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Klimakrise: Plötzlich ganz andere Prognose für Europa – neue Eiszeit droht

Neue niederländische Studie zeigt eiskalte Folgen der Klimakrise – Europa ist auf dem besten Weg in eine neue Eiszeit.

© Rene Traut/Bern Friedel

COP28-Präsident, Minister und Öl-Konzernchef: Sultan Ahmed al-Dschaber

Sultan Ahmed al-Dschaber ist ab Donnerstag Präsident der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai. Auch darüber hinaus hat er viele einflussreiche Posten inne: Er ist Klimagesandter der Vereinigten Arabischen Emirate, Industrie- und Technologieminister seines Landes und Chef des staatlichen Ölkonzerns Adnoc. Viele fragen sich, ob ein Vertreter der fossilen Industrie bei den Verhandlungen die dringend notwendigen Beschlüsse zur Eindämmung der sich verschärfenden Klimakrise herbeiführen kann.

Den Ermittlungen von Forschenden aus den Niederlanden zufolge könnte die Klimakrise ganz andere Konsequenzen haben als eine erhöhte Temperatur – im Gegenteil. Eine kleine Eiszeit könnte über Europa hereinbrechen. Grund dafür, so denken die Forscher, ist der Zusammenbruch einer gewissen Meeresströmung, wie sie der Zeitschrift „Science Advances“ berichteten.

Diese Meeresströmung, genauer gesagt die Atlantische Meridionale Umwälzströmung, kurz AMOC, ist wichtig für das europäische Klima. Die AMOC transportiert warmes Oberflächenwasser aus den Tropen in die nördlichen Breiten, insbesondere bis zum Nordatlantik. Dadurch trägt sie Regulierung der Temperaturen.

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Strömung weg, was nun?

Laut der Studie der niederländischen Forscher könnte diese natürliche Klimaanlage allerdings bald außer Gefecht gesetzt werden. Das geschieht durch die Klimakrise: Diese ist verantwortlich dafür, dass das Eis in den nördlichen Regionen der Welt schmilzt. Das ist nicht nur schlecht für die Lebewesen dort, sondern setzt auch eine Menge an Süßwasser frei. Dieses zusätzliche Süßwasser stört das Verhältnis von Temperatur und Salz im Ozean.

Das führt zu einer Verlangsamung der AMOC und könnte letztendlich auch zu ihrem Zusammenbruch führen. Funktioniere diese Strömung, die die Wärme nach Europa transportiert, nicht mehr, würde es hier massiv abkühlen. Bis zu 30 °C kälter könnte es dann auch in Deutschland werden, so die Forscher. Dies hätte eine kleine Eiszeit zur Folge.

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Unsere Redaktion fragt Klimawissenschaftler Torsten Kanzow nach seiner Einschätzung der Studie seiner niederländischen Kollegen. Er leitet die Sektion physikalische Ozeanografie der Polarmeere am Helmholtz-Zentrum. Kanzow gibt zu bedenken, dass es in der wissenschaftlichen Literatur keinen Konsens darüber gäbe, ob sich die AMOC tatsächlich langfristig abgeschwächt hätten. „Dies ist Gegenstand der derzeitigen wissenschaftlichen Debatte.“

Die Klimakrise muss verlangsamt werden

„Ein Versiegen der AMOC hätte insbesondere im Winter eine große Abkühlung im europäischen Nordmeer, also beispielsweise entlang der norwegischen Küste zur Folge, mit der drastischen Konsequenz, dass die dortigen Häfen nicht mehr ganzjährig eisfrei wäre“, erklärt Kanzow. Allerdings berücksichtige die Studie nicht die allgemeine, durch Treibhausgase hervorgerufene Erwärmung, die diese regionale Abkühlung abschwächen würde, erklärt Kanzow.



Seiner Einschätzung nach, sei es unklar, ob in den nächsten Jahren ein Kipppunkt der AMOC bevorstehe. „Insgesamt herrscht jedoch Konsens dahingehend, dass die AMOC sich in Folge von globaler Erwärmung und erhöhtem Eintrag von Schmelzwasser des grönländischen Eisschildes in den Ozean langfristig abschwächen wird. Ob dies eher graduell oder abrupt durch Erreichung eines Kipppunktes geschehen wird, ist nicht geklärt. Um solch eine Entwicklung aufzuhalten, wäre es daher wichtig, den menschengemachten Klimawandel zu stoppen.“