Rot-Weiß Erfurt: Nach endgültigem Aus – jetzt droht auch noch Gefängnis!

Der Regionalligist Rot-Weiß Erfurt stellt den Spielbetrieb ein und meldet seine Mannschaft ab.
Der Regionalligist Rot-Weiß Erfurt stellt den Spielbetrieb ein und meldet seine Mannschaft ab.
Foto: dpa

Erfurt. Rot-Weiß Erfurt ist schon längst am Boden – doch die schlechten Nachrichten reißen einfach nicht ab! Der letzte Schock ist noch gar nicht überwunden, da folgt schon der nächste!

Nach tagelangem Hin und Her informierte der Insolvenzberater von Rot-Weiß Erfurt die Mannschaft und den Trainer: Es ist aus! Ein Schock für Fans, Verein und Stadt – trotz aller schlechten Vorzeichen. Doch auch nach dieser Hiobsbotschaft scheinen die schlechten Nachrichten für Rot-Weiß Erfurt einfach nicht abreißen zu wollen.

Denn jetzt soll die Staatsanwaltschaft Erfurt Ermittlungen aufgenommen haben.

Rot-Weiß Erfurt: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Verein

Es gäbe einen Anfangsverdacht wegen Untreue, hieß es im MDR.

Demnach lägen Strafanzeigen gegen zwei Personen im Zusammenhang mit dem RWE-Ende vor. Namen nannte die Staatsanwaltschaft nicht.

Rot-Weiß Erfurt: Anzeige gegen Volker Reinhardt abgelehnt

Der Club gab via Insolvenzverwalter Volker Reinhardt am Mittwoch den Rückzug aus der Regionalliga aus finanziellen Gründen bekannt.

In der vergangenen Woche hatte der Hauptinvestor beim Erfurter Amtsgericht die Absetzung Reinhardts beantragt, da dieser Gelder angeblich nicht richtig eingesetzt habe.

Das Gericht hatte den Vorwurf als nicht erwiesen angesehen und den Antrag abgelehnt.

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So scheiterte Rot-Weiß Erfurt

Der Untergang eines der wichtigsten Clubs im Osten nahm bereits am 14. März 2018 richtig Fahrt auf. Damals meldete RWE in der laufenden Drittliga-Saison Insolvenz an, fast sieben Millionen Euro Schulden hatte der Club unter der Führung von Präsident Rolf Rombach angehäuft.

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Volker Reinhardt wurde kurz darauf als Insolvenzverwalter eingesetzt. In der Regionalliga Nordost sollte ein Neuanfang her. Mit dem ehemaligen Nationalspieler Thomas Brdaric als neuem Trainer und Oliver Bornemann als sportlichen Leiter sollte wieder Erfolg in der Landeshauptstadt einziehen. „Es ist ein Privileg, Trainer von RWE zu sein. Ich möchte den Verein wieder zum Leben erwecken“, hatte Brdaric bei seiner Vorstellung gesagt.

Der Etat für die Profi-Mannschaft überstieg die finanziellen Mittel

Doch der Alltag bewegte sich zwischen sportlicher Stagnation und immer neuen Geldproblemen. Bereits im Dezember 2018 stand Erfurt vor einer erneuten Pleite. Es konnte in der Regionalliga nur weitergespielt werden, weil ein Sponsorenpool bestehend aus Ex-Präsident Frank Nowag, Ehrenpräsident Klaus Neumann und Ex-Aufsichtsratschef Dr. Peter Kästner eine sechsstellige Summe zur Rettung zur Verfügung stellte.

Ein Grund für die erneute finanzielle Schieflage: Der Etat für die Profi-Mannschaft überstieg die finanziellen Mittel des Vereins schon nach einem halben Jahr in der vierten Liga. Die Lage hatte sich auch drei Monate später, im März 2019, nicht wirklich verbessert. Der Viertligist stand wieder mit dem Rücken zur Wand. Es folgte die nächste kurzzeitige Entwarnung. Der Insolvenzverwalter erklärte, dass der Spielbetrieb durch ein Massedarlehen bei der Raiffeisenbank Rudolstadt bis zum Saisonende gesichert sei. Damit kehrte vorerst Ruhe ein.

Chaos im Club perfekt

Doch schon im Juli sorgte der Viertligist erneut für negative Schlagzeilen. Reinhardt verklagte den Hauptsponsor. Das Autohaus hatte die Zahlungen zwischenzeitlich ausgesetzt, weil es keine Informationen über die wirtschaftliche Situation erhalten hatte. Dazu musste der Insolvenzverwalter weitere finanzielle Einbußen hinnehmen, weil er von mehreren ehemaligen Angestellten wegen unzulässiger Kündigung verklagt worden war und vor Gericht verlor.

Neben dem ehemaligen Sportdirektor Torsten Traub gewannen auch Ex-Trainer Stefan Emmerling und der NLZ-Leiter Oliver Ruhe ihre Prozesse.

Sportliche Talfahrt dauert an

Während es sportlich weiter bergab ging und sich der Club nacheinander von Bornemann und Brdaric trennte, verbuchte Reinhardt am 11. Oktober 2019 einen wirtschaftlichen Erfolg. Mit dem Grundbesitz- und Verwaltungsunternehmen ASGV aus Leipzig, der Franz Gerber Reha und Sportagentur sowie der Millhouse Capital GmbH fanden sich drei neue Geldgeber für den insolventen Club. Die Ausgliederung der 1. Mannschaft in eine GmbH sollte schnellstmöglich erfolgen.

Doch es kam mal wieder alles anders. Die Investoren überwarfen sich mit Reinhardt, dem Club ging endgültig das Geld aus. Reinhardt vermeldete erst das Aus des Clubs, nur um 24 Stunden später einen potenziellen Investor zu präsentieren. Wiederum drei Tage später waren auch diese Gespräche gescheitert und Reinhardt gab auf.

„Es entsteht eine Leere. Ich stehe auf und muss sagen: RWE ist gestorben. Das tut mir in der Seele weh“, sagte Ehrenratsmitglied Neumann. In der kommenden Saison soll RWE in der Oberliga spielen.(aj/dpa)