Sonntagsfrage: Keine Mehrheit mehr für Rot-Rot-Grün in Thüringen

Thüringens rot-rot-grüne Landesregierung hat anderthalb Jahre nach ihrem Amtsantritt laut einer Umfrage keine eigene Mehrheit mehr. Nach der Befragung von infratest-dimap im Auftrag von MDR Thüringen kommen Linke, SPD und Grüne zusammen auf 43 Prozent der Wählerstimmen. Wenn am kommenden Sonntag Wahlen anstünden, könnte Thüringen ähnlich wie im Nachbarland Sachsen-Anhalt von einer „Kenia-Koalition“ aus CDU, SPD und Grünen regiert werden. Ein solches Bündnis kämen den Angaben zufolge auf 50 Prozent.

Deutlich in der Wählergunst zugelegt hat die AfD. Sie würde mit 19 Prozent drittstärkste Kraft. Die rechtspopulistische Partei legt im Vergleich zur letzten Umfrage im vergangenen September um zehn Prozentpunkte zu. „Die Wähler schätzen offensichtlich unseren Mut zur Wahrheit“, so Fraktionschef Björn Höcke am Freitag. Sollten die etablierten Parteien ihren „volksfernen Kurs nicht grundsätzlich korrigieren“, könnte die AfD bei der nächsten Landtagswahl 2019 sogar stärkste Kraft werden, spekulierte er.

Die CDU bleibt der Umfrage zufolge mit 32 Prozent stärkste Kraft, büßt aber drei Prozentpunkte ein. CDU-Fraktionschef Mike Mohring sprach von einer Momentaufnahme. Abgerechnet werde 2019, sagte er. Einen möglichen Grund für das schlechtere Abschneiden von Rot-Rot-Grün sieht Mohring in der Debatte um die Gebietsreform.

Die Linke muss mit 25 Prozent ebenfalls Federn lassen. Die Partei verliert im Vergleich zur September-Umfrage zwei Punkte. Fraktionsvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow nannte den Stimmenzuwachs der AfD „eine Herausforderung für die Parteien der Koalition und die gesamte Gesellschaft“. Der leichte Verlust ihrer Partei gebe keinen Anlass zur Sorge, sagte sie. Sorgen bereite ihr aber der Koalitionspartner SPD, der deutlich schlechter abschnitt als bei der Landtagswahl im September 2014.

„Die elf Prozent treffen mich schon sehr“, räumte Fraktionschef Matthias Hey ein. In dem Wert spiegele sich der Bundestrend wider. Bei der vergangenen Landtagswahl hatte die SPD 12,4 Prozent der Stimmen geholt. Wenn seine Partei den Menschen das Gefühl gebe, sie sei die Schutzmacht des kleinen Mannes, „dann haben wir wieder eine Chance“, zeigte sich Hey zuversichtlich.

Die Grünen bleiben stabil bei 7 Prozent. Sie sehen vor allem ihr Eintreten für die Natur, eine artgerechte Tierhaltung und Themen wie den Ausbau der erneuerbaren Energien als Grund für das Wählervotum.

Die FDP würde erneut den Einzug in den Landtag verpassen. Sie käme auf weniger als 3 Prozent der Stimmen. Die Opposition aus CDU und AfD hätte zusammen 51 Prozent. Für die Umfrage wurden vom 10. Juni bis 15. Juni 1701 Thüringer Wähler befragt.

Bei der Landtagswahl 2014 hatte die CDU 33,5 Prozent erreicht und die Linke 28,2 Prozent. Die Grünen kamen auf 5,7 Prozent. Bei der AfD waren es 10,6 Prozent.