Ex-Anführer der Rudolstädter Neonazis tritt vor NSU-Ausschuss

Der zweite Untersuchungsausschuss zur rechtsextremen Terrorzelle NSU ist durch das Studio eines öffentlich-rechtlichen Senders im Landtag zu sehen.
Der zweite Untersuchungsausschuss zur rechtsextremen Terrorzelle NSU ist durch das Studio eines öffentlich-rechtlichen Senders im Landtag zu sehen.
Foto: Foto: Marijan Murat/dpa
  • Ex-Neonazi-Anführer als Zeuge bei NSU-Untersuchungsausschuss geladen
  • Drohschreiben und Erkrankung verzögerten Vernehmung
  • Einlasskontrollen zur Anhörung am Montag

Unter besonderen Sicherheitsbedingungen geht am Montag (9.30 Uhr) der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags weiter. Als Zeuge wird der frühere Anführer der Neonaziszene in Rudolstadt erwartet. Er soll Auskunft über mögliche Waffengeschäfte im Umfeld des NSU geben. Der Mann war vor zwei Wochen nicht im Ausschuss erschienen, weil er sich krank gemeldet hatte. Zudem fühlt er sich bedroht. Auf seinem Briefkasten war die Patrone einer Waffe gefunden worden. Auch war ein Drohschreiben gegen Ausschusschef Wolfgang Drexler (SPD) eingegangen. Am Montag soll es zur Sicherheit wieder Einlasskontrollen im Landtag geben.

V-Mann "Primus" im NSU-Umfeld

Mit Spannung wird erwartet, ob auch ein zweiter, ursprünglich aus dem sächsischen Zwickau stammender Zeuge erscheint, der eine zentrale Rolle in der rechten Szene gespielt haben soll. Ralf Marschner arbeitete von 1992 bis 2002 als V-Mann namens „Primus“ des Bundesverfassungsschutzes im Umfeld des NSU. In der Zeit soll er die mutmaßlichen Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU), Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, in seiner Firma beschäftigt haben. 2002 hatte der Geheimdienst ihn als V-Mann „abgeschaltet“ - 2013 flog seine V-Mann-Tätigkeit auf. Er lebt heute in der Schweiz.

Gab es NSU-Unterstützer aus Baden-Württemberg?

Der Untersuchungsausschuss des Landtags geht der Frage nach, welche Verbindungen des NSU zu Baden-Württemberg bestanden und ob es hier Unterstützer gab. Dem NSU werden von 2000 bis 2007 zehn Morde zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn.