Massen-Abzocke in Thüringen: So gehen die Telefon-Betrüger vor

Einbrecher, Schuldeneintreiber oder bewaffnete Täter – die Betrüger nutzen die Angst ihrer Opfer in Thüringen, um ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen. (Symbolbild)
Einbrecher, Schuldeneintreiber oder bewaffnete Täter – die Betrüger nutzen die Angst ihrer Opfer in Thüringen, um ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen. (Symbolbild)
Foto: Nicolas Armer / dpa

Thüringen. Es ist einfach unfassbar mies, was sich die Betrüger einfallen lassen, die zurzeit etliche Thüringer um ihr Vermögen bringen wollen. 120 Fälle wurden der Polizei in den vergangenen sechs Tagen gemeldet, bei denen Anrufer falsche Vorwände nutzten, um an Informationen und nicht zuletzt an das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Dabei scheuen die Täter scheinbar vor nichts zurück – nicht einmal vor den Toten.

Abzocke am Telefon: So gingen die Betrüger in Thüringen vor

Ein Sprecher der Polizei Thüringen erzählt unserer Redaktion, zu welchen Mitteln die Betrüger greifen, um ihre Opfer dazu zu bewegen, ihr Hab und Gut auszuhändigen:

  • Einem Witwer habe ein Anrufer mitgeteilt, seine Frau hätte zu Lebzeiten an Gewinnspielen teilgenommen und sich dabei horrend verschuldet. Die Schulden seiner toten Frau müsste der Rentner nun tilgen.
  • Mehrere Personen wurden per Telefon von falschen Polizisten aufgefordert, ihnen Geld auszuhändigen. Ein Einbrecher habe das Wohnhaus im Visier und es sei besser, alle Wertgegenstände den vermeintlichen Beamten zu überreichen.
  • Ein anderes Mal wurde den Betrugsopfern mitgeteilt, dass eine Diebesbande überführt werden solle und man dafür das Bargeld von den Anwohner benötige.
  • Richtig Druck übten die Fake-Polizisten auf einen Mann aus, dem sie erzählten, dass drei bewaffnete Rumänen vor seinem Haus lauerten. Die vermeintlichen Beamten stünden mit den Tätern in Kontakt und bräuchten Geld für die weiteren Verhandlungen. Er solle es im sicheren Abstand einfach über den Balkon werfen.

Abzocker vermutlich organisierte Kriminelle

120 Fälle in ganz Thüringen – 60 alleine in Erfurt. Und es scheint kein Ende in Sicht, denn die Telefon-Täter haben Erfolg: Insgesamt 100.000 Euro konnten die Abzocker so schon ergaunern. Die Polizei geht inzwischen von hochorganisierter Kriminalität aus.

Betrüger suchen alte Namen im Telefonbuch

„Sie räumen regelrecht die Regionen ab“, so der Sprecher der Thüringer Polizei. Mit Internettelefonie sei es ein Leichtes, Telefonnummern vorzutäuschen. Die Nummern ihrer Opfer wiederum suchen sie sich höchstwahrscheinlich simpel im Telefonbuch aus. Je älter der Name klingt, desto wahrscheinlicher steckt ein gutgläubiger Senior dahinter, müssen sich die Gauner denken.