Experte erklärt: So steht es wirklich um Jena und die Region

Jena gilt als Positivbeispiel für den Umbruch. Ein Experte erklärt warum.
Jena gilt als Positivbeispiel für den Umbruch. Ein Experte erklärt warum.
Foto: imago images / Christoph Worsch

Jena. Strukturwandel, ein Wort so unsexy wie Müll rausbringen. Dennoch hinken viele Regionen im Osten 30 Jahre nach dem Mauerfall wirtschaftlich dem Westen immer noch hinterher. Auch Ballungsräume im Westen haben den Strukturwandel noch nicht geschafft, wie das Ruhrgebiet.

Doch so schwarz, wie die Lage im Osten gemalt wird, ist sie tatsächlich nicht. So hebt Oliver Holtemöller (48), Forscher am Institut für Wirtschaftsforschung in Halle an der Saale, besonders Jena und sein Umland in einem Spiegel-Interview positiv hervor.

Jena liegt gar über Bundesdurchschnitt

„Vor 30 Jahren waren Einkommensniveau und Produktivität dort deutlich unterdurchschnittlich, heute liegen sie über dem Bundesschnitt“, nennt der Experte Jena als Positivbeispiel.

Er liefert auch eine Erklärung, warum die zweitgrößte Stadt in Thüringen den Umbruch geschafft hat: „In Jena war das eine Schwerpunktsetzung in der optischen Industrie, in der die Region traditionell schon stark war. Der Zeiss-Konzern hatte dort schon seinen Sitz, hinzu kam die Uni, die ebenfalls in der Optik Schwerpunkte setzt. Hinzu kommt eine seit langer Zeit in diesem Bereich spezialisierte Arbeiterschaft.“

Die gesellschaftliche Verwurzelung sei dementsprechend tief.

Die strukturschwächste Region liegt nicht im Osten

Doch warum läuft es in anderen Regionen Ost-Deutschlands nicht so rund wie in Jena? „Es ist jedenfalls nicht die Strukturschwäche. Die strukturschwächste deutsche Region ist die Südwestpfalz“, meint Holtemöller. Vielmehr fehlen im Osten regionale Zugpferde.

„Die Wirtschaftskraft vieler Landkreise ist heute wie in vergleichbaren Regionen im Westen. Bei den Städten hingegen gibt es hingegen nach wie vor große Unterschiede“, stellt der Forscher fest. „Jena beispielsweise ist zwar durchaus erfolgreich, liegt aber bei der Wirtschaftskraft je Erwerbstätigen weit hinter Koblenz, einer Stadt mit etwa gleicher Einwohnerzahl.“

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Dies liege daran, dass Firmen im Westen im Bereich der Dienstleistung stark wachsen. Im Osten hingegen sei sehr lange auf Industrie gesetzt worden. Darum werden vornehmlich ungelernte Kräfte eingesetzt.

„Im Westen hingegen finden sie mehr leitende Tätigkeiten, ein höheres Qualifikationsniveau der eingesetzten Arbeitskräfte.“ (mb)