Masern-Eklat in Thüringen: Waldorfschule am Pranger – jetzt legt die Schulpost nach

Mit ihrem Statement zur Masern-Impfung gerät die freie Waldorfschule Jena in harsche Kritik. (Symbolbild)
Mit ihrem Statement zur Masern-Impfung gerät die freie Waldorfschule Jena in harsche Kritik. (Symbolbild)
Foto: Cynthia Goldsmith / dpa

Jena. Zwei Masernfälle sorgen in Thüringen derzeit für hitzige Diskussionen. Nachdem die Stadt Jena die Erkrankungen eines Schülers und eines Erwachsenen bekannt gegeben hat, sah sich die betroffene Waldorfschule offenbar gezwungen Stellung zu beziehen. Und das ging in den sozialen Medien ziemlich nach hinten los.

Am Freitag legte die Schulpost der Waldorfschule nach.

Masern an Waldorfschule in Jena: Schulpost veröffentlicht umstrittenes Statement

Mehr als 900.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland, schreibt der Autor auf der Schulhomepage. „ Sie sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Vergiftungen, Unfällen, Altersschwäche und an vielem mehr – aber einer von den 900.000 stirbt tatsächlich an Masern. – Ist deshalb eine Impfpflicht gerechtfertigt?“, fragt er die Leser.

Auf Twitter und Facebook reagierten die User mit harscher Kritik über den verharmlosenden Umgang mit der ansteckenden Infektionskrankheit.

„Bekloppter geht es nicht mehr“, „Die können die Masern ja wegtanzen“ „ Rudolf Steiner dieser Wahnsinnige. Herr lass Hirn vom Himmel regnen“, heißt es schon bereits zum ersten Statement der Waldorfschule.

Waldorfschule spricht von Masern-Hysterie: "Ein Horrorszenario jagt das nächste"

Darin sprach der Schulpost-Autor Jens-Olaf Bodemann von einer „irrationalen Hysterie“, die um Masern geschürt würde.

„Ob Masern, Ziegenpeter oder Windpocken – sie gehörten einfach zu einer gesunden Kindheit dazu, und viele Eltern erlebten im Zuge einer überstandenen Kinderkrankheit an ihren Kindern einen deutlichen Entwicklungsschub. Heute dagegen jagt ein Horrorszenario das nächste: Schweinepest, Vogelgrippe, Rinderwahnsinn, Ebola, Masern. Vor Masern hat man heute so viel Angst wie früher vor Pest und Cholera.“, so steht es in der Schulpost vom 14. Juni.

Uniklinik: "Maximale medizinische Unkenntnis"

Die Ostthüringer Zeitung sprach daraufhin mit dem Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena. Der bewerte laut OTZ die Einstellung der Waldorfschule als äußerst problematisch.

Es zeuge von einer „maximal medizinischen Unkenntnis“, Masern mit Mumps zu vergleichen, heißt es im Bericht. >> Zum Artikel der OTZ.

Der Autor der Schulpost gibt selbst an, nicht zu wissen, was richtig sei. Es gäbe bekanntlich viele Argumente die für und eben auch solche, die gegen das Impfen sprechen würden.

Schulpost-Autor plädiert für Entscheidungsfreiheit

„Ich möchte hier keineswegs für oder gegen das Impfen plädieren, sondern dazu aufrufen, sich umfassend zu informieren und sich dann bewusst und frei zu entscheiden.“ Seine eigenen Kinder seien STIKO-konform geimpft, gibt Jens-Olaf Bodemann in der neuesten Schulpost preis. Das hindere ihn jedoch nicht daran, für eine freie Impfentscheidung jedes Elternpaares einzutreten.

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Masern: Hoch ansteckend und gefährlich

Masern sind hoch ansteckend und können noch Jahre später zu potenziell tödlichen Hirnentzündungen führen.

In Deutschland wurde die Krankheit nie vollständig ausgerottet. Bislang wurden bundesweit in diesem Jahr 391 Fälle gemeldet.

Die Masern-Zahlen schwanken in Deutschland von Jahr zu Jahr stark. In der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum sind laut dem Europäischen Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) zwischen Januar 2016 und März 2019 mehr als 44.000 Fälle von Masern gemeldet worden. (aj, dpa)