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Diese Zuwanderung wünschen sich die Deutschen: „Überschneidungen bei Grünen und AfD“

Kaum ein Thema spaltet die Deutschen so sehr wie Zuwanderung. Eine Studie zeigt nun, dass die Deutschen dennoch kompromissbereit sind.

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Bund und Länder verschärfen Asylpolitik

Bund und Länder haben sich auf ein neues System zur Finanzierung und Steuerung der Asylpolitik geeinigt. Demnach zahlt der Bund den Ländern künftig 7500 Euro pro Jahr und Flüchtling. Außerdem sollen die Leistungen für Asylsuchende gekürzt werden.

Die Zuwanderungspolitik ist eines der meist diskutierten Themen in Deutschland. Bei keinem Thema scheinen die Deutschen so gespalten zu sein. Eine brandaktuelle Studie der Universität Mannheim offenbart nun ein überraschendes Bild der Einstellung der Deutschen zur Migrationspolitik. Trotz der Spaltung der Gesellschaft zeigt eine neue Studie, dass die Deutschen über das politische Spektrum hinweg beim Thema Zuwanderung kompromissbereit sind.

Der Migrationsexperte Marc Helbling von der Universität Mannheim hat die Studie geleitet und fand dabei sogar heraus, dass es Überschneidungen zwischen den Anhängern der Grünen und der AfD gibt!

Kompromissbereitschaft bei Migrationspolitik

Die wohl wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist für Helbling, dass sowohl Befürworter als auch Gegner von Migration kompromissbereit sind. Im Gespräch mit „Welt“ betont der Migrationsforscher, dass es eine deutliche Polarisierung gebe, bei der sich einige Bürger mehr Migration und Vielfalt wünschen, während andere genau das Gegenteil wollen. Seine Forschungsergebnisse deuten aber darauf hin, dass beide Seiten bereit seien, einen Mittelweg zu gehen.

So würden Personen des rechten politischen Spektrums eine Begrenzung der Zuwanderung befürworten, könnten sich aber mehr Zuwanderung vorstellen, „wenn diese besser kontrolliert würden.“ Umgekehrt hätten Personen aus dem linken Spektrum grundsätzlich kein Problem mit mehr Migration. Sie könnten sich aber eine Begrenzung vorstellen, „wenn Migranten im Gegenzug mehr Rechte bekommen,“ so Helbing.

Stärkere Kontrolle und mehr Rechte

Demnach würde eine Politik, die Zuwanderung stärker kontrolliert und gleichzeitig Migranten rechtlich besser stellt, auf breite Zustimmung stoßen. So sollte seiner Meinung nach auch die Politik ausgerichtet werden. „Das Gefühl, Migration kontrollieren zu können, ist für viele sehr wichtig“, erklärt er. Sowohl die Grenzkontrollen als auch die Auswahl der einreisenden Personen seien Schlüsselelemente dieser Kompromisslösung.

Ein weiteres heiß diskutiertes Thema ist die doppelte Staatsbürgerschaft – diese sei von den Deutschen eher kritisch gesehen, obwohl „der Effekt eher klein“ sei, so Helbing.

Wichtiger sei viel mehr die Frage, wer überhaupt eingebürgert werden darf. Dennoch habe er in beiden politischen Lagern Unterstützung für den Entzug der Staatsbürgerschaft in Fällen von schwerer Kriminalität gefunden.

Überschneidungen bei AfD und Grünen

Interessanterweise zeigt die Studie auch, dass es ähnliche Einstellungen zu den Einbürgerungskriterien gibt – und zwar sogar bei den Anhängern der AfD und der Grünen! Diese Schnittmengen sind laut Helbing vor allem bei den konkreten Kriterien von Zuwanderung zu finden. So erklärt er: „Die Allermeisten wünschen sich zum Beispiel, dass Einbürgerungsbewerber einen Integrationskurs erfolgreich besucht haben.“



Kluft in der Gesellschaft

Entsprechend optimistisch schaut Helbing in die Zukunft. Er spricht sich für einen Ansatz aus, der über Ideologie hinweg Pakete schnürt, die „nicht nur dem einen Lager etwas anzubieten, sondern auch dem anderen.“

Auf diese Weise, so Helbing, könne die Kluft in der Gesellschaft überbrückt und die Zuwanderungspolitik weniger zum Streit-Thema gemacht werden.