Wie Jugend-Gangs Jena tyrannisieren - Polizei legt Zahlen vor

Die Jenaer Bevölkerung ist beunruhigt: Seit Monaten kam es zu einer Vielzahl von Straftaten von jugendlichen mit Migrationshintergrund. (Archivbild)
Die Jenaer Bevölkerung ist beunruhigt: Seit Monaten kam es zu einer Vielzahl von Straftaten von jugendlichen mit Migrationshintergrund. (Archivbild)
Foto: Jan-Peter Kasper/dpa
  • Polizei Jena legt Zahlen zur Jugendkriminalität vor
  • 160 Straftaten durch Jugendliche und Heranwachsende in Jena
  • Täter aus Deutschland, Syrien, Afghanistan und Irak
  • Vollstreckungen und Haftbefehle angesetzt

Seit anderthalb Jahren steht Jena immer wieder in den Negativschlagzeilen: Gefühlt ist die Jugendkriminalität auf ein beispielloses Hoch gestiegen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei eine Jugendbande, die die Saalestadt tyrannisiert. Der Ruf nach einem härteren Durchgreifen von Ermittlern, Justiz und Behörden wurde laut. In einem Schreiben über die „Erscheinungsformen von Jugendkriminalität in Jena“ legte die Polizei am Freitag die Zahlen auf den Tisch.

Höchste Kriminalität in Jena-Paradies

Räumlich konzentrieren sich die Straftaten von Jugendlichen auf Jena-Paradies (59 Straftaten), Lobeda-West (56) sowie das Stadtzentrum mit dem Ernst-Abbe-Platz und der Goethe Galerie (44). Daran hat auch die Jugendbande ihren Anteil, ist jedoch nicht ausschließlich für alle Vergehen verantwortlich.

160 Strafanzeigen: Hälfte der Täter Migranten

Ingesamt etwa 160 Straftaten nahmen also Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe seit Sommer 2016 auf. Laut den Ermittlern geht gut die Hälfte der Straftaten auf das Konto von Jugendlichen und Heranwachsenden mit Migrationshintergrund. Zwischen 14 und 21 Jahren sind die bereits bekannten Täter alt, sie stammen insbesondere aus Syrien, Irak und Afghanistan. Entgegen vieler Gerüchte bestehen die Tätergruppen in Jena aber bei Weitem nicht nur aus Migranten, auch viele deutsche Jugendliche hat die Thüringer Landespolizei im Blick.

18 Intensivtäter in Jena festgestellt

Die Vorwürfe reichen von Landfriedensbruch über gefährliche Körperverletzung bis hin zu illegalem Drogenbesitz. 24 Wiederholungs-, davon 18 Intensivtäter, konnten die Ermittler ausmachen. Vier Urteile wurden bereits gesprochen: Drei Beschuldigte erhielten Haftstrafen bis zu anderthalb Jahren, wobei zwei der jungen Männer vor ihrer Verurteilung bereits ihre Zeit in Untersuchungshaft absaßen. Beide haben sich nun an Bewährungsauflagen zu halten, ein Widerruf der Bewährung war laut Polizei bisher nicht notwendig.

Schläger aus Goethe Galerie Jena in Geschlossener

Gegen zwei weitere Täter ist die U-Haft wegen diverser Drogen- und Gewaltdelikte bereits angeordnet. Der 17-Jährige, dessen Festnahme in der Goethe Galerie mit einem Video viral ging, sitzt seit Ende Februar in einer geschlossenen Einrichtung.

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Gericht beschäftigt sich mit 16 weiteren Jugendtätern

In mehreren Sammelklagen verhandelt das Gericht ab April gegen 16 weitere Jugendliche, denen insgesamt 37 Delikte zur Last gelegt werden. 29 der etwa 160 Fälle bearbeitet die Staatsanwaltschaft derzeit noch. „Sofern die gesetzlichen Voraussetzungen es zulassen, ist auch hier zeitnah mit einer Anklageerhebung zu rechnen“, heißt es am Ende der Offenlegung der Polizei.