unterstützer im Prozess vor dem Oberlandesgericht München angeklagt.

Aussteiger bekam Geld vom Verfassungsschutz

Ein ehemaliger Rechtsextremer erklärte am Donnerstag, in der Szene sei Ende der 1990er Jahre mit Bewunderung über das untergetauchte Trio gesprochen worden. Es sei ein Mythos um sie herum entstanden. Er selbst habe vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) einmalig 100 oder 200 Euro erhalten, als er sich an ein Aussteigerprogramm des Nachrichtendienstes gewendet habe. Die Mitarbeiter des BfV seien sehr interessiert an Informationen aus der rechten Szene Thüringens gewesen. Er selbst habe gehofft, der Dienst werde ihm eine Ausbildungsstelle vermitteln. Das sei aber nicht erfolgt.

Zschäpe wird weiter der Prozess gemacht

Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt wuchsen in Thüringen auf und tauchten dort unter. Im November 2011 flog das Trio nach einem Banküberfall auf, nachdem die Leichen von Mundlos und Böhnhardt in Eisenach gefunden worden waren.

Zschäpe steht derzeit als Hauptangeklagte in München im NSU-Prozess vor Gericht. Sie ist wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) angeklagt. Dazu gehören neben insgesamt zwei Sprengstoffanschlägen zehn Morde. Neun der Mordopfer waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende. Unmittelbare Täter sollen immer Zschäpes Freunde Mundlos und Böhnhardt gewesen sein.

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