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Großbritannien-Wahl eigentlich „ein Rechtsruck“? Wie man die Zahlen auch lesen kann

Der Erdrutschsieg für die Labour-Party bei der Wahl in Großbritannien ist perfekt. Der Newsblog mit allen Neuigkeiten:

König Charles ernennt den neuen Premierminister Starmer
© Jane Barlow/PA Wire/dpa, IMAGO / Klaus W. Schmidt, IMAGO / Cover-Images

Wahlen in Großbritannien: So entsteht das neue Parlament

Großbritannien wählt eine neue Regierung. So funktioniert die Wahl.

Das Wahl-Debakel für Rishi Sunak und seine Tories ist perfekt. Die Labour-Party sichert sich mit Abstand die meisten Sitze im Unterhaus. Es wird ein Erdrutschsieg! Experten sprechen von der größten Wahl-Katastrophe einer Regierungspartei seit Dekaden. Doch eigentlich gibt es noch einen zweiten Wahlsieger: Die Rechtspopulisten von Reform UK.

In diesem Newsblog halten wir dich über die Entwicklungen, Ergebnisse und Reaktionen aus Großbritannien auf dem Laufenden.

Aktuelle Zwischenstand zur Wahl in Großbritannien:

ParteiMandate im Unterhaus
Labour412
Conservative120
Liberal Democrats71
SNP9
Andere28
Quelle: BBC (noch drei Plätze offen)

Newsblog zur Großbritannien-Wahl 2024

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Freitag, 5. Juli

10.55 Uhr: Es ist ein klarer Labour-Sieg, die Sozialdemokraten verdoppelten ihre Zahl an Sitzen im Unterhaus. Doch das liegt vor allem am Mehrheitswahlrecht. Nur der Gewinner eines Wahlkreises zieht ins Parlament. Der Politik-Professor Peter R. Neumann, der am King’s College London lehrt, hat daher eine andere Deutung des Großbritannien-Wahl.

Auf X schreibt er, dass es eigentlich ein „Rechtsruck“ war. Das sei die „unangenehme Wahrheit“ über die Wahl. Labour habe prozentual vom Zusammenbruch der konservativen Tories nur minimal profitiert. Stattdessen hat die rechtspopulistische Partei Reform UK zweistellig zugelegt. Bisher konservative Wähler sind also anscheinend in Scharen zur Rechtsaußen-Partei abgewandert. Allerdings: Nicht nur Labour profitierte leicht, auch die Grünen konnten ihr Ergebnis deutlich verbessern.

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Neumann kann jedenfalls, anders als beim Wahlsieg 1999 von Tony Blair, keine Aufbruchsstimmung ausmachen. Er schreibt, dass der Rechtspopulist Farage Recht habe, dass dies vor allem eine Wahl gegen die Tories war „und auch die neue Regierung schnell unpopulär sein werde, weil kein Geld da ist und viele Probleme nicht so schnell lösbar sind wie sich die Leute das erhoffen“. Darum sollte Wahlsieger Starmer „den Tag heute genießen“, so Neumanns Ratschlag.

Der Wahlforscher Thorsten Faas weist in einem Beitrag auf X zudem darauf hin, dass die Gesamtzahl der Stimmen von Labour sogar unter dem Niveau von 2019 liegt – und weit entfernt vom Blair-Triumph 1997.

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Nach Großbritannien-Wahl: König Charles wird Starmer zum Premierminister ernennen

6.05 Uhr: Es wird damit gerechnet, dass König Charles III. noch im Laufe des Freitags Labour-Chef Keir Starmer offiziell mit der Bildung einer Regierung beauftragen wird. Zuvor wird erwartet, dass Rishi Sunak am Vormittag zum Buckingham Palace fährt, um beim König um seine Entlassung zu bitten.

5.50 Uhr: Nach aktuellen Auszählungsstand kommt die Labour Party laut BBC auf 314 Sitze. Noch sind 204 Mandate zu vergeben, aber die Sozialdemokraten sind der Mehrheit von 326 Sitzen im Parlament bereits ganz nah. Der bisherige Premierminister Rishi Sunak hat mittlerweile seine Niederlage eingestanden. Er habe Labour-Chef Keir Starmer angerufen, um ihm zu gratulieren zum Wahlsieg.

Hamas-Sympathisant und der Brexit-Vordermann ziehen ins Parlament ein

5.45 Uhr: Der frühere Chef der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat bei der Wahl zum britischen Unterhaus sein Mandat verteidigt. Dabei war er nach seinem Rauswurf aus der Labour-Fraktion wegen Antisemitismusvorwürfen als unabhängiger Kandidat angetreten. Corbyn enttäuschte viele gemäßigte Labour-Anhänger mit seiner gleichgültigen Haltung zum EU-Austritt. Später geriet er immer stärker in die Kritik, weil ihm vorgeworfen wurde, nicht energisch genug gegen antisemitische Tendenzen in seiner Partei vorzugehen. Auch ihm selbst wurde Antisemitismus vorgeworfen, beispielsweise, weil er radikale islamistische Organisationen wie die Hamas und Hisbollah als „Freunde“ bezeichnet hatte. Später entschuldigte er sich dafür.

5.30 Uhr: Der Brexit-Verfechter Nigel Farage ist bei seinem achten Versuch ins britische Parlament gewählt worden. Er gewann am Freitag einen Sitz für seine einwanderungsfeindliche Partei Reform UK. Sein Plan sei es, im Laufe der kommenden Jahre eine nationale Massenbewegung aufzubauen, sagte Farage in einer Rede. Zwar war Farage mit seinen vorherigen Versuchen, Abgeordneter im britischen Parlament zu werden, gescheitert. Er saß jedoch bereits für die Brexit-Partei Ukip, die Vorläuferpartei von Reform UK, im EU-Parlament in Brüssel.

Donnerstag, 4. Juli

23.59 Uhr: Zwei weitere Gewinner des Abends sind Reform UK und die Liberal Democrats. Die Rechtspopulisten um Parteichef Nigel Farage sichern sich laut der ersten Prognose 13 Sitze im Unterhaus. Schon jetzt steht fest, dass sie mit ihrer anti-Migrations-Politik Millionen Wähler überzeugen konnte. Die Liberal Democrats gewinnen derweil 53 Sitze im Unterhaus dazu und könnten zur zweitstärksten Oppositionspartei werden.

23.52 Uhr: Ein Blick in die Geschichtsbücher belegt die Katastrophe für die Tories. Das historisch schlechteste Ergebnis fuhr im Jahr 1906 der damalige Parteichef Arthur Balfour mit 156 Sitzen ein. Das schlechteste Resultat der jüngeren Geschichte stammt aus dem Jahr 1997. Unter John Major reichte es lediglich zu 165 Sitzen. Rishi Sunak droht somit der Negativ-Rekord!

23.42 Uhr: Für Noch-Premierminister Rishi Sunak könnte es doppelt fatal kommen: Er hat die Tories nicht nur in eine politische Sackgasse geführt, sondern könnte jetzt auch noch seinen eigenen Wahlkreis in Richmond verlieren. Einige Prognosen sagen auch hier eine Mehrheit der Sozialdemokraten voraus.

23.35 Uhr: Auch wenn das finale Ergebnis noch nicht fest steht, Labour-Chef Keir Starmer wird am Freitag (05. Juli) in die legendäre Downing Street No. 10 einziehen. Auf X bedankt er sich bei allen Beteiligten, die den Wahlkampf in den letzten Wochen derart erfolgreich gestaltet haben.

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23.20 Uhr: Ed Conway, Wahl-Analyst, spricht bei Sky News von einem in „dieser Stärke noch nie vorhanden Wahlniedergang einer Regierungspartei“. Gemessen an dem Stimmverlust sei es das „schlimmste Resultat in der Historie der Tories“. Die Wahl sei ein Beleg für die Anti-Regierungshaltung.

23.08 Uhr: Sollten sich die 410 Sitze für die Labour-Party am Freitag bestätigen, könnten sie die absolute Mehrheit stellen! Hierfür sind 326 Sitze vonnöten.

23.00 Uhr: Die erste Hochrechnung ist da! Das mega-Debakel für Premierminister Sunak und seine Tories ist perfekt. Demnach sichert sich die Labour-Party 410 Sitze im künftigen Unterhaus, die konservative Partei kommt auf 131 Sitze.

22.53 Uhr: Abseits der politischen Entscheidungen gibt es ein Prestige-Duell zwischen den Wahlkreisen. Traditionellerweise gibt es ein erbittertes Duell darum, welcher Kreis seine Stimmen am schnellsten auszählen kann. Favorit auf den „Titel“ sind in diesem Jahr die Städte Sunderland und Newcastle.

22.42 Uhr: In 18 Minuten schließen die Wahllokale. Die oppositionelle Labour-Partei steht unmittelbar vor einem Erdrutschsieg! Sogar das Rekord-Ergebnis aus dem Jahr 1997 unter Tony Blair (43,8 Prozent) ist in Reichweite.

22.17 Uhr: Wie der „Guardian“ berichtet, könnte die Wahl in Großbritannien die Diskussionen um die Unabhängigkeit Schottlands anheizen. Die Schottische Nationalpartei (SNP) spricht sich für eine Loslösung von Großbritannien aus, Parteichef  John Swinney fordert eine Rückkehr in die EU. Sofern man im eigenen Land jedoch weniger Stimmen als die Labour-Partei erhalten sollte, dürfte das Thema erst einmal vom Tisch sein. Das Blatt berichtete von einem hohen Wählerwechsel weg von der SNP und hin zu Labour.

22.00 Uhr: Die britischen Hochrechnungen, welche nach 23 Uhr erwartet werden, gelten als sehr zuverlässig. Hierfür werden an 130 Wahllokalen zweite Stimmzettel im Anschluss an die richtige Wahl (sog. Nachwahlbefragung) ausgefüllt. Finanziert wird dieses Modell von den Rundfunksendern BBC, ITV und Sky. Diese dürfen die Ergebnisse im Anschluss ausstrahlen.

21.44 Uhr: Die Kommunalwahlen im Frühjahr, bei denen Sunak bereits einen herben Rückschlag verkraften musste, entpuppten sich als Höhepunkt der Politikverdrossenheit. Die Wahlbeteiligung lag nur bei knapp 30 Prozent. Bei der letzten Unterhauswahl 2019 lag die Beteiligung bei 67 Prozent. Peter Stanyon, Geschäftsführer der Association of Electoral Administrators, rechnet am heutigen Abend mit einer ähnlichen Teilnahmequote.

21.30 Uhr. Die Wahllokale schließen um 22 Uhr Ortszeit (23 Uhr deutscher Zeit). Im Anschluss werden erste Prognosen veröffentlicht, diese dürften gegen 23.30 Uhr deutscher Zeit aussagekräftig sein. Mit einem offiziellen Ergebnis ist im Laufe des Freitags (05. Juli) zu rechnen.

21.07 Uhr: Seit der Labour-Niederlage unter Gordon Brown im Mai 2010 sind die Tories ununterbrochen an der Macht. Doch in knapp zwei Stunden dürfte sich dies ändern. Bei den regulären Unterhauswahlen 2010 und 2015 konnten die Tories ihre Mehrheit im Unterhaus verteidigen. Auch im Anschluss an das Brexit-Referendum und die außerplanmäßigen Neuwahlen im Juni 2017 sowie im Dezember 2019 blieben sie an der Macht. Heute sind insgesamt sind 46,6 Millionen Bürger zum Gang an die Wahlurne berechtigt. Knapp 84,2 Prozent von ihnen leben in England, circa 8,6 Prozent in Schottland und 5 Prozent in Wales. Nordirland stellt mit 1,3 Millionen Menschen die kleinste Wählerschaft.

20.44 Uhr: Ein Blick auf die Stimmenverluste binnen der letzten fünf Jahre verrät, dass die konservativen Tories zahlreiche Wähler an die rechtspopulistische Partei Reform UK verloren haben dürfte. Während die Tories bei der Abstimmung im Jahr 2019 noch 44,7 Prozent der Stimmen ergattern konnten, entpuppte sich die Wahl für die Reformer mit 2,1 Prozent als Fiasko. Glaubt man den letzten Umfragen, darf sich Parteichef Nigel Farage in diesem Jahr über 16,4 Prozent freuen (+ 14,3 Prozent). Im gleichen Zeitraum gehen Rishi Sunak 22,9 Prozent seiner Wähler verloren. Ein zentrales Argument für den Wechsel hin zu den Hardlinern dürfte die missglückte Migrationspolitik sein.

20.10 Uhr: In knapp drei Stunden schließen die Wahllokale. Auf den letzten Metern versucht Premierminister Sunak in die Offensive zu gehen – verzweifelt! Auf X behauptet er, dass die Labour-Party flächendeckende Steuererhöhungen planen würde. Er schreibt: „Wenn Labour einen Blankoscheck bekommt, werden sie ihre Supermehrheit nutzen, um Sie für den Rest Ihres Lebens stärker zu besteuern.“ Ein Blick in das Wahlprogramm der Sozialdemokraten verrät jedoch, dass eine solche Erhöhung nicht geplant ist. Keir Starmer hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Experten beurteilen Sunaks Worte als verzweifeltes taktisches Kalkül. Eine „Supermehrheit“ gibt es im Unterhaus übrigens nicht. Es spielt keine Rolle, ob die Mehrheit 20 Sitze oder 200 Sitze beträgt.

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19.38 Uhr: Ein Blick auf den aktuellen Zustand Großbritanniens verrät, warum Rishi Sunak und seinen Tories ein großer Rückschlag droht:

  • Die Wirtschaft steckt seit dem Brexit in einer Krise. Seit der Corona-Pandemie ist sie sogar die zweitschwächste unter den G7-Staaten. „Auch wenn die Arbeitslosigkeit niedrig ist, hat die hohe Inflation die Wähler schwer belastet“, so der Commerzbank-Analyst Christoph Balz im Gespräch mit ntv. Noch-Oppositionsführer Keir Starmer verspricht unterdessen, dass Großbritannien unter Labour das stärkste nachhaltige Wachstum innerhalb der Gruppe der G7 erzielen wird.
  • Die Torie-Regierungen der letzten Jahre haben ihre migrationspolitischen Ziele verfehlt! Sie alle wollten die Migration begrenzen, doch die Einwanderungszahlen sind stark gestiegen. Vor allem aus Indien und Nigeria kommen immer mehr Menschen. Die aktuellen Migrationszahlen (685.000 im Jahr 2023) sind fast viermal so hoch wie 2019.
  • Die nationale Gesundheitsbehörde NHS läuft den eigenen Ansprüchen hinterher. Eigentlich wollte sie garantieren, dass Patienten innerhalb von spätestens 18 Wochen, unabhängig der Schwere der Verletzung/Krankheit, ihre Behandlung starten können. Ende 2023 mussten allerdings knapp acht Millionen Bürger länger auf ihre Versorgung warten. Auch die Finanzspritze für das Gesundheitswesen fällt gering aus. Der Schnitt ist unter dem Wert der 1950er-Jahre.

18.50 Uhr: Inzwischen geht es nicht mehr um die Frage, ob die Labour-Party die Wahl in Großbritannien gewinnt, sondern darum, wie stark die Klatsche für die Konservativen um Rishi Sunak wird. Doch was würde ein Keir Starmer auf dem Premierministerstuhl für Deutschland bedeuten? Starmer galt als harter Brexit-Kritiker und machte sich vergeblich für einen Verbleib in der Europäischen Union stark.

Großbritannien und Deutschland: Annäherung bei Wahlsieg von Starmer?

Er war brexitpolitischer Sprecher seiner Partei und warnte vor den wirtschaftlichen Folgen eines Austrittes. Knapp vier Jahre später rutschte die Wirtschaft sogar in eine Rezession. Der Brexit kostet Großbritannien mehr als 162 Milliarden Dollar jährlich. Die Wirtschaftsleistung habe seit dem Austritt um knapp sechs Prozent abgenommen, so Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Bei einem Sieg der Sozialdemokraten rechnen sowohl Deutschland als auch die EU mit einer politischen Annäherung.

18.18 Uhr: Die Botschaft, die Oppositionsführer Keir Starmer der Wählerschaft heute mit auf den Weg gegeben hat, ist ebenso kurz wie prägnant. „Vote Change“ (Wählt den Wandel) lautet seine Nachricht. Diese scheint anzukommen, denn knapp fünf Stunden vor Schließung der Wahllokale liegt seine Labour-Party laut Prognosen bei 38,8 Prozent.

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18.00 Uhr: Das Wichtigste zur Wahl in Großbritannien:

  • Premierminister Rishi Sunak hatte am 22. Mai 2024 vorgezogene Neuwahlen angekündigt. Die Legislaturperiode beträgt 5 Jahre, laut offiziellem Turnus hätte die Wahl spätestens im Januar 2025 stattfinden müssen. Die Opposition hatte seit Monaten auf Neuwahlen des Unterhauses (House of Commons) gedrängt.
  • Großbritannien ist in 650 Wahlkreise unterteilt. Es gilt die einfache Mehrheitswahl, pro Wahlkreis kann somit nur ein Abgeordneter bestimmt werden. Derjenige Kandidat, der die meisten Stimmen erhält, gilt als gewählt. In England liegen 543 Wahlkreise, in Schottland 57 Wahlkreise, in Wales 32 Wahlkreise und in Nordirland 18 Wahlkreise.
  • Die letzte Unterhauswahl fand am 12. Dezember 2019 statt. Damals konnten die Tories mit 43,6 Prozent der Stimmen und 56 Prozent der Sitze im Unterhaus die absolute Mehrheit erzielen. Die Labour-Party kam auf 32,2 Prozent.

17.34 Uhr: Am Rande der UK-Wahl haben Tierschützer gegen die Herstellung von Bärenfellmützen protestiert. Diese sind traditioneller Bestandteil der Uniformen der königlichen Wachsoldaten. Als Labour-Chef und Premier-Favorit Keir Starmer zu seinem Londoner Wahllokal schritt, wurde er von einem Aktivisten in einem Bärenkostüm begrüßt. Auf dem Protestplakat der Organisation PETA stand: „Sir Keir: Schütze meine Haut! Stimme für Kunstpelzmützen.“

Die Tierschutzorganisation PETA nutzt die Wahl in Großbritannien, um auf den Schutz von Bären aufmerksam zu machen.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

17.16 Uhr: Wer liegt in den Umfragen vorne?

ParteiStimmenanteil in %Prognose Sitze
Labour38,8%453
Conservative21,8%78
Reform UK16,4%7
Liberal Democrats11,0%67
Green Party6,3%3
Scottish National Party3,1%19
Andere2,6%23
Quelle: Electoral Calculus

Populist Farage macht den Tories Druck

16.55 Uhr: Reform UK gilt als die größte Protestpartei in Großbritannien, Parteichef Nigel Farage war und ist ein großer Fan des Brexits. Der 60-Jährige trat bereits bei sieben Unterhauswahlen an, siebenmal missglückte der große Wurf. Auch an diesem Abend dürfte es für den engen Freund von Donald Trump nicht für ganz oben reichen, doch das Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Tories um Platz zwei kann durchaus als Erfolg gewertet werden. Noch vor einem Jahr lag seine Partei bei 6 Prozent.

Seine erneute Kandidatur begründete Farage mit einer noch nie da gewesenen „rebellischen Stimmung“ gegen die Eliten in Großbritannien. Sein größtes politisches Vorhaben ist die Eindämmung der Migration. Der Zuzug hat seit dem Brexit (01. Februar 2020) stark zugenommen. Der Rechtspopulist sprach in seinem Wahlkampf regelmäßig von einer „Bevölkerungsexplosion“.

16.32 Uhr: Aller Voraussicht nach müssen die Tories somit nach 14 Jahren den Platz auf dem Premierminister-Stuhl räumen. Sunaks Widersacher Keir Starmer (61) scheint längst enteilt. Eher sollten die Konservativen einen Blick über die Schulter werfen, denn die rechtspopulistische Partei Reform UK erlebt einen rasanten Aufschwung. Laut „The Economist“ liegen Spitzenkandidat Nigel Farage und seine Kollegen nur noch drei Prozentpunkte hinter den Tories (insgesamt 17 Prozent).

16.10 Uhr: Die letzten Umfragen sind eindeutig. Obwohl die Wählerinnen und Wähler noch bis 23 Uhr ihre Stimmen abgeben können, scheint der Sieger längst festzustehen. Allen Statistiken zufolge steht die Labour-Party vor einem Erdrutschsieg. Die aktuelle Prognose von „The Economist“ (4. Juli) geht davon aus, dass die sozialdemokratische Partei 39 Prozent der Stimmen ergattern könnte. Für Premierminister Rishi Sunak (44) und seine Tories (Conservative Party) könnte es derweil ein rabenschwarzer Abend werden. Sie stehen derzeit bei 20 Prozent.

Starmer soll „der langweiligste Mensch der Insel“ sein

15 Uhr: Wer ist der Mann, der neuer Regierungschef in Großbritannien werden könnte? Der haushohe Favorit Keir Starmer gilt als „der langweiligste Mensch der Insel“. Ein Scholz 2.0. Wieso er so eingeschätzt wird, liest du hier.