Jena: Wilde Aufrufe kursieren! Karnevalisten distanzieren sich – „Würden bei einer solchen Aktion niemals mitmachen“

Auch in der Wagnergasse in Jena steht das Leben still. Und das soll auch erstmal so bleiben, finden Stadt und Karnevalisten.
Auch in der Wagnergasse in Jena steht das Leben still. Und das soll auch erstmal so bleiben, finden Stadt und Karnevalisten.
Foto: IMAGO / Christoph Worsch

Jena. Bereits seit einigen Tagen kursieren in sozialen Medien Bilder mit der Aufschrift „#wirmachenauf“. In Facebook-Kommentarspalten und geschlossenen Gruppen rufen User dazu auf, am kommenden Samstag die Geschäfte wieder zu öffnen.

Zusätzlich, so der Aufruf, sollen an Rosenmontag vor Rathäusern der Schlüssel eingefordert werden und kostümierte Spaziergänge stattfinden.

Das wären gleich mehrere eindeutige Verstöße gegen die Allgemeinverfügung. Die Stadt Jena hat sich zu derartigen Vorhaben eindeutig positioniert.

Jena rät von „wirmachenauf“ ab – harte Strafen drohen

Die Stadt Jena will jeglichen Shoppingwahn und jeckes Treiben vorab unterbinden. „Alle Verstöße gegen die Corona-Bestimmungen werden verfolgt und zur Anzeige gebracht“, teilt die Stadt Jena mit.

Es droht Gewerbetreibenden laut dem „Thüringer Bußgeldkatalog Coronavirus“ ein Bußgeld von 2.500 Euro. Verweigert der Ladenbetreiber die Schließung, steigt das Bußgeld auf 3.000 Euro. Sollte sich jemand im geöffneten Laden nachweislich mit dem Coronavirus infizieren, ist sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren denkbar.

Die Stadt betont: Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Demonstrationsfreiheit werde geachtet. Sollten jedoch Verstöße gegen die Corona-Bestimmung folgen, drohe eine Anzeige. Man sei sich der Härte der Maßnahmen bewusst, eine unsolidarische Übertretung von Rechtsvorschriften werde aber nicht geduldet.

Jenas Citymanager mahnt: „Andere Ansätze führen in Sackgassen!“

Jenas Citymanager Hannes Wolf kann den Frust vieler Bürger nachvollziehen. Er ist sich aber sicher: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Jenaer Gewerbetreibende an 'wirmachenauf' beteiligen. Diese Form des Protests passt nicht zum Wesen seriöser UnternehmerInnen, welche nicht nur Verantwortung gegenüber sich selbst und ihren MitarbeiterInnen, sondern auch gegenüber der Gesellschaft tragen.“

Er erinnert daran, dass jedem Unternehmen der Rechtsweg offen stehe, gegen die Maßnahmen zu klagen. Wolfs deutliche Ansage: „Andere Ansätze führen in Sackgassen!“

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Auch Ronny Geitner vom Jenaer Karnevalsgala-Verein verweist darauf, dass die Karnevalisten den Rathaus-Schlüssel bereits haben und fügt hinzu: „Zweitens würden wir Karnevalisten bei einer solchen Aktion niemals mitmachen.“

>> Mehr zur aktuellen Corona-Situation in Thüringen liest du hier!

Bereits zweiter Aufruf zu „wirmachenauf“

Bereits im Januar hatte die Protestbewegung angekündigt, dass Geschäfte wieder aufmachen sollen. In Thüringen sagten einige Unternehmer ihre Unterstützung zwar zu. Die Polizei stellte aber keine Verstöße fest. (mb)