Jena: Grüne kritisieren Geschäft wegen DIESEM Schild – Inhaberin wehrt sich: „Absolut grenzwertig!“

In Jena wird ein Traditionsgeschäft öffentlich von den Grünen angeprangert. Die Inhaberin wehrt sich.
In Jena wird ein Traditionsgeschäft öffentlich von den Grünen angeprangert. Die Inhaberin wehrt sich.
Foto: imago images / Christoph Worsch / Holger Hermann (Montage: Thüringen24)

Jena. In Jena wird aktuell ein Geschäft an den Pranger gestellt. Und von wem? Von den Grünen! Denn die Partei postete auf Instagram und Facebook ein Foto eines Ladenschildes mit pikanter Botschaft.

Am 18. August waren die Grünen in Jena unterwegs. Die Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling wollte zusammen mit anderen Partei-Mitgliedern die Stadt erkunden. Dort fiel ihnen das Schild eines Goldschmiede-Betriebs auf, das zum Diskussionsthema im Netz wurde.

Jena: „Die Grünen sollen sich um die Dinge kümmern, von den sie was verstehen“

Denn die Grünen Jena posteten ein Foto des Schildes mit dem Satz „Spuren des Kolonialismus auch bei uns in Jena“. Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, weiß, dass es dabei um die Ausbeutung und Vertreibung dunkelhäutiger Menschen zum Ende des 15. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts geht.

Auf dem Schild zu sehen ist das Wort „Mohr“ sowie ein Abbild einer Figur, wie man es bereits von der Sarotti-Schokolade kennt. Ein kleiner, dunkelhäutiger Mann mit Pumphose und Turban.

Ein Screenshot des Posts der Grünen Jena landet in mehreren Facebook-Gruppen. Die Nutzer sind geteilter Meinung. Während die einen das Unternehmen verteidigen und die Grünen scharf kritisieren, finden andere, dass das Schild weg muss.

Kommentar: „Die Grünen sollen sich um die Dinge kümmern, von den sie was verstehen. Aber sich nicht um so einen Schwachsinn. Die ganze Diskussion um Mohr oder Mohren ist absoluter Schwachsinn.“

Denn was nicht direkt ersichtlich ist: Die Familie, die seit 1948 die Goldschmiede führt, heißt mit Nachnamen Mohr.

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Auf Anfrage von Thüringen24 teilen die Grünen Jena mit: „Es geht um das zugehörige Logo, welches den Namen in einem eindeutig kolonialistischen Kontext setzt. Dargestellt ist dieser Mensch als eine Art „exotisch-orientalischer Diener“. Diese Darstellungsweise entspringt dem Kolonialismus. Eine solche Darstellung heute noch zu verwenden, kann aus unserer Sicht daher als Spur des Kolonialismus bezeichnet werden.“

Warum die Grünen das Geschäft aus Jena jedoch öffentlich an den Pranger stellen, sagen sie nicht. „Ein Familienname kann niemandem vorgeworfen werden. Die Darstellung setzt diesen Namen jedoch in einen Kontext, der aus unserer Sicht dringend hinterfragt werden sollte“, so die Grünen.

Jena: Inhaberin sauer „So ein Verhalten finde ich absolut grenzwertig!“

Inhaberin Susanne Mohr hat die Debatte bei Facebook bereits mitbekommen und sich auch selbst zu Wort gemeldet. Gegenüber Thüringen24 kritisiert sie das Verhalten der Grünen Jena scharf. „Sie hätten jederzeit zu uns in den Laden kommen und mit uns darüber sprechen können. Als die Gruppe unterwegs war, hatten wir geöffnet. So ein Verhalten finde ich absolut grenzwertig!“

Denn das Schild wurde bereits vor 30 Jahren angebracht, als das Thema Rassismus noch nicht so sehr diskutiert wurde. Die 48-Jährige führt die Goldschmiede in Jena in dritter Generation.

„Wir wollen uns mit diesem Schild auf keinen Fall als Rassismus-Betreibende darstellen – das sind wir nicht. Ich habe mich auch mit einem dunkelhäutigen Mann unterhalten. Ihn stören Schilder und Namen nicht, eher der Rassismus, der auf der Straße betrieben wird.“

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Dennoch will Susanne Mohr das Schild ändern. Öfters schon wurde sie darauf angesprochen, seit dem Aufkeimen der Rassismus-Debatte durch den Tod von George Floyd aber immer häufiger. Auch kleben Unbekannte regelmäßig Sticker auf das Schild.

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Bei einer Sache ist die Frau aus Jena sich aber sicher: „Den Namen werden wir aber auf jeden Fall beibehalten. So heißen wir nun mal.“ (ldi)