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Hochwasser-Katastrophe stürzt Saarland ins Chaos ++ Frau stirbt nach Rettungseinsatz

Regenmassen haben das Saarland ins Hochwasser-Chaos gestürzt. Evakuierungen waren nötig. Eine Frau musste ihr Leben lassen.

© IMAGO/Bernd März

Sirenenwarnsystem: Das bedeuten die unterschiedlichen Signale

Nach den jüngsten Hochwasserkatastrophen fordern mehrere Landkreise, neue Signale für das Sirenenwarnsystem einzuführen. Doch was bedeuten die bereits bestehenden Signale eigentlich?

Gewaltige Niederschläge haben am Freitag (17. Mai) zu einer Hochwasser-Katastrophe im Saarland sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz geführt. Jahrhundert-Überflutungen und Erdrutsche zwangen Hunderte Menschen, ihre Wohnungen zu verlassen. Rettungskräfte mussten Seniorenheime evakuieren, teilweise blieben aber auch Feuerwehrautos in den Fluten stecken.

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Vom Hochwasser besonders betroffen sind die Gebiete um die Landeshauptstadt Saarbrücken sowie die Orte im südöstlichen Teil des Saarlandes. Zwar ließ am Abend der Regen nach, doch wurden bis weit in die Nacht zum Samstag hinein rasant steigende Pegel der Flüsse erwartet.

Noch am Sonntag (19. Mai) waren die Einsatzkräfte mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Nachdem an den beiden vorherigen Tagen weder Schwerverletzte noch Todesopfer bekannt wurden, ging am Abend die traurige Nachricht um: Eine 67-Jährige überlebte das Hochwasser nicht.

Hochwasser reißt im Saarland Autos, Mülltonnen, Wohnwagen mit

Erst vor wenigen Wochen, Anfang Mai, war Baden-Württemberg von einem Unwetter mit dramatischen Hochwasser-Folgen heimgesucht worden (>>> hier die Details). Jetzt traf es das Saarland. Das Innenministerium sprach am Freitagabend von einer „flächigen Hochwasserlage“. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) maß stellenweise mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in weniger als 24 Stunden. Die Situation war insbesondere in den Städten Saarbrücken, Eppelborn, Neunkirchen, St. Wendel, Saarlouis und Merzig extrem angespannt. Nicht nur die Saar, sondern auch kleinere Flüsse wie die Blies verwandelten sich innerhalb von Minuten in reißende Ströme. Autos, Mülltonnen, Wohnwagen und vieles mehr wurden ein Raub der Wassermassen. Hunderte Keller liefen voll.

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„Ich kenne die Brücken schon mein Leben lang, auch mit Hochwasser. Aber in so kurzer Zeit so viel, das kenn ich nicht“, schrieb auf „X“ (vormals Twitter) eine Frau aus Siersburg. Sie kommentierte ein Video, das den gewaltig angeschwollenen Fluss Nied zeigt, in dem ein Wohnwagen gegen eine Brücke treibt.

Anwohner hofften: „So schlimm wird’s schon nicht kommen“

Ein anderer X-Nutzer teilte ein Video aus Rußhütte. Es zeigt ein Feuerwehr-Auto, das in den Fluten steckengeblieben ist. In der dazugehörigen Diskussion berichtet der Betroffene, dass die Behörden – anders als 2021 im Ahrtal – über Smartphone-Apps und andere Kanäle vor der Hochwasser-Gefahr gewarnt hätten. Aber die meisten Menschen hätten ein solches Ausmaß nicht erwartet und daher auch nur in begrenztem Umfang Schutzmaßnahmen getroffen. Der Gedanke sei gewesen: „So schlimm wird’s schon nicht kommen.“

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Doch es kam schlimm. In Waldfischbach-Burgalben musste eilig ein Jugendzeltlager evakuiert werden. Rettungskräfte brachten knapp 100 Jugendliche in Sicherheit. In zahlreichen Städten riefen die Behörden die Menschen auf, die Nacht in höheren Stockwerken zu verbringen. Für den Fall der Fälle wurden vielerorts Vorbereitungen für Massen-Evakuierungen getroffen. Mehrere Altenheime, unter anderem in Marpingen und Saarburg, wurden geräumt und die Senioren in Notunterkünfte verlegt. In Zweibrücken flutete der Schwarzbach den Keller eines Klinikums. In Quierschied brach gegen 19.15 Uhr ein Damm. Wasser strömte in ein Steinkohlekraftwerk der STEAG. Es wurde eilig heruntergefahren, wodurch in der Stadt die Fernwärme ausfiel.

Bundeskanzler Olaf Scholz kommt ins Saarland

In Ottweiler hielt eine Schleuse dem Druck der Blies nicht mehr Stand. Sie musste geöffnet werden, die Wassermassen fluten nun die Altstadt. Die Landesregierung stellte Zehntausende Sandsäcke zur Verfügung, zog außerdem in Erwägung, benachbarte Bundesländer um Unterstützung zu bitten.

Am Samstag machte sich Olaf Scholz ein Bild von der Katastrophen-Lage. Der Bundeskanzler zeigte sich bei dem Besuch beeindruckt davon, „welche Gewalt die Natur hat“. Er lobte die gute Zusammenarbeit der Einsatzkräfte und auch zahlreicher ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer: „Auf so etwas werden wir immer wieder angewiesen sein.

Die Katastrophe sei „ein Aufruf zur Solidarität und das wird auch so sein“, sagte Scholz bei einem Besuch im saarländischen Kleinblittersdorf. Aktuell stehe die akute Hochwasserhilfe im Vordergrund, danach werde es weiter „darum gehen, dass man verabredet, was man tun kann“. Hier könnten sich „alle darauf verlassen, dass das im besten Sinne geschieht“. „Wir haben da eine gute Praxis der Solidarität.“


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Auch Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger sicherte Bürgerinnen und Bürgern Unterstützung zu, „Das Saarland befindet sich seit rund 36 Stunden im Ausnahmezustand“, sagte Rehlinger Samstagmittag in Kleinblittersdorf. „Es soll niemand im Regen stehen bei dieser schwierigen Lage“, so die Ministerpräsidentin.

Tausende Einsatzkräfte von Feuerwehren, Rettungsdiensten, Polizei und Technischem Hilfswerk waren die ganze Nacht bis zur Erschöpfung im Dauereinsatz. Sie setzten teilweise ihr eigenes Wohl aufs Spiel, um mit Booten und zu Fuß im Wasser eingeschlossene Menschen aus Häusern und Autos zu befreien. In Quierschied trug ein Feuerwehrmann, der selbst fast bis zur Hüfte im Wasserstand, ein Kind auf den Armen zum Feuerwehr-Fahrzeug.

Hochwasser-Katastrophe im Saarland: Ein Feuerwehrmann rettet in Quierschied ein Kind auf seinen Armen aus den Fluten. Foto: IMAGO/Bernd März

Nicht nur im Saarland, sondern auch in Rheinland-Pfalz hinterließ die Hochwasser-Katastrophe Spuren. In der Ortsgemeinde Schoden im Kreis Trier-Saarburg mussten Hunderte Menschen ihre Häuser verlassen. Der Deutsche Wetterdienst hob am frühen Samstagmorgen seine Unwetterwarnungen auf. Gleichwohl sei aber weiterhin mit heftigen Regenfällen und Gewitterschauern zu rechnen, hieß es.

Hochwasser im Saarland: Frau stirbt nach Rettungseinsatz

Am Samstagabend war die Lage nach dem tatkräftigen Einsatz von über 1000 Beteiligten unter Kontrolle, die Aufräumarbeiten begannen. Behörden und kommunalen Dienststellen werden ihre Arbeiten den Angaben zufolge in den nächsten Tagen fortführen, um die durch das Hochwasser entstandenen Schäden abzuarbeiten. In den betroffenen Bereichen müsse auch in den kommenden Tagen und Wochen mit Einschränkungen gerechnet werden.

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Am Sonntagabend wurde noch eine weitere, traurige Folge publik. Eine 67-jährige Frau war bei einem Rettungseinsatz wegen des Hochwassers verletzt worden und starb später an den Verletzungen. Das teilte die Stadt Saarbrücken mit. (mit dpa)