Jena: Düsteres Geheimnis unter der Erde von Kahla – hier starben Tausende Menschen

Die Kleinstadt Kahla südlich von Jena liegt friedlich da, doch unter der Erde befindet sich ein düsteres Geheimnis.
Die Kleinstadt Kahla südlich von Jena liegt friedlich da, doch unter der Erde befindet sich ein düsteres Geheimnis.
Foto: imago images/Chromorange

Jena. Die thüringische Kleinstadt Kahla im Süden von Jena ist wegen der Porzellanherstellung weit über die Stadtgrenzen heraus bekannt. Auch das Prinzen-Rolle-Werk vor Ort ist bundesweit bekannt.

Doch die Kleinstadt in Jena hat auch negative Aspekte – seit Jahren schlummert ein düsteres Vermächtnis der Nazi-Zeit unter der Erde. Denn nicht unweit von Jena befindet sich ein unterirdischer Mega-Bau, der Tausenden Menschen das Leben gekostet hat.

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Jena: NS-Führung setzte in Kleinstadt Kahla irrwitzigen Plan um

Etwa 15 Kilometer südlich von Jena liegt Kahla, eingebettet in eine beinah pittoreske Hügellandschaft.

Keine 7000 Einwohner hat die Kleinstadt nach dem Stand Dezember 2019 – und doch errang das Städtchen bundesweit an Berühmtheit. Der Spiegel bezeichnete sie als „Rückzugsort für Rechtsextremisten": Mitglieder der NPD, freier Kameradschaften und rechter Burschenschaften haben hier ein zu Hause gefunden.

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Das ist Jena:

  • zweitgrößte Stadt in Thüringen
  • die Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde bereits 1558 gegründet
  • sie ist mit mehr als 16.000 Studierenden die größte Uni Thüringens
  • seit 1236 ist Jena als Stadt urkundlich bekannt
  • weltweit bekannt durch das Zeiss-Mikroskop

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Ausgerechnet an diesem Ort, der so eine dunkle und geschichtsträchtige Vergangenheit hat. Denn Kahla gehörte in den Plänen der Nazis zu einem der Orte, an denen die drohende Niederlage des Zweiten Weltkriegs eine Kehrtwende erhalten sollte. Weil oberirdische Rüstungsbetriebe immer stärker von den Alliierten bombardiert wurden, schmiedete die NS-Führung einen irrwitzigen Plan.

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Deutschlandweit sollten unterirdische Produktionsstätten entstehen, in denen Panzer, Flugzeuge, Waffen und Munition gefertigt werden sollte – auch im Walpersberg in Kahla. Im März 1944, als der Zweite Weltkrieg bereits in vollem Gange war, fiel die Entscheidung für den rund 300 Meter hohen Berg bei Jena. Nur wenige Monate, bevor die alliierten Truppen an der Normandie anlegen, und das Kriegsgeschehen massiv verändern sollten.

Jena: „Ihr werdet arbeiten, bis ihr tot umfallt“

Warum die Nazis sich ausgerechnet für den Walpersberg entschieden hatten? Dort gab es durch die Porzellanindustrie vor Ort bereits ein vorhandenes Stollensystem. Der Plan sah vor, die Stollen massiv auszubauen und darin Flugzeuge für den Krieg zu fertigen.

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20 bis 30 Kilometer sollte das unterirdische System fassen, 1200 Messerschmitt Me 262 sollten monatlich vom Band laufen und von der Landebahn auf dem Bergrücken abheben. Die Messerschmitt war der erste in Serie gebaute Düsenjet überhaupt. Sie sollte das Blatt am Himmel für die Nazis wenden.

Innerhalb weniger Monaten ließ die NS-Regierung unter massiven Material- und Menschenverlusten das Tunnelsystem ausbauen. Etwa 2000 Menschen starben bei den Bauarbeiten, bei fast allen handelte es sich um Zwangsarbeiter. Ein belgischer Arbeiter schildert in einer „Spiegel TV“-Dokumentation die grausamen Arbeitsbedingungen: „Am ersten Tag wurden wir eingeteilt. Ein deutscher Offizier hielt eine Ansprache und sagte zu uns: 'Ihr werdet arbeiten bis ihr tot umfallt.'“

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Jena: Lebenserwartung von nur 60 bis 80 Tagen in Zwangslager

Zwölf Stunden schufteten sie am Tag, erhielten im Anschluss eine karge Mahlzeit. Die Lebenserwartung der Zwangsarbeiter betrug nur etwa 60 bis 80 Tage. Doch auch vor der eigenen Bevölkerung machten die größenwahnsinnigen NS-Kommandanten nicht halt.

Anfang Februar 1945 wurden sogar 14- bis 16-jährige Schüler nach Khala abkommandiert, um bei den Bauarbeiten zu helfen. Ein tödlicher Einsatz – der für die Nazis ohne Ertrag blieb.

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Gerade einmal um die 20 Flugzeuge wurden in dem unterirdischen Werk fertiggestellt. Bis zum Kriegsende war das geplante System etwa zur Hälfte fertig gestellt.

>> Der Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg, der auch das Gelände besitzt und ein Dokumentationszentrum aufgebaut hat, arbeitet seit 2005 die Historie des ehemaligen NS-Rüstungswerks auf. Hier gelangst du zur Homepage des Fördervereins.

>> Einen Blick auf die Leidensgeschichten der Zwangsarbeiter wirft der Förderverein Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg mit Sitz in Kahla. Hier kannst du dich informieren. (dav)