Jena: Uni widmet sich Holocaust-Überlebenden – „viel sichtbarer, erkennbarer, hörbarer traumatisiert“

Die Universität in Jena widmet sich den Holocaust-Überlebenden. (Archivbild)
Die Universität in Jena widmet sich den Holocaust-Überlebenden. (Archivbild)
Foto: IMAGO / ZUMA Press

Jena. In einer Zeit, in der rechte Parteien im Aufschwung sind und auf der anderen Seite immer mehr Zeitzeugen aus dem zweiten Weltkrieg sterben, hat sich die Universität in Jena einem besonderen Projekt gewidmet.

Die Forscher in Jena wenden sich Material aus der Nachkriegszeit zu, das nichts für schwache Nerven ist.

Uni in Jena widmet sich Holocaust-Überlebenden

Vor über 70 Jahren endete mit der Kapitulation Deutschlands der Zweite Weltkrieg. Neben den zahlreichen Kriegsverbrechen stehen vor allem die Gräueltaten in den Konzentrationslagern im Mittelpunkt der Vermittlungsarbeit heutzutage. Bisher konnten Zeitzeugen und Überlebende der Lager von ihren Erfahrungen berichten und sensibilisieren. Allerdings gibt es immer weniger Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, da sie altersbedingt sterben.

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Daher hat die Universität in Jena ein neues Projekt gestartet, um gegen das Vergessen zu arbeiten. Die Forscher stützen sich bei ihrer Arbeit auf das Datenmaterial des Psychologen David P. Boder. Boder führte kurz nach dem Kriegsende zahlreiche Interviews mit teils sehr jungen Holocaustüberlebenden. Boders Aufnahmen sind die weltweit erste Sammlung von Audio-Interviews mit Überlebenden der Shoah. Die jungen Menschen im Alter von 13-17 erzählten dem Wissenschaftler von der schrecklichen Zeit.

Projekt soll Erinnerungskultur bewahren

„Sie sind noch sehr viel sichtbarer, erkennbarer, hörbarer traumatisiert. Und ein Effekt dieser Traumatisierung ist gewissermaßen, dass man das Schreckliche an der zu erzählenden Geschichte abspaltet und sich das emotional gewissermaßen gar nicht artikuliert, weil dafür noch gar keine angemessene Sprache gefunden ist“, hielt Boder damals fest.

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Laut „mdr“ haben die Mitarbeiter der Uni in Jena die Interviewausschnitte zu einem Blog zusammengefügt. Das Projekt "Voices of the Holocaust" soll somit auch in Deutschland größere Bedeutung erlangen. Die Forscher erhoffen sich die Geschichten auch an Schulen zu thematisieren und somit die Erinnerungskultur aufrecht zuhalten. (neb)