Fahrplanwechsel am Sonntag: Das ändert sich in Thüringen

Alle Jahre wieder: Zum Jahreswechsel gibt es auch einen neuen Fahrplan - samt Preisaufschlag. (Symbolbild)
Alle Jahre wieder: Zum Jahreswechsel gibt es auch einen neuen Fahrplan - samt Preisaufschlag. (Symbolbild)
Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
Gera bekommt wieder Fernzüge, Jena und Naumburg bekommen Trostpflaster für den Wegfall des ICE - und viele Strecken bekommen brandneue Züge. Der Fahrplanwechsel am Sonntag bringt viele weitere Neuerungen. Doch Vielfahrer müssen auch deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Bahnreisende und Pendler in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt müssen sich in den nächsten Tagen auf zahlreiche Änderungen einstellen. Grund ist der Fahrplanwechsel, der am Sonntag in Kraft tritt. Zum neuen Fahrplan sollen einige Dinge besser werden. So kommen auf vielen Strecken mehr und neue Züge zum Einsatz. Allerdings wird es auch teurer.

Bahnkunden müssen tiefer in die Tasche greifen

Im Fernverkehr werden Fahrscheine zum vollen Preis (Flexpreis) im Durchschnitt 1,9 Prozent teurer, wie die Bahn mitteilte. Weil es viele Sonderangebote und Rabatte gibt, steigt das Preisniveau nach Berechnungen der Bahn aber lediglich um 0,9 Prozent. Wer seine Reise bis Samstag bucht, fährt noch zu den alten Preisen.

Verkehrsverbund Mittelthüringen erhöht Preise im April

Bahnfahrten im Regionalverkehr über Grenzen von Verkehrsverbünden hinweg werden im Durchschnitt 1,5 Prozent teurer. Für die anderen gelten die Tarife der Verkehrsverbünde. In vielen von ihnen ändern sich die Fahrpreise für Busse und Bahnen zum Jahreswechsel nicht. Der Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) hat erst für den 1. April 2019 eine Fahrpreis-Erhöhung um 3,08 Prozent angekündigt.

Bahn-Vielfahrer besonders betroffen

Mit den neuen Preisen werden Vielfahrer relativ stark zur Kasse gebeten: Für Streckenzeitkarten sowie die Bahncard 100 sind in Zukunft im Schnitt 2,9 Prozent mehr zu zahlen. Die Preise für Platzreservierungen sowie für die Rabattkarten Bahncard 25 und Bahncard 50 verändern sich nicht. Kräftig erhöht wird das Extra-Entgelt für den Kauf eines Tickets im Zug: von 12,50 Euro auf 19 Euro.

Die wichtigsten Änderungen mit dem Fahrplanwechsel im Überblick

FERNVERKEHR: München - Erfurt - Leipzig - Berlin

Seit einem Jahr ist die neue Hochgeschwindigkeitstrasse München-Berlin über Erfurt, Halle und Leipzig in Betrieb. Von Sonntag an schickt die Deutsche Bahn zusätzlich zwei besonders schnelle Züge pro Tag über Halle auf die Strecke. Damit gibt es fünf statt drei Sprinter, die die gesamte Strecke planmäßig in vier statt viereinhalb Stunden schaffen. «Das ist gut und der Einsatz von Sprintern wird in den nächsten Jahren sicher weiter zunehmen», sagte Carsten Schulze vom Fahrgastverband Pro Bahn. Spannend werde, wie die Passagiere den neuen ICE 4 annehmen. «Da passen mehr Leute rein, aber das liegt daran, dass es darin enger ist als im Billigflieger», kritisierte er.

IC-Strecke von Gera über Jena, Weimar und Erfurt nach Kassel

Erstmals seit zwölf Jahren wird auch Gera wieder an den Fernverkehr angeschlossen. Die IC-Züge auf der Mitte-Deutschland-Verbindung fahren von Gera über Jena, Weimar und Erfurt weiter nach Kassel. Auf der Strecke Erfurt-Gera ersetzt die Linie bisher dort fahrende Regionalzüge. In diesem Abschnitt können deshalb alle Intercity-Züge auch mit Fahrscheinen des Nahverkehrs ohne Aufpreis benutzt werden.

REGIONALVERKEHR: Entschädigung für Jena

Als die Schnellfahrstrecke Berlin-München stufenweise ans Netz gingen, mussten vor allem Jena und Naumburg auf eine ICE-Anbindung verzichten. Als Ersatz wurden Expresslinien zugesagt, die besser und häufiger mit den Bahnknoten Erfurt und Leipzig verbinden. Ab Sonntag gibt es täglich zwei direkte Verbindungen pro Stunde zwischen Halle und Jena. Unter anderem fährt der neue Saale-Express im Zweistundentakt und bindet auch Merseburg, Weißenfels, Naumburg und Bad Kösen an. Zudem wird der Franken-Thüringen-Express verlängert. Statt zwischen Nürnberg, Saalfeld und Jena fährt er jetzt auch bis Leipzig.

Abellio schickt neue Züge auf die Strecke

NEUER BAHNBETREIBER: Bei 16 Linien steht an den Zügen von Sonntag an Abellio statt Deutsche Bahn oder Harz-Elbe-Express. Die Tochter der niederländischen Staatsbahn übernimmt das sogenannte Dieselnetz quer durch Sachsen-Anhalt, das aber auch bis nach Erfurt, Goslar und Wolfsburg reicht. Die Gesamtlänge des Netzes umfasst 1422 Kilometer Strecke und 140 Bahnhöfe. Bahnreisende können dann laut Unternehmen in 54 fabrikneue Fahrzeuge steigen. Ticketautomaten gibt es an Bord. Ansonsten verspricht Abellio, dass trotz Betreiberwechsel das meiste beim alten bleibt: «Strecken gleich, Takte gleich, alles gut!»

Mehr W-LAN im Nah- und Regionalverkehr

Die Bundesländer lassen immer mehr Nah- und Regionalzüge mit kostenlosen WLAN-Zugängen ausstatten. So verfügen alle Abellio-Züge im Dieselnetz über Hotspots. Auch der neue Saale-Express zwischen Jena und Halle ist damit ausgestattet. Im Netz der Mitteldeutschen S-Bahn werden die Züge schrittweise mit der Technik ausgerüstet. In der Elbe-Saale-Bahn zwischen Halle, Magdeburg und der Altmark gibt es das Angebot schon seit mehr als einem Jahr. (dpa, aj)