Mietenwahnsinn in Thüringen? Erfurt und Jena vor Protest-Wochenende

Viele Menschen sehen die steigenden Mieten in Metropolen mit Sorge. Auch in Erfurt und Jena gibt es Demos gegen den "Mietenwahnsinn". (Archivfoto)
Viele Menschen sehen die steigenden Mieten in Metropolen mit Sorge. Auch in Erfurt und Jena gibt es Demos gegen den "Mietenwahnsinn". (Archivfoto)
Foto: dpa

Wohnen in Großstädten wird immer teurer – auch im Osten Deutschlands. Jetzt mobilisieren Bündnisse dort gegen "Mietenwahnsinn". Im Vergleich zu Berlin oder gar München ist das Preisniveau allerdings eher moderat. Warum gehen die Menschen dann trotzdem auf die Straße?

Thüringen. In Erfurt, Jena, Leipzig und anderen Städten im Osten wollen Einwohner am Samstag gegen Verdrängung und steigende Mieten auf die Straße gehen. Dabei sind die ostdeutschen Städte von Berliner Verhältnissen oder gar Mietpreisen wie in Köln, München oder Hamburg noch entfernt. Darin sind sich alle Akteure auf dem Wohnungsmarkt einig. Trotzdem wachsen die Sorgen.

Tausende Wohnungen fehlen in Erfurt, Jena und Weimar

In Thüringen stechen besonders die Städte Erfurt, Weimar und Jena hervor, wenn es um die Problematik bezahlbaren Wohnraums geht. "Statistiken sagen, dass in Erfurt in den nächsten zwölf Jahren 13.000 bis 14.000 Wohnungen fehlen werden. Aktuell sind wir schon bei 7000", berichtet ein Sprecher der Gruppe "Erfurt für alle". Wenn man die letzten Jahre zurückschaue, werde deutlich, dass sich die Wohnungsmarktsituation in Erfurt "dramatisch" verändert habe.

Dass es sich hierbei nicht allein um einen subjektiven Eindruck handelt, bestätigt der Wohnungsmarktbericht, den Bauministerin Birgit Keller (Linke) kürzlich vorstellte. Danach müssen bis zum Jahr 2030 in Thüringen rund 40.000 Wohnungen gebaut werden. Allein 36.100 zusätzliche Wohnungen würden in den größeren Städten, vor allem in Erfurt, Jena und Weimar und deren Umland gebraucht.

Kaum Wohnungen in Erfurt und Jena frei – Mieten steigen

Teilweise gibt es so gut wie keinen Leerstand: In Jena liegt er bei 1,8 Prozent, in Erfurt bei 3,3 Prozent. Das wirkt sich auch auf die Mieten aus: In Erfurt stiegen sie in den vergangenen zehn Jahren um 35, in Weimar um 37 Prozent. In Erfurt kostet eine Wohnung, wie sie normalerweise gesucht wird, im Schnitt 7 Euro pro Quadratmeter, in Weimar 6,99 Euro und in Jena 7,41 Euro.

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Bedarf an Sozialwohnungen in Thüringen

Gerade einkommensschwache Mieter geraten so immer mehr in Not. Laut Keller hätten rund 60 Prozent der Thüringer Haushalte mit ihrem Einkommen einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein und damit auf eine Sozialwohnung.

Aber der soziale Wohnungsbau ist seit 2009 um 57 Prozent zurückgegangen; jährlich verschwinden über 3500 Wohnungen aus der Belegungsbindung. Da will das Land gegensteuern: 50 Millionen Euro stellt Thüringen jährlich für den sozialen Wohnungsbau bereit. (dpa)

  • Demo in Erfurt: "Jahrmarkt gegen Mietenwahnsinn", Samstag, 6. April, 10 bis 13 Uhr, Fischmarkt
  • Demo in Jena: "Stadt für alle", Samstag, 6. April, 12 bis 15 Uhr, Holzmarkt