Nazi-Glocken in Thüringen: Volksverhetzung versus Denkmalschutz – Jetzt soll Jena entscheiden

Im Streit um die NS-Glocken in Thüringer Kirchen ist jetzt die Generalstaatsanwaltschaft in Jena gefragt. (Archivbild einer Glocke aus Herxheim)
Im Streit um die NS-Glocken in Thüringer Kirchen ist jetzt die Generalstaatsanwaltschaft in Jena gefragt. (Archivbild einer Glocke aus Herxheim)
Foto: Uwe Anspach / dpa

Thüringen. Im Zusammenhang mit NS-Glocken in Thüringer Kirchen hat die Staatsanwaltschaft Erfurt keine Ermittlungen gegen die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) oder gegen Landesbischöfin Ilse Junkermann aufgenommen.

Streit um Nazi-Glocken in Thüringen

Es bestehe kein Anfangsverdacht wegen Volkverhetzung oder einer anderen Straftat, sagte ein Behördensprecher am Mittwoch. Gegen die Entscheidung sei aber bereits Beschwerde eingelegt worden. Deshalb sei nun die Generalstaatsanwaltschaft in Jena gefragt, so der Sprecher.

Hintergrund ist eine Strafanzeige gegen die EKM und Junkermann wegen sechs Glocken aus der Zeit des Nationalsozialismus in fünf Thüringer Kirchen. Auf den Glocken sollen etwa Hakenkreuze zu sehen sein. Die EKM hatte bereits erklärt, dass die Glocken nicht öffentlich zugänglich und nur zu hören, nicht aber zu sehen seien.

------------------------------------

Mehr Themen aus Thüringen:

------------------------------------

Nazi-Glocken: Staatsanwaltschaft sieht keine Volksverhetzung

Die Staatsanwaltschaft sehe bei den Glocken keine öffentliche Verwendung von Nazisymbolen, so der Behördensprecher. Auch werde mit dem Läuten der Glocken nicht die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft gebilligt.

Werden die NS-Glocken zerstört?

Die EKM plane im April ein Treffen mit den betroffenen Gemeinden, um über den Umgang mit den Glocken zu sprechen, sagte eine Sprecherin. Laut MDR-Berichten lehnen Denkmalschützer das Zerstören oder Abschleifen der Glocken ab. Eine Kirchenglocke mit NS-Bezug im rheinland-pfälzischen Herxheim hatte 2017 für Schlagzeilen gesorgt. (dpa)