Exzellenzcluster: Uni Jena spielt in 1. Wissenschafts-Bundesliga

Interaktion von Bakterien (Proteus mirabilis) und Hefepilzen (Candida albicans) im Darm.
Interaktion von Bakterien (Proteus mirabilis) und Hefepilzen (Candida albicans) im Darm.
Foto: Sandor Nietzsche, Susanne Linde/Elektronenmikroskopisches Zentrum Jena/FSU
  • Forschungsprojekt der FSU Jena setzt sich bundesweit im Finale durch
  • Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ bringt bis zu 50 Millionen Fördergelder
  • DFG zeichnet bundesweit 57 Förderanträge aus, davon zwei in den neuen Ländern
  • Präsident Rosenthal will Friedrich-Schiller-Universität zu weltweiter Bekanntheit bringen

Durch ihren Sieg beim Wettbewerbsfinale der Exzellenzcluster hat die Friedrich-Schiller-Universität (FSU) ihren Standort Jena als Spitzenstadt der Wissenschaft in Deutschland bekräftigt. Die FSU konnte sich mit einem ihrer Anträge, „Balance of the Microverse“ (zu Deutsch: „Gleichgewicht im Mikroversum“) erfolgreich bis in die letzte Wettbewerbsrunde und unter 88 Projekten durchsetzen. Neben Dresden ist Jena eine der beiden Städte in den neuen Bundesländern, welche mit ihren Bewerbungen berücksichtigt wurde. Die Exzellenzstrategie wird vom Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) durchgeführt.

FSU-Forschungsprojekt nicht nur hervorragend, sondern sogar noch besser

Bei der Bekanntgabe der bundesweit 57 bewilligten Förderanträge am Donnerstagnachmittag auf der Pressekonferenz im Wissenschaftszentrum Bonn, lobte DFG-Präsident Peter Strohschneider die „außerordentlich hohe Qualität“ der Teilnehmer in der Endrunde. Es sei nicht um das Trennen von Spreu und Weizen gegangen, sondern es hätten schwierige Entscheidungen gefällt werden müssen zwischen „hervorragenden Vorhaben und noch besseren.“

Millionen Euro Förderung durch Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“

Der Jenaer Clusterantrag „Balance of the Microverse“ besitzt laut Kommission diese außerordentliche Qualität und soll über die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder in den kommenden sieben Jahren gefördert werden. Jährlich erhalten die Exzellenzcluster 385 Millionen Euro Förderung. Über sieben Jahre könnten so bei gleicher Aufteilung unter den Projekten insgesamt knapp 47,3 Millionen Euro nach Jena fließen. Die genaue Summe steht jedoch noch nicht fest. Nach einer erfolgreichen Wiederbewerbung bei der DFG ist eine zweite Förderperiode von ebenfalls sieben Jahren möglich. 75 Prozent der Mittel stammen vom Bund, 25 Prozent trägt im Fall von „Balance of the Microverse“ der Freistaat Thüringen.

Transdisziplinäres Projekt baut auf früherer Exzellenz-Auszeichnung auf

Bei „Balance of the Microverse“ sind neben der FSU auch das Uni-Klinikum und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt. Jena hat damit erstmals die Förderung für einen Exzellenzcluster erhalten, nachdem bereits 2007 die Exzellenz-Graduiertenschule „Jena School for Microbial Communication“ (JSMC) zu den Siegern gehörte, welche als Grundstein für die neuerliche Auszeichnung angesehen werden kann.

Uni Jena soll international sichtbarer Leuchtturm werden

„Das ist eine hervorragende Nachricht für die Universität, für den Forschungsstandort Jena und den Freistaat Thüringen“, so Präsident Walter Rosenthal in einer Mitteilung der FSU. „Das beweist, dass auch mittelgroße Universitäten zu den herausragenden deutschen Hochschulen gehören“. Dieser Erfolg mache die Wissenschafts- und Wirtschaftsregion Jena zu einem international sichtbaren Leuchtturm, sei sich der Präsident sicher.

Minister Tiefensee wähnt FSU sogar in der Champions League

„Das ist der endgültige Durchbruch für Jena als ein international bedeutendes Wissenschaftszentrum“, so Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). „Damit positioniert sich Jena in der Champions League der deutschen Forschungsstandorte.“

Hintergrund: Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“

>>Von resistenten Keimen, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft, bis hin zu verseuchten Böden: Die Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“ in Jena. Die Natur ist geprägt von komplexen Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen, den Mikrobiomen. Diese haben einen stabilisierenden Einfluss auf Lebewesen und Umwelt, etwa die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen ebenso wie die Fruchtbarkeit von Böden oder die Qualität von Gewässern. Über die Zusammensetzung dieser Mikrobiome existiert bereits relativ breites Wissen. Die Erforschung der Funktionen und Dynamik solcher Systeme steht jedoch noch ganz am Anfang. Ziel der Forschungsarbeiten ist es, herauszufinden, nach welchen übergreifenden Prinzipien mikrobielle Gemeinschaften interagieren. Die wesentlichen Fragen sind dabei, welche Faktoren solche Systeme stabilisieren, und wie der Mensch gezielt eingreifen könnte, um ein aus der Balance geratenes Mikrobiom wieder zu reparieren. Das Forschungsprogramm entwickelt die Thematik der Exzellenz-Graduiertenschule „Jena School for Microbial Communication“ und vier bestehender Sonderforschungsbereiche inhaltlich sowie methodisch weiter.<<

Hintergrund: Beteiligte am Exzellenzcluster

Am neuen Forschungsverbund arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Fakultät für Mathematik und Informatik, der Physikalisch-Astronomischen Fakultät, der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät, der Fakultät für Biowissenschaften sowie der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena zusammen. Als außeruniversitäre Partner sind die Max-Planck-Institute für chemische Ökologie, für Biogeochemie sowie für Menschheitsgeschichte, die Leibniz-Institute für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut sowie für Photonische Technologien, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik, das Helmholtz-Institut Jena und das DLR-Institut für Datenwissenschaften beteiligt.