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ZDF stellt sich nach Interview klar gegen Weidel: „Das ist Unsinn“

Im ZDF-Interview zeichnet AfD-Chefin Alice Weidel ein düsteres Bild von Deutschlands Sicherheit. Dabei stellt sich auch das ZDF gegen sie!

© IMAGO/Metodi Popow

Beiß-Attacke beim AfD-Parteitag

Hässliche Szenen beim AfD-Parteitag in Essen. Es kam zu Zusammenstößen zwischen AfD-Gegnern und der Polizei mit Verletzten auf beiden Seiten. Ein Politiker sorgte mit einer Beiß-Attacke für einen Skandal.

Im jüngsten Sommerinterview sorgte AfD-Chefin Alice Weidel mit drastischen Aussagen zu Kriminalität und Migration für Aufsehen. Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache. Ein genauer Blick auf ihre Aussagen zeigt deutliche Übertreibungen und verzerrte Darstellungen der Realität. Auch das ZDF stellt sich nach dem Interview klar gegen Weidels Aussagen.

Übertriebene Kriminalitätsstatistik

Weidel zeichnete in dem Interview ein düsteres Bild der Sicherheitslage in Deutschland. „Menschen werden täglich auf den Straßen umgebracht“, behauptete sie und verwies auf eine angeblich explodierende Kriminalstatistik. Doch diese Darstellung hält keiner Überprüfung stand. Auch das ZDF schreibt: „Dass täglich Menschen auf den Straßen umgebracht würden, ist Unsinn.“

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Laut der polizeilichen Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 214 Morde und 342 Fälle von Totschlag registriert. Dabei handelt es sich größtenteils um Taten, bei denen Täter und Opfer eine Beziehung zueinander hatten. Dass täglich Menschen „auf den Straßen umgebracht“ würden, ist schlichtweg falsch.

Geringer Anstieg von Vergewaltigungen

Auch bei den von Weidel angeführten Messerangriffen und Vergewaltigungen klaffen ihre Aussagen und die Realität weit auseinander. Zwar stieg die Zahl der Messerangriffe auf 8.951 Fälle im Jahr 2023, aber die von Weidel genannten 15.000 Fälle sind deutlich übertrieben.

Ebenso ist die Zahl der Vergewaltigungen gestiegen, jedoch weist die Kriminologie darauf hin, dass diese Statistik nur bedingt aussagekräftig ist. Denn die Polizeiliche Kriminalstatistik ist nicht gleichzusetzen mit der Kriminalitätswirklichkeit. So sagt Kriminologe Tobias Singelnstein gegenüber dem ZDF: „Die Kriminologie geht davon aus, dass es eher keinen erheblichen Anstieg im Bereich Vergewaltigung und sexueller Nötigung gibt.“

Australien als fragwürdiges Vorbild

Weidel fordert eine strengere Grenzpolitik nach dem Vorbild von Ländern wie Australien. Doch eine Übertragung dieses Modells auf Deutschland ist kaum realistisch. Australien fängt Migranten auf hoher See ab und schickt sie entweder zurück oder in Drittstaaten. Diese Praxis wurde international stark kritisiert. Menschenrechtler bemängeln die oft unmenschlichen Bedingungen in den Lagern sowie zahlreiche Menschenrechtsverletzungen. Auch die geografischen Gegebenheiten sind in Deutschland völlig anders, was eine ähnliche Grenzpolitik nahezu unmöglich macht.

Australien setzt zudem auf Abkommen mit Drittstaaten, die bereit sind, Flüchtlinge gegen Geld aufzunehmen. Solche Deals stehen rechtlich auf dünnem Eis, wie zuletzt ein Urteil des Obersten Gerichtshofs in London gegen ähnliche Pläne Großbritanniens zeigte.

Verteidigungsausgaben: Ambivalente Position der AfD

Ein weiteres Thema des Interviews waren die Verteidigungsausgaben Deutschlands. Weidel bekräftigte die Unterstützung der AfD für das Zwei-Prozent-Ziel der NATO. „Es sollte eigentlich viel mehr sein“, so Weidel. Im Grundsatzprogramm der AfD ist diese Verpflichtung jedoch nicht klar benannt. Die Partei spricht lediglich allgemein von der Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den NATO-Partnern.

Weidel wiederholte die langjährige Forderung ihrer Partei nach einer stärkeren Aufrüstung der Bundeswehr. Im Europawahlprogramm der AfD wird der „Ausbau der wehrtechnischen Fähigkeiten“ sowie „neue wehrtechnische Programme“ gefordert.



Faktencheck widerlegt Aussagen

Das ZDF stellte sich nach dem Interview klar gegen die übertriebenen Darstellungen von Weidel. In einem ausführlichen Faktencheck widerlegte der Sender die Aussagen der AfD-Chefin.

Während Weidel ein Bild von Chaos und Unsicherheit zeichnet, zeigen die Daten ein differenzierteres und weniger dramatisches Bild. Faktenchecks dürften in Zukunft eine noch größere Bedeutung bekommen.